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der Darſtellung des Lukas, XXII. 30, Jeſus die Jünger
als ſolche anredet, welche bei ihm in ſeinem Bedrängniſſe be⸗
harrt haben, und ihnen dafür verheißt, daß ſie mit ihm in
ſeinem Reiche zu Tiſche ſitzen, und auf Thronen die zwölf
Stämme Ifraels richten ſollen, das ſcheint in den Zuſam—
menhang einer Scene nicht zu paſſen, in welcher er unmittel⸗
bar vorher einem der Zwölfe den Verrath, unmittelbar nach—
her einem andern die Verläugnung vorhergeſagt haben ſoll,
und in einem Zeitpunkt, in welchem die eigentlichen τιιοαο
ο erſt bevorſtanden.“ S. 453. Der ganze Abſchnitt des
Lukas XXII. 24—38. reihet ſich unbedenklich an das Abend—
mahl an. Die Beſprechung, ob etwa einer aus ihnen der
Verräther ſein möchte, führte auf die entgegengeſetzte, mehr—
mals angeregte Frage: wer von ihnen der Vornehmſte ſein
werde? Der Erlöſer weiſ't ſie aus dem ſo eben Geſchehenen
zurecht: Sie waren Gäſte; er war ihr Diener geworden.
Sie ſollten Diener ſein; aber nicht unbelohnt bleiben für die
Treue, die ſie unter harten Prüfungen ihrem Meiſter bis
jezt bewahrt haben: er behält das Bild des Gaſtmahles als
Belohnung bei, des meſſianiſchen Gaſtmahles im Paradies,
wie das gemeine Volk die Zuſtände des Reiches Gottes
dachte; daran ſollen ſie Theil haben. Die Worte Vers 28:
bε ε sοε ιαμιινποε ααει ε — — ſind
bedeutend in Hinſicht auf den, der nicht ausgeharret hat wie
ſie, ſondern untreu geworden iſt. Weiter ſollen ſie zum Lohn
ihrer Treue ſitzend auf Thronen richten die zwölf Stämme
Iſrael, welche nemlich den Meſſias von ſich geſtoßen haben.
Es werden nicht mehr zwölf Throne angegeben, wie ehedem,
wo Judas den Verrath noch nicht begangen hatte; Matth.
XIX. 28. nur zwölf Stämme werden genannt; die Zahl
der Throne unbeſtimmt gelaſſen: ſo wenig vergißt ſich der
Geſchichtſchreiber, daß ihm auch nicht ein Wort zu viel ent—
fällt. Was iſt nunmehr am Ganzen zu tadeln; oder was
konnte der Erlöſer Verſtändigeres thun, als, wo ein Jünger
unwürdig von ihm abfällt, daß er die Treue der übrigen
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