http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/hug1844a/0140
— 140 —
lobe, und ihnen dafuͤr Belohnungen verheiße? Wenn Jeſu
unmittelbar darauf dem Petrus ſein Abläugnen vorſagt, ſo
erſieht er darin eine augenblickliche Schwäche, aus der er ſich
ſogar höher aufſchwingen, und die Mitjünger beſtärken werde.
Aber auch dieſer Zufall zeigt, daß es an der Zeit war, die
Jünger durch Lob und Belohnungen zur Treue aufzumahnen.
Verkündigung des Verrathes und der Verleugnung.
(§. 121. S. 454—464.)
§ 81. Was der Herr Verfaſſer hier noch ein Mal in
rinnerung bringt bezüglich auf die Abweichung der Evan—
geliſten, deren einige den Vecrath vor dem Abendmahle, an—
dere nach demſelben anberaumt haben ſollen, iſt in unſerm
§. 77 erledigt. „Aber auch in der Art und Weiſe, wie Jeſu
ſeinen Verräther bezeichnet haben ſoll, fährt unſer Gelehrter
fort, weichen die Evangeliſten nicht unbedeutend von einander
ab.“ Nachdem er die Abweichungen aufgezählt hat, ſchließt
er alſo: „Die Harmouiſten ſind hier ſchnell damit fertig
geweſen, die verſchiedenen Scenen in einander einzuſchieben,
und mit einander verträglich zu machen.“ Er nennt die
Umſtände einer und derſelben Thatſache verſchiedene Scenen.
Wenn ſich nun die Umſtände in einander fügen, iſt es wohl
nicht unverſtändig, daß man ſie wirklich in einander füge;
nur wenn ſie ungefügig der Zuſammenſctzung widerſtreben,
trägt der eine oder andere Theil Abzeichen einer ungeſchicht—
lichen Herkunft.
Die Zuſammenſtellung der bei den vier Geſchichtſchreibern
dieſes Herganges zerſtreuten Glieder wird nur durch zwei
Worte geſtöhret, denen die Erklärer nicht die erfoderliche
Sorge zugewandt haben. Als Judas den Herrn fragte: bins
etwa ich Rabbi? wurde ihm die Antwort, du haſt es geſagt,
ν ιτiα. Matth. XXVI. 25. Manu nahm die Antwort
für bejahend, als hätte ihm der Erlöſer erwidert; du haſt
das Wahre geſagt, & ειαας, απ 1ενρα. Nein; wie die
Worte liegen, antwortet der Gefragte nicht; ſondern verſchiebt
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/hug1844a/0140