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durch ein Zeichen zu verſtehen gegeben, wer der Schuldige
ſei. Als er den Biſſen empfangen, ſprach der Herr zu Ju—
das; was du thueſt, thue ſchnell. Keiner faßte den Sinn
dieſer Worte; ſie vermutheten, Jeſu habe die Einkäufe zum
Feſte, oder ein Geſchenk an die Armen gemeint; er aber
gieng fort u. ſ. w. Joh. XIII. 27— 30. Nichts ſtöret ſich
im Verlaufe, vielmehr bewegen ſich die Gemüthszuſtände der
Theilnehmer in richtiger pſychologiſcher Aufeinanderfolge.
Die Einſetzung des Abendmahles.
(§. 122. S. 464 —470.)
§. 82. Der Streit der Confeſſionen über dieſen Gegen⸗
ſtand iſt hier eingeſchleppt und nicht an ſeinem Orte.
Jeſu Seelenkampf im Garten.
(§. 123. S. 471 — 482.)
§. 83. Nach ſeiner gewöhnlichen Taktik ſtellt der Ver⸗
faſſer die Berichte der vier Evangelien einander gegenüber,
und wenn ſie nicht in Allem gleich ſind, beſchwert er ſich
über Unredlichkeit und Irrthum. Matthäus und Markus
erzählen, Jeſu ſei während des Gebetes im Garten dreimal
zu den Jüngern gegangen, und habe ſie ſchlafend getroffen;
Lukas läßt den dreimaligen Gang aus, der jedesmal unter
den nemlichen Umſtänden wiederkehrt, und faßt alles ohne
Rückſicht auf die Dreizahl in eine Erzählung zuſammen, die
er aber mit neuen Umſtänden, wie gewöhnlich, ausſtattet.
Johannes entgegen läßt die Angſt und das Gebet im Ganen
unerwähnt. Wir haben die Einwürfe dieſer Art ſchon zu Ge⸗
nüge gewürdigt, und wollen nicht ſo oft das Alte wieder⸗
holen, als der Herr Doktor. Nach ſeiner hiſtoriographiſchen
Geſetzgebung ſtehet es keinem Geſchichtſchreiber frei, eine Er—
zählung kürzer oder ausführlicher zu faſſen, unerhebliche Um⸗
ſtände, die am Weſen der Sache nichts ändern, oder die
zur Genüge bekannt ſind, nach eigenem Ermeſſen zu über—
gehen.
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