Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., L 9646,m
Hug, Johann L.
Gutachten über das Leben Jesu, kritisch bearbeitet von Dr. David Friedrich Strauß (2. Band)
1844
Seite: 144
(PDF, 56 MB)
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— 144 —

Nun zu einer Hauptbeſchwerde. „Von jeher iſt an dem
Vorgang in Gethſemane Anſtoß genommen worden, weil in
demſelben Jeſus eine Schwäche und Todesfurcht zu zeigen
ſcheint, welche man ihm unangemeſſen glauben könnte.“ S.
472. Der Herr Verfaſſer durchgehet alle Löſungen dieſer Er—
ſcheinung, und verwirft ſie Alle. Ich wundere mich nicht
darüber, und hoffe unangefochten zurecht zu kommen.
Die Angſt iſt nicht urplötzlich im Garten entſtanden; ſie
lag ſchon länger im Gemüthe Jeſu: während der drittletzten
Reiſe nach Jeruſalem entfiel ihm die Rede: Ich muß noch
eine Taufe überſtehen; und wie bangt mir, bis ſie vollbracht
iſt! Luk. XII. 50. Rach ſeinem feierlichen Einzuge in die hl -
Stadt ließ er ſich vernehmen: Meine Seele iſt erſchüttert?
Vater, erlöſe mich aus dieſer Stunde; aber ich bin darum
gekommen wegen dieſer Stunde. Joh. XII. 27. Es war nicht
die Furcht des Todes, der mit einem Schwertſchlage augen—
blicklich dem Leben ein Ende maͤcht, ſondern der Schauer
vor der gräßlichſten ſchmerzvollſten Todesart, die ihre Schlacht—
opfer unter langen Peinen hinrichtet.
Es giebt Beiſpiele, daß Menſchen mit großer Entſchloſſen⸗
heit den Qualen des Kreuzes entgegen gegangen ſind; aber
es waren Menſchen, abgehärtet unter den Waffen und den
Müheſalen des Krieges, oder erſtarkt unter den unrühmlichen
Fährlichkeiten und dem Wildleben des Räuberhandwerkes;
ſodann ſklaviſche Leiber durch ſchwere Arbeit, die Grauſam—
keit der Herrn und die Geiſelhiebe der Treiber abgeſtumpft
gegen Schmerz und Wehe. Einen ſolchen Körper hatte Jeſu
nicht dieſer Todesart entgegenzuſetzen. In ruhiger Lebensweiſe
geiſtiger Beſchäftigung zugewandt, wohl auch mit einem or⸗
ganiſchen Baue begabt, welcher intellectuellen Verrichtungen
und ſanfterer Gefühlsthätigkeit dienſtlich zuſagte, mußte er
Schmerz und Leiden mit verſchärfter Heftigkeit empfinden.
Wie zarter die Hülle des Geiſtes, deſto heftiger zittert ſie bei
den Befürchtniſſen der Zukunft, und wie näher die Unglücks⸗
ſtunde heranrückt, deſtomehr ſteigert ſich die Bangigkeit, und


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