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iſt, Lukas erzählt. XXIII. 7—12. Jeſu verſchmähte es,
die Neugierde dieſes Fürſten zu befriedigen; noch konnte er
ihn über ſeine Zwecke und Sendung, wenn er auch dafür
empfänglich geweſen wäre, ſtehenden Fußes belehren: er
ſchwieg alſo. Herodes verſtand dieſes Stillſchweigen nicht,
ſpottete ſein, und ſchickte ihn angethan mit einem Prachtge⸗
wande zurück.
Nach dieſer Zwiſchenſeene verkündete Pilatus dem Volke
das Ergebniß der bisher geführten Unterſuchung: weder Er
noch Herodes finden an dem Beklagten eine Schuld. Nun
war das Geſchäft geſchloſſen; Jeſu war frei. — Unglück⸗
licher Weiſe aber wandelte den Richter eine Schwäche an;
er wollte auch dem Volke zu Gefallen ſein, und ſetzte dem
Ausſpruche bei: ich will ihn züchtigen und dann entlaſſen,
οιιαμuvα αον ô ατοιν ςνο. Luk. XXIII. 13— 16.
Bevor er es aber dazu kommen ließ, machte er noch
einen Verſuch, auf das Rechtsgefühl der Kläger zu wirken:
er begriff nicht, wie viel den religiöſen Gewaltträgern und
ihrem Anhange an der Hinrichtung Jeſu gelegen ſei, und
dachte, da es am Feſte üblich war, einen der Todesſtrafe
Verfallenen frei zu geben, wenn er ihnen den Vorſchlag
machte, zwiſchen zweien ſelbſt zu wählen, ſie würden ſich für
den Schuldloſen entſcheiden. Er nannte ihnen alſo Jeſu und
Barabas, einen verruchten Verbrecher. Sie aber ſchrien den
Barabas! Matth. XXVII. 15—18. Mark. XV. 6—14.
Luk. XXIII. 17—19. Joh. XVIII. 39, 40. Was ſoll ich
nun mit dem Könige der Juden machen? ſie ſchrien: kreuzige
ihn. Matth. XXVII. 22. Mark. XV. 12 — 14. Pilatus
erwiderte, ich will Jeſu frei laſſen; dieſes erwiderte er zum
dritten Male: ich finde keine Todesſchuld an ihm; ich werde
ihn züchtigen und frei laſſen. Luk. XXIII. 17— 22.
Und nun kam es wirklich zur Geiſelung. Joh. XIX. 1.
Eine fürchterliche Vorrede zum Tode war bei den Römern
der Ruthenſchlag, das Peitſchen mit dünnen Stäbchen von
Zweigen des Ulmbaumes, über deſſen Urſprung und Urſache
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