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reroœòzν. Die nöthigen Eruditionen hierüber hat Wetſtein
geſammelt zu Apoſtg. XII. 4. Nur weiß aber Jedermann,
wie man verfährt bei Vertheilungen von Gegenſtänden, wel⸗—
cher Art ſie ſeien, an Gleichberechtigte: es iſt meiſt unthun⸗
lich, aber immer ſchwer, alle Theile vollkommen gleich zu
machen, weßwegen die Verloofung in Anwendung kömmt,
um dem Schickſal, zu Vermeidung von Zwiſten, die Ent⸗
ſcheidung heimzuſtellen, wie Markus hinzuſetzt, ι 1α aον
was jeder zu nehmen habe. Dieſes Auskunftsmittel bei der
Kleidervertheilung, wenn auch Johannes deſſelben nicht er⸗
wähnt, verſtehet ſich alſo von ſelbſt. Die Worte des Pfal⸗
mes XXII. 19, welche der Epangeliſt als Vorbedeutung der
Kleidertheilung anführt, ſchließen die erſte Verlooſung nicht
aus; es iſt nemlich eine Eigenheit des poetiſchen Parallelis⸗
mus der Hebräer, daß das zweite Glied öfter erläuternd und
ergänzend auf das erſte zurückwirkt, ſo daß die Verlooſung
vom erſten wie vom zweiten Gliede gilt. P
Die Verſchiedenheit, welche S. 573 herausgehoben wird,
daß Lukas die ατορ nennet, welche Läſterungen gegen
Jeſu ausſtoßen; Matthäus und Markus aοανιεοοι, ροοαα
uorsg, „ταεοορρoορa,; auch die Soldaten und die Vorüber⸗
gehenden den Läſternden beigeſellen, iſt ein unerwarteter Ein⸗
wurf: aoxortesg iſt die allgemeine Benennung, welche alle
einſchließt, die an der Regierung Theil haben, wie Jeder⸗
mann weiß; und wo eine Menge zuſammenläuft, reden Viele
wie ſie Andere reden hören. Einige der Spottreden ſind aus
dem XXII. Pſalm genommen, wie Matthäus XXVII. 43
eαιρε τt 1ον τοϑ°, οαονο aντο ν, et 91ει
avroy, und vermuthlich die Worte Mark. XV. 29 zuſam⸗
mengeſetzt mit Luk. XXIII. 35 cονονντες 7τα αοτς —
Seνννταοοε. Ich beſtätige daraus, was der Herr Ver⸗
faſſer ſo eben eingeſtanden hat, daß die jüdiſchen Gelehrten
dieſen Pſalm als meſſianiſch anerkannt haben. Dieſes An⸗
erkenntniß wurde ihm aber entzogen von allen denen, die ſich
der Idee eines mächtigen Volksbefreiers hingegeben, und von
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