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dieſer Fall eine Ausnahme macht von allen gewöhnlichen
Krankheitsfällen, die mit dem Tode enden, ſo iſt es ein
derber Paralogism, das Außergewöhnliche und Einzige nach
dem Gewöhnlichen und Gemeinen beurtheilen und aburtheften
zu wollen. Aus dem ärztlichen Urtheile fließt alſo auch
nichts.
Begrbniß Jeſu.
(§. 133. S. 604–—611)
§. 93. Die Ungleichheiten der Evangelien i in der Be⸗
gräbnißgeſchichte Jeſu, welche der Wolfenbüttler Fragmentiſt
hervorgehoben, und mit Nachdruck betrieben hat, werden hier
auf ein Neues geltend gemacht. Es iſt auch nicht zu läugnen,
daß die gelehrten Männer, die ſich damals mit Ausgleichung
derſelben beſchäftigt haben, nicht ſo glücklich geweſen ſind,
etwas Befriedigendes zu leiſten. Man hatte nemlich das
Verhältniß der Evangelien zu einander noch nicht in Unter⸗
chung gezogen, nech nicht näher die Eigenthümlichkeiten
jedes der Verfaſſer beſtimmt, und was jeder in ſeiner⸗Stel⸗
lung nach der Reihe, wie ſie auf einander folgen, zur Be⸗
richtigung der Erzählung ſeines Vormannes gethan, und
noch Ungeſagtes zu Tage gebracht habe, um die Geſchichte
Jeſu nach Bedürfniß und Vermögen fortzubilden. Das
Alles lag noch nicht in Bereitſchaft; aber gerade das iſt es,
woraus ſich alle Einwürfe löſen.
* Wir wollen ſie nun vornehmen. „Matthäus ſagt nichis
von der jüdiſchen Einbalſamirung, ſondern nur von der Ein⸗
wickelung in eine Leinwand; Matth. XXVII. 69. Der
Wolfenbüttler giebt zwar zu, daß das jüdiſch Bräuchliche
darunter mitbegriffen ſei; nicht ſo der Herr Doctor: er zieht
daraus ein argumentum ex silentio, Matthäus ſagt es
nicht, alſo iſt es nicht. S. 608. Darauf, dünkt mich, ge⸗
höret keine Antwort, und das Bauwerk, was er auf dieſe
Negation errichtet hat, iſt berechnet auf die Gläubigkeit dem
Baukünſtler ergebener Seelen.
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