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und ſagte ihnen: ſie haben den Herrn aus dem Grabe ge⸗
nommen, und wir wiſſen nicht, wohin ſie ihn gelegt
haben. Petrus und Johannes giengen alſo hinaus zum
Grabe; ſchneller lief Johannes. Dieſer neigte ſich einwärts,
und ſah die Todtentücher, gieng aber nicht hinein; Petrus
kam nach, gieng ins Grab, ſah die Tücher da liegen und
das Geſichttuch zuſammengefaltet an einem beſondern Orte.
Dann gieng auch Johannes hinein, der der erſte angekommen
war, und glaubte; denn ſie verſtanden die Schrift nicht,
daß er von den Todten erſtehen müſſe. Die Charaktere find
gut gehalten: der Jüngling eilet in ſeiner Lebhaftigkeit voran,
und der Mann überholet ihn nicht; aber Johannes iſt
ſchüchtern, blickt nur ins Todtengemach; Petrus entgegen
ſchreitet herzhaft hinein. Die Jünger giengen nunmehr nach
ihrer Wohnung. XX. 1—11. Maria aber ſtand außen,
und ſohin folgt die Erzählung, wie ſie den Hern geſehen
hat. 11 — 18.
Daß die der Magdalenerin gewordene Erſcheinung Jeſu
ein eigener Auftritt ſei, verſchieden von dem, was den Frauen
insgeſammt am Grabe begegnet iſt, liegt zu klar vor Aller
Augen, als daß es einer Beweisführung bedürfte; Johannes
nennet die Magdalerin allein, vermuthlich als die Anführerin
des Hinzuges zum Grabe, beſonders aber, weil, was ſie
ausnahmsweiſe gethan und geſehen hat, eine für ſich be⸗
ſtehende Erzählung bildet. Uebrigens war ihm, was den
Fräuen beim Grabbeſuche begegnet iſt, nicht unbekannt.
Gleich im Einganges des XX. Hauptſtückes deutet er an,
daß ſie nicht erwarteten, den Stein abgewaͤlzt zu finden.
Deutlicher aber liegt es in den Worten der Magdalerin:
wir wiſſen nicht, wohin ſie ihn gelegt haben; wir kann
doch nur heißen, wir Frauen.
Nach dieſen Vorbemerkungen ergreifen wir die Aufgabe,
was den Frauen am Grabe widerfahren iſt, in den Zu—
ſammenhang des Ganzen einzuweiſen. -Nichts iſt leichter: es
macht ſich gleichſam von ſelbſt. Die Magdalenerin, wie ſie
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