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vorgeſagt hat. Im Hinblicke auf die Leiſtungen und das
hiſtoriſche Verdienſt des Lukas iſt nicht zu mißkennen, daß
wir ihm eine Berichtigung verdanken, die durch ſeine For—
ſchungen den Reden der Frauen zugegangen iſt. So einfach
löſet ſich der Knoten. Wollte man mir eine ähnliche Rede
Jeſu entgegenſetzen, die er nach dem Abendmahle zu den
Jüngern tröſtend geſprochen hat: nachdem ich erſtanden ſein
werde, gehe ich euch voran nach Galiläa, Matth. XXVI. 32.
Mark. XIV. 28, ſo iſt wohl zu beachten, daß der Fall ſehr
verſchieden ſei. Sie werden nicht an dem Tage, wo der
Herr erſtanden iſt und den Jüngern ſich zu Jeruſalem lebend
dargeſtellt hat, nach Galiläa vorgeladen, wenn ſie ihn ſehen
wollen, ſondern im Allgemeinen vertröſtet; es iſt nicht Alles
verloren, wir werden uns wieder ſehen wie vormals im hei⸗
mathlichen Lande. Der Schluß, welchen Matthäus ſeinem
Evangelium gegeben, erzählt, wie anfänglich die Auferſtehung
durch die Frauen den Jüngern und durch die Grabwache
den Hochprieſtern kund geworden, und wie endlich der Herr
Jeſu den Eilfen in Galiläa ſich lebend dargeſtellt, und ihnen
den Auftrag ertheilt hat, hinzugehen in alle Welt, ſeine Lehre
Kauszubreiten, und ihr Bekenner zu ſammeln. Er enthaͤlt
alſo die erſten Erſcheinungen in und an dem Grabe, und
die letzten Worte Jeſu in Galiläa. Die Nachricht, welche
die Frauen den Jüngern überbracht haben ſollen, ſich nach
Galiläa zu verfügen, hat nemlich den Matthäus veranlaßt,
unmittelbar den Abſchluß der Ereigniſſe in Galiläa anzu⸗
knüpfen, ohne die Mittelzuſtände zu berühren. Im Grunde
genügte es auch, was durch die Frauen zu Tage gekommen,
aus der Selbſtanſicht der eilf Apoſtel zur hiſtoriſchen Wahr⸗
heit zu erheben.
In dieſer letzten Anſprache Jeſu, die er in Galiläa ſeinen
Jüngern gewährt hat, könnten die Worte des Geſchicht⸗
ſchreibers ein Bedenken erregen: einige aber zweifelten, 0? oe
& dtoον—ιοον, nachdem ſie doch den Herrn am Abend des
Auferſtehungstages in ihrer Mitte geſehen, und acht Tage
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