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frischen Leichen zuerst hinten die Dura mater spinalis und cerebralis durch Entfernen aller Wirbelbogen und des
grössten Theils der flachen Schädelknochen; dann machte er an der Cauda equina einen kleinen Einschnitt, der bis
in den Raum unter der Arachnoidea drang und liess die Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit ausfliessen; statt ihrer
bliess er durch eine Röhre so viel Luft ein, als der Canal fassen konnte, legte dann Ligatur an die Einschnittsöffnung
und preparirte die Dura vorsichtig ab. In dieser Weise erhielt er den Raum unter der Arachnoidea in grosser
Ausdehnung blossgelegt. Längs der hinteren Mittellinie dieses Raumes giebt es am Rückenmark von der Cervikal-
gegend bis zum unteren Theile des Rückens eine Art Raphe, ein Mediastinum posterius; es besteht aus dünnen und
durchsichtigen Lamellen, die durch kleine Zwischenräume von sehr verschiedener Form und Grösse unregelmässig
getrennt sind. An den anderen Funkten ist die Arachnoidea an der Pia durch viele Blutgefässe befestigt, die mit
unregelmässig liegenden, aber am Halse in grösserer Anzahl als an der Dorsal- und Lumbargegend vorhandenen,
zelligen Filamenten vermischt sind (das subarachnoidale Gefässzellgewebe). Die Vertheilung der Flüssigkeit um das
Rückenmark ist nach vorn, nach hinten und seitlich bei den verschiedenen Bewegungen und Lagen der Wirbelsäule
verschieden. Hinten vom ersten Halswirbel bis zur Cauda equina beträgt sie mehrere Linien, von diesem Punkt an
nimmt sie ab und verschwindet am Sacrum fast ganz. Nach vorn ist dagegen die flüssige Schicht vom Foramen
magnum bis zum zweiten Lendenwirbel sehr dünn, nimmt aber nach dem Sacrum zu und beträgt daselbst 5—6 Linien.
Die Nervenwurzeln sind bis zu ihrem Austritt aus dem Vertebralkanal von der Flüssigkeit umgeben.

Auf der Oberfläche des Gehirns findet sich die Flüssigkeit überall. Am Foramen magnum, wo sie mit der in der
Wirbelsäule sich vereinigt, bildet sie nach hinten unter dem kleinen Gehirn eine bedeutende Schicht, welche den Eintritt
in den vierten Ventrikel umgiebt, in den sie auch eindringt. Beim Erwachsenen beträgt ihre Dicke an dieser Stelle 6—7
Linien, ihre Längenausdehnung kann bis zu einem Zoll betragen. Hier und da gehen Blutgefässe durch sie. Davon
kann man sie über die ganze hintere und obere Fläche des Kleinhirns verfolgen. Sie füllt da überall das zelligvascu-
läre Gewebe zwischen der Pia mater und der Arachnoidea aus; in dem Zwischenraum welcher zwischen den Corpora
quadrigemina nach unten, dem kleinen Gehirn nach hinten, der Glandula pinealis und dem Corpus callosum nach vorn
und den Pedunculi cerebri nach unten und auf den Seiten sich findet, bildet die Flüssigkeit eine einzige Masse. Von
diesem Centraipunkte aus verbreitet sie sich nach mehreren Richtungen. Nach vorn und unten erstreckt sie sich sogar
in das Gewebe des Plexus choroideus und kann so in das Innere der Ventrikel gelangen; dies geschieht durch wahre
Imbibition durch die Pia mater der Ventrikel, und nicht durch einen Canal oder durch eigenthümliche Canäle. Die
Flüssigkeit ist über die ganze Oberfläche der Grosshirnlappen verbreitet, sowohl über die Windungen als in den Furchen.
An der Basis cranii erstreckt sie sich über die ganze Gehirnfläche, hier geht sie aber kaum über die Windungen
selbst, nur in die Vertiefungen oder die Zwischenräume der Windungen. Sie geht mit dem Infundibulum zur
Glandula pituitaria, deren Gewebe sie durchdringt, Alle Gehirnnerven werden bis zu ihrem Austritt durch die Dura
mater von der Flüssigkeit umspühlt. Das fünfte Paar wird aber noch eine Strecke von ihr begleitet; die Flüssigkeit
bildet nämlich eine besondere Ansammlung in der Höhle der Dura, wo sein Ganglion liegt, sie trennt seine Fasern
von einander und imbibirt sein Gewebe, so wie den Ursprung der drei von ihm ausgehenden Nervenäste. Ferner
begleitet sie den Nervus aeusticus und facialis bis auf den Boden des Meatus auditorius internus; sie steht in keiner
directen und freien Verbindung mit der Flüssigkeit im Labyrinthe, allein die Vermischung muss leicht durch Imbibition
durch die Membran erfolgen, welche das Vestibulum auf dieser Seite schliesst, Durch denselben physikalischen
Mechanismus kann auch die Flüssigkeit in den Canalis spiralis des N. facialis gelangen, wohin sie auch noch durch
den Canalis Fallopii gelangen kann. Das Eindringen der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit in die Höhlen des Labyrinths
kann auch durch den Aquaeductus vestibuli erfolgen, dessen ausgeschweifte Mündung beständig mit ihr angefüllt
ist. Die Sehnerven verlässt sie bei deren Eintritt in die Orbita; sie benetzt die Nervi olfactorii, bis diese
in die Lamina cribrosa dringen.

An gewissen Punkten der Oberfläche des Gehirns ist die Flüssigkeit in grösserer Menge angesammelt. Es
sind diess die Zusammenflüsse (Confluents):

Der erste oder hintere Zusammenfluss ist der bedeutendste und liegt unter und hinter dem kleinen Gehirn.

Der zweite oder untere liegt vor dem Pons Varoli und zwischen den Pedunculi cerebri. Die Arteria basilaris
befindet sich in ihm.

Der dritte oder obere liegt hinter und über und zu beiden Seiten der Glandula pinealis.

Der vierte oder vordere befindet sich vor dem Chiasma nervorum opticorum und unter der grauen Substanz,
welche den dritten Ventrikel vorn und unten verschliesst.


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