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das Dach desselben bildend und hier den medianen Plexus (P. ventriculi tertii) tragend (s. unten). Wie es sich
zu den eigentlichen lateralen und medianen Plexus verhält, werden wir dann berücksichtigen, wenn wir den allgemeinen
Bau desselben etwas näher geschildert haben. Die Verfasser stimmen auch darin überein, dass das Velum aus zwei
Blättern besteht, welche eine Fortsetzung der Pia von den aussen davon liegenden Hirntheilen und mithin als eine
Verdoppelung der Pia anzusehen ist. Das obere Blatt ist eine unmittelbare Fortsetzung der Pia des Splenium corporis
callosi und der umgebenden Theile des Grosshirns. Das untere ist dagegen eine Fortsetzung der Pia der Lainina
corporum quadrigeminorum, der Crura cerebri und des hinteren Theils des Sehhügels. Von der oberen Fläche des
Kleinhirns kann die Pia nicht, wie oft angegeben wird, in das Velum direct übergehen. Die beiden Blätter verhalten
sich nun in der That im Velum trianguläre zu den von ihnen bekleideten Hirntheilen ganz in derselben Weise
wie die Pia in einem Sulcus intergyralis an der Oberfläche des Gehirns. Mit den ins Gehirn eintretenden Blutgefässen
geben sie jederseits die von uns am anderen Ort geschilderten trichterförmigen Verlängerungen ab, welche
in die perivasculären Adventitialscheiden sich fortsetzen. Wie verhalten sich aber diese Blätter zu einander, wie
ist das Gewebe zwischen ihnen beschaffen und wie verhält sich dieses zu dem eigentlichen Subarachnoidalgewebe?
Fohmann (a. a. 0.) nahm hier das Vorhandensein von Saugadern an; dies wurde dann von van Ghert geleugnet
(Disquisitio anatomico-pathologica de plexubus choroideis. Traj. ad Rhenum 1837. Nach Luschka angeführt). Fr.
Arnold erhielt Injection von Netzen sowohl als auch von grösseren und kleineren Stämmen lymphatischer Gefässe,
welche die Venen begleiteten und sich zu einem ziemlich ansehnlichen Stamm sammelten, der die Vena magna Galeni
begleitete (s. o.). Luschka (Die Adergeflechte) sagt: »die beiden Blätter sind normalmässig in fast ihrer ganzen
Ausbreitung innig mit einander verwachsen, ähnlich wie die Blätter des grossen Netzes, so dass man die Duplicität
der Bildung gewöhnlich nur an der Stelle ihres Eintrittes durch die grosse Querspalte deutlich zu erkennen vermag.
Doch ist es mir zu wiederholten Malen gelungen, in grösserer Strecke Luft zwischen die beiden Blätter zu treiben
und so das obere stellenweise blasenförmig zu erheben)). Durch einen feinen Tubulus konnte er Quecksilber zwischen
die beiden Blätter einbringen, welches dann die kleinen Zwischenräume erfüllt oder sich auch wohl gewaltsam Wege
bahnt, die bisweilen einige Aehnlichkeit mit injicirten Lymphgefässen darbieten und daher bezüglich der Beurtheilung
der letzteren in diesem Theile zur grössten Vorsicht warnen. Zwischen den beiden Blättern der Pia fand er spiralig
umwickelte Zellstoffbündel, welche er von der Arachnoidalscheide der Vena magna Galeni herleitete. Reichert
(Der Bau des menschlichen Gehirns) fasst das Velum in der folgenden Weise auf; er äussert im Zusammenhang mit
seiner Opposition gegen das Vorhandensein des Canalis Bichati: »Decke und Seitenwände der dritten Hirnkammer
liegen anfangs frei und besitzen keine Oeffnung, wenn nicht etwa die äussere Hülle des Gehirns gewaltsam und
mit Zerstörung der dünnen Decke der Gehirnröhre abgetrennt wird. Später wachsen die ebenfalls vollkommen
geschlossenen Grosshirnbläschen über diese Gegend hinweg nach hinten bis auf das Cerebellum hinauf und
verbinden sich mittelst der Commissur des Fornix und durch den Balken. Ueberall, wo hierbei die verschiedenen
Bestandteile des Gehirns mit ihrer freien Oberfläche in unmittelbare Berührung gerathen, verschmelzen die betreffenden
äusseren Hüllen zu einer gemeinschaftlichen Platte, gerade so, wie zwischen den in der Fossa Sylvii sich
berührenden Scheitel- und Schläfenlappen oder zwischen Cerebellum und Medulla oblongata in der Fissura transversa
cerebelli. Diese Platte, welche nunmehr als ein Fortsatz der Pia mater im Bereiche der Fissura transversa cerebri
angesehen wird, ist in der Mitte, wo die stärkeren Gefässe (Venen Galen's) verlaufen, durch ihre Dicke ausgezeichnet
und wird hier die Tela choroidea superior genannt; sie erstreckt sich ausserdem in einer dünneren Schicht seitlich
zwischen Sehhügel und Fornix weiter)).
Henle schildert diese Verhältnisse, nachdem er den Ursprung der Tela chorioidea (s. o.) besprochen hat,
folgendermassen: »In der Richtung von hinten nach vorn, in welcher die beiden unter dem Balken nebeneinander
verlaufenden Vv. cerebri int., die sich zur V. int. communis vereinigen (Gefässl. S. 337), an Kaliber abnehmen, wird
auch die Tela choroidea dünner und ebenso verdünnt sie sich nach den Seiten hin. Da das die Venen zunächst
umgebende Gewebe locker ist und sich gegen die Oberflächen verdichtet, so kann man sich die Membran aus zwei
Blättern zusammengesetzt denken, die vor und seitwärts allmählig mit einander verschmelzen».
Bei unseren Subarachnoidalinjectionen vom Rückenmark her haben wir oft eine vollständige Füllung des ganzen
Velum trianguläre bis zu den am Rande desselben in den Seitenventrikeln verlaufenden lateralen Plexus chorioidei er- ,
halten, nie hat aber die Injection bis in die Chorioidalzotten selbst, weder hier noch in dem medianen Plexus des dritten
Ventrikels, gereicht. Uebrigens hat sie sich in derselben Weise wie die gleichzeitige Subarachnoidalinjection an der
Hirnoberfläche verhalten und dabei theils mehr die Blutgefässe, besonders die grösseren, begleitet, theils sich auch
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