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gehen in einer Lamelle, besonders wenn sie sehr dünn ist, alle diese Reihen nach einer Richtung hin; gewöhnlich
findet man sie aber in verschiedener Tiefe des Präparates, zwei oder mehrere verschiedene, in der Regel spitzwinklig
sich kreuzende Richtungen einschlagend (Taf. XXI Fig. 1). Es sind diese Körperchen die Kerne der Durazellen,
welche besonders bei Essigsäurebehandlung eine stäbchenähnliche Form einnehmen; an ihren Enden findet man oft
einen faden- oder häutchenartig aussehenden, glänzenden oder mehr oder weniger feinkörnigen Ausläufer, welcher hie
und da sogar verzweigt erscheint. Diese Zellenkerne und ihre Fortsätze deuten mithin durch ihre ungleiche Richtung
an, dass die Zellen in verschiedenen Schichten auch verschiedene Richtungen einnehmen. Man findet auch bald,
dass die hellen, schmalen Zwischenräume zwischen den Zellen Bindegewebsbündeln entsprechen, welche eben dieselbe
Richtung haben wie die Zellen selbst. An den von der Innenfläche der Dura genommenen Lamellen findet man auch
grössere Spalten, welche mit den Bündeln parallel laufen, dieselben in schmaleren Partien abtheilend; in diesen Spalten
gehen Blutcapillaren. An den Lamellen sieht man also, dass das Duragewebe aus dünnen, flächenhaft ausgebreiteten
Schichten von in jeder Schicht einander parallelen, in verschiedenen Schichten aber spitzwinklig sich kreuzenden
Bündeln und zwischen denselben reihenweise angeordneten Zellen besteht.

Auch von der Rückenmarksdura lassen sich in derselben Weise eine Anzahl von dünnen, ähnlich gebauten
Lamellen abheben. Dass sie aus einer Menge von flächenhaft ausgebreiteten Schichten besteht, wird auch durch
andere Untersuchungsmethoden bestätigt.

Die nähere Erforschung des feineren Baues der Dura bietet indessen grosse Schwierigkeiten. Dies gilt besonders
von der Gestalt und der Anordnung ihrer Zellen.

Um die letzterwähnte Frage zu eruiren, gingen wir vom Studium des embryonalen Gewebes aus. Die Dura
von Menschenembryonen (2—5 mon.) wurde zuerst in Müller'scher Lösung, dann in Weingeist erhärtet; dann wurde
sie mit Vortheil nach Tränkung mit Gummiglycerin getrocknet; von einer so behandelten Dura kann man sehr schöne
Schnitte in jeder beliebigen Richtung verfertigen. Als Färbungsmittel wandten wir mit bestem Erfolg rothe Anilinlösung
an und daneben neutrale sowie essigsaure Carminlösungen. An Schnitten der in dieser Weise behandelten
Dura zeigte sich, dass diese Haut im embryonalen Zustande von sehr zahlreichen, im Allgemeinen grossen, protoplasmatischen
Zellen äusserst wechselnder Gestalt und Anordnung überall durchzogen ist. An Horizontalschnitten
(Taf. XX Eig. 1—7) findet man also diese Zellen von sehr mannigfacher Form. Bei der Beschreibung gehen wir
von einer der einfachsten Formen aus, nämlich von den spindelförmigen Zellen (Taf. XX Fig. 1); sie sind mit schmalen,
nicht selten fadenförmig fein ausgezogenen, hie und da varicös angeschwollenen Endausläufern und mit einer dickeren,
gewöhnlich etwas geplatteten Partie rings um den ovalen oder rundlichen Kern, welche in der Regel die Mitte der
Zelle einnimmt, versehen. Solche spindelförmigen Zellen findet man hie und da an den Schnitten, die Hauptmasse
bildend. Sie liegen dann, je nach der Anordnung der Fibrillenbündel, parallel oder einander kreuzend, in spalten-
förmigen Zwischenräumen oder Lücken zwischen den Bündeln; die Bündel weichen nämlich hie und da aus einander,
um die Zellen zwischen sich aufzunehmen; wenn die Zellen ausgefallen sind, findet man die Lücken zwischen den
Bündeln als offene spindelförmige Räume. Hie und da sieht man auch (Taf. XX Fig. 4 bei «), wenn die Zellen in
ihren Räumen noch vorhanden sind, mehr oder weniger schmale offene Spalten an der einen oder an beiden Seiten
der Zellen. Diese Zellen lassen sich indessen zu keinem gewissen der herumliegenden Bündel rechnen; sie scheinen
hingegen ihnen allen in gleichem Grade anzugehören.

Wenn aber nun diese breiteren oder schmaleren, mehr oder weniger spindelförmigen Zellen in reichlicher
Menge in der embryonalen Dura vorhanden sind, bilden sie doch im Allgemeinen nicht die überwiegende Anzahl.
Von ihnen als Ausgangspunkt kann man aber bei der Beschreibung sich zu den übrigen Formen ableiten. So findet
man (Taf. XX Fig. 2) an einer Menge der Zellen die dickere Mittelpartie, besonders oft nach der einen Seite hin,
in ein dünneres protoplasmatisches Häutchen auslaufend, welches über die angrenzenden Fibrillenbündel, bisweilen
mit nach aussen verschwindender, nicht sicher bestimmbarer Grenze, sich ausbreitet. Auch an den beiden Ausläufern
der spindelförmigen Zelle (s. an mehreren Figuren der Taf. XX) können oft solche verschiedenartig gestaltete Häutchenausbreitungen
über den Bündeln wahrgenommen werden. Aber noch mehr. Die beiden Endausläufer können sich
in mehrere oder wenigere Zweige theilen (Fig. 2—7); ein oder mehrere derselben bieten hie und da glänzende,
knotenförmige Anschwellungen; diese Zweige können ferner in mehrere getheilt sein, wodurch sie untereinander in
mancherlei Weise zusammenhängen und in die verschiedensten Richtungen verlaufen können. Auch von der Mittel-
partic der Zolle gehen oft dickere oder feinere Zweige in mancherlei Richtungen hinaus. Auch diese Zweige können
nun hie und da mit einander und mit denen der übrigen Ausläufer anastomosiren und Netzwerke verschiedenartiger


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