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dieselben umgebenden Protoplasma, in welchem gelblich glänzende, stark lichtbrechende Körner vorhanden sind.
Die Ganglienzellen erfüllen im frischen Zustande ihre Kapseln. Von den letzteren geht ein Fortsatz mit dem Ausläufer
nach aussen und bildet eine geräumige Scheide um denselben. Es gelang uns beim Hunde nie den Ausläufer
so weit zu verfolgen, bis er von einer Markscheide umgeben wurde.
Die Ganglienzellen des G. Gasseri des Hundes erwiesen sich ganz so gebaut wie die der Spinalganglien.
Die Spinalganglienzellen der Katze zeigten mit denjenigen des Hundes so übereinstimmende Verhältnisse,
dass es uns überflüssig erscheint, eine besondere Beschreibung von ihnen zu geben.
Beim Kaninchen (Taf. III Fig. 11—15) untersuchten wir die fraglichen Zellen ebenfalls, sowohl in ganz
frischem als in verschiedenartig erhärtetem Zustande. Die Gestalt der Zellen ist kugelig oder eiförmig, oft einseitig
etwas abgeplattet oder sonst unregelmässig. Die Zellensubstanz, der Kern und das Kernkörpcrchen zeigten eine
der oben beschriebenen ganz ähnliche Zusammensetzung; zuweilen sahen wir zwei Kerne in einer Zelle. Das Pigment
war nur in spärlicher Menge vorhanden oder schien sogar vollständig zu fehlen, was wahrscheinlich eine Folge davon war,
dass wir vorzugsweise Albino-Thiere zur Untersuchung benutzten. Nur ein einzige]- Ausläufer kommt an den Zellen vor.
Derselbe zeigte sich an den in situ liegenden sowohl, als an den isolirten Zellen äusserst oft gleich nach dem Abgange
aus der Zelle schlingenförmig, indem er spirale oder anders gestaltete Biegungen in verschiedener Weise bildete.
An Carminpräparaten konnten wir sehr schön diesen Verlauf des Ausläufers bis zur Vereinigung mit der Zellensubstanz
verfolgen (Taf. III Fig. 11, 11 a). Schon während dieser Schlängelungen, welche oft vor seinem Austreten
aus der eigentlichen Kapsel liegen, andernfalls aber auch nach demselben vorhanden sind, bekommt der Ausläufer,
besonders bei den grösseren Zellen, eine Myelinscheide. An Osmiumpräparaten (Taf. III Fig. 11 6, 12) erkennt
man besonders schön den gewunden verlaufenden Ausläufer, welcher, gewöhnlich von einer Anhäufung von Kapselzellen
umgeben, früher oder später seine Ganglienzelle verlässt, um zwischen den anderen Ganglienzellen hinziehend
zu einem in der Nähe befindlichen Nervenbündelchen zu verlaufen. Während dieses Verlaufs wird er oft allmählig
breiter; die von der Kapsel stammende Ausläuferscheide wird zur Schwannschen Scheide, die bald einen gewöhnlichen,
von Protoplasma umgebenen Kern und dann nach einer Strecke auch eine Einschnürung zeigt. Der Ausläufer ist
zu einer myelinhaltigen Nervenfaser von gewöhnlichem Bau geworden. Wie verhält sich nun diese Faser in
ihrem späteren Verlauf? Früher meinte man, dass sie sich einfach der sensorischen Wurzel anlege und entweder
central oder peripherisch ziehe. In der letzten Zeit hat Ranvier eine ganz neue Ansicht dargestellt. Der Ausläufer
gehe in Gestalt eines T in eine vom Gehirn-Rückenmark kommende Nervenfaser, und zwar an einer Einschnürungsstelle
, hinein. Wir können diese schöne Entdeckung Ranviers bestätigen. Nach Zerzupfung der in Ueberosmiumsäure
von 74 % (entweder durch einfaches Einlegen oder nach Einstichinjection) erhärteten Ganglien gelang es uns, sowohl
in dem Ganglion Gasseri als in spinalen Ganglien eine Reihe von T-förmigen Einschnürungsstellen zu sehen, und
zwar ebenso bei dicken wie bei schmalen Markfasern. Einige sind Taf. III Fig. 12, 12 a, b, c abgebildet. Bei dem
Ganglion Gasseri Celans- es uns dann auch das »Punctum saliens», die Einmündung des Ausläufers einer Ganglien-
zelle in ein solches T, zu beobachten. Die Fig. 12 der Taf. III giebt diese schöne, vollständig isolirte Partie wieder.
Hier sei indessen bemerkt, class die Einmündungsstelle besonders oft nicht ganz ein T bildet, sondern zwei Arme
desselben in den dritten einmünden, in der Weise wie die Fig. 12 a angiebt. Die zusammentretenden Nervenfasern
sind oft von etwas verschiedenem Durchmesser, wie die Figuren zeigen. Ob nun alle vom Gehirn-Rückenmark
kommenden Nervenfasern der sensorischen Wurzeln Ausläufer in dieser Weise aufnehmen, können wir ebenso wenig
wie Ranvier angeben; uns scheint indessen die nicht sehr grosse Zahl von solchen T-Stellen dagegen zu sprechen.
Ob der Ausläufer nach der Peripherie oder dem Centrum sich wendet, scheint, ohne Kenntniss des Verlaufs der
Einzelfibrillen seines Axencylinders nach der Einmündung in die andere Nervenfaser, kaum bestimmbar. Nach
der Zerzupfung ist es ebenfalls schwer das centrale und peripherische Ende der betreffenden Nervenfasern zu erkennen.
Dass die beschriebenen Ausläufer der Ganglienzellen oft weit zu verfolgen sind, ehe sie in die anderen Nervenfasern
einmünden, ist jedenfalls sicher; keineswegs immer tritt dies bei der ersten Einschnümngsstellc ein, sondern
wir konnten sie durch mehrere Einschnürungssegmente verfolgen, ohne die Einmündung anzutreffen. Ferner fanden
wir, dass sich der Ausläufer nicht immer in der beschriebenen Weise verhält. Im Gegentheil geht, besonders bei
kleineren Ganglienzellen, oft von einer schwach abgeschnürten Stelle der Zelle ein blasser Ausläufer aus, welcher
zuweilen sich auf weite Strecken verfolgen lässt und dabei die marklose Beschaffenheit behält; länglich-ovale Kerne
treten in gewissen Entfernungen an ihm auf, und er wird allem Anscheine nach zu einer gewöhnlichen myelinfreien
Nervenfaser (Taf. III Fig. 13). Wie sich diese im späteren Verlauf verhält, konnten wir nicht ergründen. Ein Mal
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