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Carsten Kohlmann:

DER BEGINN DES ERSTEN WELTKRIEGS VOR

75 JAHREN - DIE FELDPOSTKARTEN

DES FRIEDRICH HAAS AUS SCHRAMBERG (Fortsetzung)

Im ersten Teil seines Beitrags (Heft 9) schilderte der Autor zunächst dos bewegte Leben des weithin
bekannten und sehr geschätzten Schramberger Bürgers Friedrich Haas (1878—1945). Er berichtete
sodann in Anlehnung an zeitgenössische Zeitungsberichte, wie sich der Kriegsausbruch und die
allgemeine Mobilmachung in Schramberg auswirkten. Im Mittelpunkt des Beitrags standen jedoch
die Feldpostkarten des Friedrich Haas, in denen sich notgedrungen in knappster Form und sehr
persönlicher Sprache all das widerspiegelt, was Millionen damals erleiden mußten: Einberufung bei
Kriegsbeginn, Abschied von Familie und Beruf, von Verwandten und Freunden, Abmarsch zur Front,
erste Feindberührung und Konfrontation mit Leid und Tod. - Im zweiten Teil verfolgt nun der Autor
den weiteren Weg dieses Schrambergers durch die schweren Kriegsjahre.

In den Vogesen - Oktober 1914
bis Februar 1915

Am ersten Oktobertag 1914 marschierte das
4. Bataillon des Landwehr-Infanterie-Regiments
Nr. 121 in die Vogesen, um die am nördlichen
Rand des Münstertales liegenden bayrischen
Landwehrmänner abzulösen. Einen Zwischenhalt
legte das Regiment bei „Trois Epis" („Drei
Ähren") ein. Auf dieser Anhöhe waren seit der
Jahrhundertwende einige Hotels zur Erschließung
der Vogesen für wohlhabende Sommerfrischler
und Touristen entstanden. Am nächsten
Tag erreichte Friedrich Haas mit seiner
Einheit Geragoutte auf dem Höhenkamm der
Vogesen, unweit der 1871 festgelegten deutschfranzösischen
Grenze. Unübersichtliches, dichtbewaldetes
und bergiges Gelände führte bei außergewöhnlich
frühem Schneefall im Oktober
zur Erstarrung der Front zum Stellungskrieg auf
einer bis zum» Ende des Krieges fast unverändert
gebliebenen Linie. Der weiter als Chefkoch beim
Bataillonsstab verwendete Friedrich Haas richtete
die ihm unterstellte Küche im „Forsthaus
Obschel" ein. Am 10. Oktober bereitete er für
die Offiziere des Bataillonsstabes ein Festessen
aus Anlaß des Geburtstages der württembergischen
Königin.

Am 3. November wurde das Regiment zum Angriff
gegen die in ausgebauten Schützengräben
und Unterständen stehenden französischen Ge-

birgstruppen am Barrenkopf vorgeschickt. Bei
dem im französischen Feuer zusammenbrechenden
Angriff verloren über hundert Soldaten ihr
Leben, unter ihnen der eine Woche vorher nach
der Genesung von einer Verwundung zum Regiment
abkommandierte 69 Jahre alte Oberstleutnant
von Capoll. Von der Schwere und unmenschlichen
Brutalität dieser Kämpfe berichtet
, wenn auch stellenweise heroisierend, die
1925 veröffentlichte Chronik des Regiments:
„Alter Tannenwald, Moosboden, wenig ^Unterholz
, Felsblöcke, ein schroff ansteigender Hang,
auf den eine unserer Batterien noch Granaten
jagte. Dann verlegte sich das Artilleriefeuer auf
rückwärtige Ziele — lebhaft, ehe sie sich oben
erholen, bergauf, bis man ihre Tellermützen unterscheidet
!

Infanteriefeuer peitschte herab - Kugeln hinauf,
die sie ducken und wieder vorwärts! — Die
Trommeln schlagen, es pfeift und klatscht um
uns; alles scheint unwirklich, und leichte Schleier
vor den Augen reißt man das Gewehr mechanisch
an die Backe, schießt, schießt, und wirft
sich wieder bergauf. Hörner blasen, Verhaue
durchqueren den Hang — mit dem Kolben dazwischen
gehauen, Gassen gerissen, Feuer hinein.
Kameraden fallen — wieder Neulinge, die heute
morgen erst angelangt sind, man erkennt sie an
den rohledernen, ungeschwärzten Patronentaschen
— Hörner, das Seitengewehr aufgepflanzt,

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