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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_12/0051
In Stuttgart war J. Andre ab 1924 Chefredakteur
der „Schwäbischen Arbeiterzeitung", außerdem
gab er zwei Jahrzehnte die „Württembergische
Zentrumskorrespondenz" heraus.

Abb. 6: Ernennung zum Präsidenten der INA Württemberg
(Amtsblatt der INA vom 14.7.1928)

Hohe Staatsämter

Auch die damalige Regierung in Stuttgart
verfolgte das tatkräftige und zielstrebige Schaffen
des Arbeitersekretärs J. Andre mit großem
Interesse und berief ihn, einen Nichtakademiker,
seinerzeit noch eine seltene Ausnahme, 1927 als
Regierungsrat in das Landesgewerbeamt, das
dem Wirtschaftsministerium angegliedert war.
Schon ein Jahr später, nämlich 1928, wurde J.
Andre das verantwortungsvolle Amt des Präsidenten
der Landesversicherungsanstalt in Stuttgart
übertragen (Abb. 6). Auch hier bewährte
sich J. Andre hervorragend. Er war nicht nur ein
umsichtiger Leiter dieses vielschichtigen Amtes,
ein mutiger und unermüdlicher Streiter für die
Interessen der von der Anstalt betreuten Personen
, sondern auch ein fürsorglicher Vorgesetzter
der über 300 Mitarbeiter. Wie sehr seine
Fähigkeiten geschätzt wurden, zeigt sich besonders
darin, daß er gebeten wurde, auch die Versicherungsämter
in Bayern, Baden und Hessen
mitzubetreuen.

So war es für ihn wie auch für seine Mitarbeiter
ein schwerer Schlag, als er von den Nationalsozialisten
, „pro forma" wegen der Wiederherstellung
des Berufsbeamtentums, „de facto" aber

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Abb. 7: Entlassung nach dem o. a. Gesetz vom 7.4.1933

wegen seines entschiedenen Einsatzes gegen die
NSDAP und seiner fortwährenden Mahnung,
„Hitler bedeutet Krieg", als Präsident entlassen
(Abb. 7) und mit einer dürftigen monatlichen
Rente von 300 RM abgefunden wurde, die für die
Ernährung seiner vielköpfigen Familie völlig unzureichend
war.

Da nahm sich der Bischof von Rottenburg des
tapferen Streiters für den katholischen Glauben
an und übertrug ihm die Leitung der Beratungsstelle
der Caritas in Stuttgart. Dort erteilte er
Auskünfte über die soziale Gesetzgebung und
beriet die karitativen Anstalten und Verbände. Es
war dies eine stille und meist im Verborgenen
geleistete Schreibarbeit, die einen Volksredner
mit der kämpferischen Natur eines J. Andre nicht
befriedigen konnte. Doch er war überzeugt, daß
die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft
eines Tages zu Ende gehen würde. 1945 war es
dann soweit.

Nach dem Zusammenbruch des Hitlerreiches
stand J. Andre beim Wiederaufbau im vordersten
Glied. Unmittelbar nach der Besetzung der Stadt
Stuttgart übernahm er kommissarisch die Leitung
der Landesversicherungsanstalt, bis er 1946
vom damaligen Ministerpräsidenten des Landes
Württemberg-Baden, Reinhold Maier, in die Regierung
berufen und mit der Übernahme des
Wirtschaftsministeriums betraut wurde (Abb.
8). Hier galt es, den Menschen das Allernotwen-
digste zur Bewältigung des täglichen Lebens zukommen
zu lassen. Doch seinem unermüdlichen
Eifer waren enge Grenzen gesetzt, weil alles, was
er organisieren wollte, von der Besatzungsmacht
genehmigt werden mußte. J. Andre hat dabei
unter Einsatz seiner ganzen Kraft das Menschenmögliche
für seine Mitbürger geleistet.

Im Jahre 1948 wurde ihm das Ministerium für
besondere Angelegenheiten übertragen, wo er
vor allem für die Wiedergutmachung erlittenen
Unrechts im Dritten Reich zu sorgen hatte.

Bedeutende politische Funktionen

Wie in seinem beruflichen Wirken war J. Andre
auch als Politiker außerordentlich aktiv und erfolgreich
. Nachdem der Wahlkreis Oberndorf
bei der Wahl für den Landtag in Stuttgart im Jahre
1900 an die Demokratische Volkspartei verlorengegangen
war, schickte das Zentrum bei der

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