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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_13/0007
die Herrschaft Schramberg, begonnen hatte,
die gleiche Aufgabe für seine staffelfeldischen
Besitzungen aufgebürdet haben. Daß Hans
Reiseisen davon nicht entzückt war, kann
man sich leicht denken, zumal er für seine
Arbeit, wenn er sie binnen Jahresfrist ausführt
, nur 40 fl bekommen soll. Da ein Florentiner
Gulden - daher die Abkürzung „fl" -
einen Goldgehalt von 3,5 g hatte, wären das
nach heutigem Goldpreis etwa 2.900 DM.
Hans Reiseisen hofft, bis „Bartholomä"
(24.8.) mit dem Urbar fertig zu sein, denn
wenn einer, ohne sich zu verschreiben („un-
wirrend"), von früh bis spät schreibe, komme
er, wenn er nicht mit der Zeit erblinde, ziemlich
weit. Rochus Merz hat ihn ausschließlich
für diesen Zweck vorgesehen und ihm ausdrücklich
untersagt, „den buren etwas zu
schreiben". Für diese hat er einen besonderen
Schreiber eingestellt, „dem er jars (pro
Jahr - Verf.) 50 fl und die Arrondalia laßt".
Letztere (vgl. frz. arrondir) bedeuteten das
Recht zum Aufrunden als Schreibgebühr.
Noch eine weitere Enttäuschung hat ihm Rochus
Merz bereitet. Er muß ihm, um ihn auf
den Schramberg zu locken, das Amt des
Schloßvogts in Aussicht gestellt haben. Nun,
da er oben ist, muß er feststellen, daß seine
Zusage „der Vogtei halb auch falsch ist . . .
dann er des willens, den Schramberg selber
zu besetzen und zu verwalten". Selbst wenn
er ihm die Vogtei gäbe, könnte er ihn nicht
auf dem Schloß unterbringen, weil „er selber
kaum sovil gemach, darinn er mit seinem ge-
sindt bleiben mag". In einer Randbemerkung
weist Hans Reiseisen darauf hin, daß im ganzen
Tal weder ein Hof noch sonst eine Behausung
zum Unterkommen sei. In der Tat lagen
die damaligen Bauernhöfe alle an den Hängen
, und mit der Ansiedlung von Handwerkern
am Fuß des Schloßbergs hatte Rochus
Merz noch nicht begonnen.

Die Lebensverhältnisse
auf der Hohenschramberg

Alles, was Hans Reiseisen über die Verhältnisse
auf dem „Schloß" nach Hause berichtet,
bezieht sich auf den alten Bau, wie ihn Hans
von Rechberg hundert Jahre zuvor hatte errichten
lassen. Das sog. „neue Haus" wurde
nach den erhaltenen Rechnungsbüchern von

Rochus Merz erst in den Jahren 1550-53 erstellt
.

Bei der Bewertung seiner äußerst despektierlichen
Äußerungen muß man zweierlei bedenken
: Zum einen kommt Hans Reiseisen
aus der reichen und mächtigen Stadt Straßburg
, zum andern ist er bitter enttäuscht,
weil ihm Rochus Merz wohl manches in Aussicht
gestellt hat, woran er sich nun nicht
mehr erinnert. Außerdem ist es gut, sich
daran zu erinnern, daß das Deutsch jener
Zeit - man braucht nur an Martin Luther zu
denken - uns zuweilen recht grob erscheint.
Das „Schloß" ist für ihn „ein enger Scheiß-
winkell" und unheimlich, weil dort oben
kaum Leute wohnen. Denn das Gesinde laufe
immer wieder davon. Es habe zwar früher
über den Landenberger - gemeint ist Christoph
, der 1546 gestorben ist - geklagt,
finde aber im nachhinein, „es sei derselben
Zeit nit so ubel hiroben gestannden und zu-
ganngen". Voller Sarkasmus läßt er sich über
die Verpflegung aus: Es gebe dort oben weder
genug zum Fressen noch zum Saufen
außer „Tannzapfen, einen halben elen lang"
(1 Elle etwa 50-60 cm - Verf.), und „saur
Brunzpis brue, breisgawen, den man im
Landt nit wil, fürt man herein". Bei diesem
„Seich" aus dem Breisgau, den er gleich mit
zwei einschlägigen Wörtern bezeichnet, die
seinen ganzen Ekel vor dem „Gesöff" zum
Ausdruck bringen, handelt es sich um Sauerbier
, ein Bier, daß beim Sud sauer geworden
war.

Daß es mit dem Essen zumindest nicht ganz
so schlimm gewesen sein kann, beweist sein
Brief an seinen Schwager Leonhard, der offensichtlich
ein Liebhaber von Würsten war.
Ihm also teilt er mit, was wohl ironisch gemeint
ist, daß es „in disem welschen (hier:
fremd - Verf.) Lanndt gar köstliche wurst, so
mit vilerlaj specerei gefült" gebe. Er habe genug
davon und schicke deshalb eine mit. Er
nehme an, daß es „meilennder wurst", also
eine Art Salami, sei, falls dem nicht so sei,
habe er den Namen vergessen oder die falsche
erwischt. Auf alle Fälle ließen sich diese
Würste gut als Zapfen benutzen, um damit
rinnende Löcher zu stopfen. Mit dem Stoßseufzer
, daß es so halt „uff dem schwartz-
waldt" sei, verbindet Hans Reiseisen die

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