http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_13/0018
Stammtafeln etc. Alle 34 von Ch. F. Stalin
(„Wirtembergische Geschichte", 4 Bde,
1841 -1873) beschriebenen Hochadelsgeschlechter
, von denen heute nur noch die
Weifen, Zähringen, Baden, Urach-Fürstenberg
, Württemberg, Zollern und Hohenlohe
in männlicher Linie existieren, sind ausnahmslos
in der Ahnenliste vertreten. Von
den 18 Dienstmannengeschlechtern, darunter
die Rechberg und die Waldburg, befinden
sich ebenfalls viele in der Kartei.
Davon ausgehend tauchen fast alle Herrschergeschlechter
des Mittelalters, von Spanien bis
Kiew, Armenien und Byzanz, von den skandinavischen
Geschlechtern bis zu den siziliani-
schen, in der Ahnentafel auf. Darunter befinden
sich zahlreiche deutsche Kaiser und Könige
, von Karl dem Großen bis zu Friedrich
I., ferner die französischen Capetinger bis zu
Ludwig VII. sowie die englischen Könige der
Angelsachsen und Normannen bis zu Heinrich
II. Ihre Namen erscheinen aber nicht nur
einmal, sondern häufig, oft über hundertmal,
das dank der vielen Verwandtenheiraten im
europäischen Hochadel. Daß Karl der Große
mehr als tausendmal in der Ahnentafel des
Ludwig von Rechberg auftaucht, wird wohl
nur der verstehen, der selbst schon derartige
Forschungen unternommen hat. Über Karl
den Großen geht die Reihe zu den Merowin-
gern und über die Frau Chlodwigs, eine burgundische
Prinzessin, bis zu jenem bereits erwähnten
Gundahar, ehe sie sich vollends im
Dunkel der Geschichte verliert.
Die Nachfahren
des Ludwig von Rechberg
Daß Ludwig Rechberger in den ehemals zur
Herrschaft Schramberg gehörenden, aber
auch in den umliegenden altwürttembergi-
schen Orten und, von da ausgehend, in aller
Welt unzählige Nachfahren hat, soll an zwei
Beispielen aufgezeigt werden.
Ludwig Rechberger hatte, wie bereits erwähnt
, drei Söhne, nämlich Albrecht, Zym-
brecht und Humprecht Rechberger. In den
Amtsrechnungen des Rochus Merz nach 1551
sind die Ehen der letzten beiden eingetragen.
Während Albrecht den elterlichen Hof auf
dem Sulgerberg erbte, übernahm Zymbrecht
den Bühlhof unterhalb der alten Laurentius-
Kirche. Da diese Höfe zu Württemberg gehörten
, sind wohl die meisten Nachfahren
der beiden evangelisch. Allerdings war ein
Wechsel der Konfession vor dem Dreißigjährigen
Krieg nicht ungewöhnlich, vor allem,
wenn jemand in eine katholische Ortschaft
einheiratete. Humprecht hatte einen Hof im
„Stättlin" Aichhalden, das auch Vorderaichhalden
genannt wurde und dem heutigen Dorf
entspricht.
Ein gewisser Andreas, um 1600 Schmied und
Wirt im Tal, war ein Sohn Humprechts. Wie
die Malefiz-Protokolle ab 1621 zeigen, war
dieser Andreas Richter (Gemeinderat) im
Stab Schramberg. Catharina Rechberger, eine
Tochter des Andreas, geb. um 1610, heiratete
vor 1637 den aus Rottweil stammenden
Schmied Johann Andreas Spreter, der die
Schmiede seines Schwiegervaters übernahm.
Diese ging 1668 über die Tochter Catharina
Spreter (geb. 1647) an Michael Stammelbach
(geb. 1641). Aus dieser Ehe entstammt eine
riesige Nachkommenschaft, am bekanntesten
die Stammelbachs des ehemaligen Schram-
berger Hotels „Paradies". Erst vor kurzem erhielt
ich einen Brief eines evangelischen Pfarrers
aus der Ulmer Gegend, der eine Ahnenlinie
über dieses Ehepaar zu den Rechberg
nachweist.
Genauer erforscht habe ich die Nachkommen
von Dorothea Rechberger, einer anderen
Tochter des Andreas, die ebenfalls um 1610
geboren sein muß. Sie heiratete vor 1637,
dem Jahr des Beginns der Kirchenbücher in
Schramberg, den Schramberger Hanns Vi-
scher/Fischer, der den Hof im Finsterbach,
der zuvor im Besitz der Herrschaft gewesen
war, erworben hatte. Aus dieser Ehe gingen
vier Söhne hervor, die alle heirateten. Christoph
übernahm den Hof. Aus seiner ersten
Ehe hatte er sieben Kinder. Nach dem Tod
der ersten Frau heiratete er 1691 nach Aichhalden
und übergab den Hof seiner Tochter
Anna (geb. 1670). Diese war dreimal verheiratet
und hatte aus sämtlichen Ehen Kinder
mit jeweils großer Nachkommenschaft. Ihr
erster Mann war Hans Ginter von Mariazell,
ihr zweiter Isaak Roth aus Lauterbach und ihr
dritter Michael Kunz vom Sulzbach, dessen
Vater Matthäus Kunz den alten Vogtshof im
Sulzbach erbaut hatte. Mit Michael zog Anna
16
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_13/0018