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Robert Ditter:
„HOSTHA MADOSTHA"
HANS VON RECHBERGS SPRICHWORT
Die meisten Schramberger, vor allem die älteren
, kennen Hans von Rechberg, den
berühmten Landsknechtsführer, den Begründer
der Herrschaft Schramberg und Erbauer
der gleichnamigen Burg, von ihrer Schulzeit.
Dabei haben sie wohl nicht so sehr seine
Waffengänge und Meriten auf vielen Kriegsschauplätzen
Europas bewundert als vielmehr
sein tragisches Ende bei einem Beutezug
in der Nähe Schrambergs bedauert. Wie
er, als er merkt, daß sein letztes Stündlein geschlagen
hat, diese rätselhaften Worte
„Hostha madostha" ausruft, das vergißt man
so leicht nicht. Nicht von ungefähr hat deshalb
vor einigen Jahren sogar die Schülerzeitung
einer Schramberger Schule diese Worte
als Namen getragen.
Erinnern wir uns, was die Zimmersche Chronik
über das unrühmliche Ende Hans von
Rechbergs berichtet:
„Es begab sich, daß er (Hans v Rechberg - Verf.) an St.
Martin wiederum unversehens mit Reitern und Fußvolk
gen Hornberg 20g. Den Einwohnern nahm er viel Vieh
weg, das er der Hohenschramberg zutrieb. (Besenfelder
schreibt, er habe es zum Falkenstein treiben lassen.) Als
der Vogt von Hornberg von diesem Überfall erfuhr, eilte er
ihm mit seinen Untergebenen und Leuten, die er in der
Eile auftreiben konnte, nach und als sie aufeinandertrafen,
haben die Knechte sich teilweise von den Pferden hinuntergestochen
, der Vogt von Hornberg mußte jedoch zuletzt
mit den Seinen weichen. Auf der Flucht hat ein armer
Bauer, ein kleiner Mann, der sein Leben lang weder Soldat
noch Schütze gewesen war, sich an einer Steige versteckt,
und als Hans von Rechberg im Vorüberreiten eben diese
Steige hinaufzog, hat besagter Bauer aus großer Furcht
von weitem auf ihn geschossen, ihn getroffen, aber nicht
verletzt, es ist aber, ohne daß er (Hans v. Rechberg - Verf.)
es merkte, der Pfeil in einem Ärmel hängengeblieben. Diesen
hat er, als er vom Pferd absteigen wollte, sich selbst in
den Leib gedrückt. Als er das merkte, hat er gleich gesagt
und geschrien „hostha madostha" (so lautete sein Sprichwort
), das Stundlein, das ihn sein Leben lang mit Furcht
und großer Sorge erfüllt hatte, sei gekommen, und ließ
sich daraufhin nach der Stadt Villingen in das Haus eines
Bürgers namens Steckle bringen. Als er daselbst seine
weltlichen Dinge, wie sie ihm damals gut und möglich erschienen
, geordnet hatte, ließ er am dritten Tag den Pfeil
herausziehen und verschied bei vollem Bewußtsein ganz
christlich am Zinstag nach St. Martin, dem Tag des Hl.
Brictius , im Jahre 1464 und wurde daselbst bei den Barfüßern5
begraben. (Er sollte doch den Tag des lieben Heiligen
St Martin verschont haben)"
So also hat Froben Christoph von Zimmern in
seiner um 1565 entstandenen Chronik das
wahrhaft traurige Ende Hans von Rechbergs
geschildert. Halten wir fest: Er ist nicht in einer
der vielen kriegerischen Auseinandersetzungen
, wie er sie in seinem Leben oft genug
zu bestehen hatte, gefallen, sondern hinterrücks
vom Pfeil eines Bauern, der, wie es
wörtlich heißt, „all sin tag kain kriegsman
oder kain schütz gewest", getroffen worden.
Daß Hans von Rechberg diesen Pfeil nicht gespürt
, sondern ihn beim Absteigen vom Pferd
sich erst in den Leib gedrückt habe, ist nur
schwer vor stellbar. Eine andere Quelle, auf
die wir noch zu sprechen kommen werden,
erscheint da viel glaubwürdiger:
„Er wurde 1464 von einem Bauern aus dem Gebüsch in einem
Hohlweg mit einem unheilvollen Pfeil, dessen Gefieder
mit einem Faden umwickelt war, in die Seite tödlich
getroffen."
Daß der unbekannte Verfasser dieser wenigen
Zeilen - sie sind Teil einer Kurzbiographie
unter einem alten Portrait Hans von
Rechbergs (Abb.) - einem an sich unwesentlichen
Detail, wie es die Beschaffenheit eines
Pfeils nun einmal ist, eine solche Bedeutung
beimißt, muß seinen Grund haben: Der Pfeil
des Bauern, aus dem Hinterhalt in einem
Hohlweg abgeschossen, drang Hans von
Rechberg nicht nur tief in die Seite, sondern
hatte auch wegen des Fadens, mit dem das
Gefieder umwickelt war, eine verheerende
Wirkung.
Was aber hat es mit dem mysteriösen
„Hostha madostha" auf sich, von dem nur die
Zimmersche Chronik berichtet? Ist es lediglich
ein Kraftausdruck, vergleichbar denen jenes
preußischen Reiters in Kleists „Anekdote
aus dem letzten preußischen Krieg", der
nach der Schlacht von Jena mit seiner Gelassenheit
einen Gastwirt schier zur Verzweiflung
bringt, ehe er sich mit „Bassa Manelka"
und „Bassa Teremtetem" auf die Feinde
stürzt? Einer solchen Erklärung steht die Tatsache
entgegen, daß Froben Christoph von
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