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kannt, von demselben nicht gebilligt oder
dem Interesse des Staates fremd ist, gehöre,
noch in Zukunft gehören werde." Mit Waldmohr
hat es den jungen Arzt in die hinterste
pfälzische Provinz verschlagen, wo „bey dem
größten Theile der Bevölkerung ein jammervolles
Ringen um seine tägliche Subsistenz
die Gesittung gegen den Arzt und seine Kunst
nicht aufkommen läßt." Deshalb bemüht er
sich noch im gleichen Jahr, wenn auch erfolglos
, durch zwei Bewerbungen nach Frankenthal
und nach Dürkheim in eine angenehmere
Gegend zu kommen. Er bleibt bis 1840
Kantonsarzt in Waldmohr. In diese Zeit fällt
auch der Tod des Vaters Johann Georg in
Holland, wovon später noch die Rede sein
soll. Schließlich hat der um „seine ärztliche
Weiterbildung bemühte" Joseph Heine mit
einer Bewerbung Erfolg. Am 7. Juli 1840
wird er zum Kantonsarzt 1. Klasse in Germersheim
ernannt (Abb. 2). Er hat dieses
Amt bis 1851 inne.
Ein „unpolitischer" Politiker (1848-1856)
Schon in seiner Würzburger Gymnasialzeit
und erst recht im späteren Studium hat Joseph
Heine Kontakte zu Vertretern der Burschenschaft
. Er kommt aber im Gegensatz zu
manchen Freunden nicht mit dem Gesetz in
Konflikt, als in den zwanziger Jahren die Reaktionspolitik
des „Systems Metternich" auch
in Bayern gegen unliebsame Liberale vorgeht.
Ein politisches Engagement wird aber 1848
sichtbar, als unweit von Germersheim, auf
der badischen Seite des Rheins, der Ruf nach
Freiheit und deutscher Einheit erhoben wird.
In der Pfalz werden auf Kundgebungen
gleichfalls liberale Forderungen erhoben. In
München dankt Ludwig I. (König seit 1825)
zugunsten seines Sohnes Maximilian IL ab,
der ähnlich wie andere Landesherren durch
die Berufung von „Märzministern" mit Erfolg
versucht, der radikalen Bewegung ihre Spitze
zu nehmen. Joseph Heine bewirbt sich im
Frühjahr 1848 um einen Sitz in der Frankfurter
Nationalversammlung, doch er unterliegt
knapp. Im gleichen Jahr veröffentlicht er in
Heidelberg die kleine Schrift „Politische Gedanken
eines Unpolitischen", in der er seine
großdeutsche, antirevolutionäre Gesinnung
kundtut. Ganz im Einklang mit seinem König
Max II. befürwortet er eine Teilung Deutschlands
durch die Mainlinie, mit preußischer
Hegemonie im Norden, während der Süden
Abb. 2: Germersheim, wo Joseph Heine von 1840 bis 1851 als Kantonsarzt wirkte (Stich von M. Merian
d.Ä. um 1640)
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