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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_13/0030
Heine ans Krankenlager ihres Mannes ruft.
Zwehl ist Innenminister, als Heine im Münchner
Landtag sitzt. Er beschleunigt die Urlaubsgesuche
des Freundes. In seiner Zeit als Kultusminister
(1852-1864) achtet er darauf,
daß dem bayerischen König Heines Veröffentlichungen
vorgelegt werden. Ein weiterer
Freund ist der Verleger Cotta. Mit der Familie
von König ist Heine auch schon vor der Heirat
seiner Nichte mit dem Baron freundschaftlich
verbunden. Der Geschichtsphilosoph
Ernst von Lasaulx (1805-1861) gehört zu den
Freunden, mit denen Heine den Urlaub im
Gebirge verbringt. Lasaulx widmet seine
1856 erschienene „Philosophie der Geschichte
" dem Freund, weil der ihm durch
eine im übrigen sehr fragwürdige Heilmethode
- das Mädchen mußte von der Mutter
ausgepeitscht werden - seine Tochter, das
einzige überlebende Kind von insgesamt
sechs, gerettet hat (Abb. 6a, b). Die nachhaltigste
Freundschaft, die auch die pfälzischen
Heimatforscher besonders interessiert hat, ist
die mit der Familie Feuerbach. Den Onkel
des Malers, den Mathematiker Karl Wilhelm
(1800-1834), kennt und bewundert Heine
seit seiner Studienzeit und überträgt die
Freundschaft nach dessen frühem Tod auf

NEUER VERSUCH

EINER ALTEN

AUF DIE WAHRHEIT DER THATSACHEN

GEGRÜNDETEN

PHILOSOPHIE DER GESCHICHTE.

VON

ERNST VON LASAULX.

i.o bue.no, si nnEVE, dos vezes buexo.

Abb. 6a: Titelblatt der „Philosophie der Geschichte
" von Ernst Lasaulx (1856)

den Bruder Anselm Feuerbach (1798-1851),
der in Freiburg Archäologie lehrte, und auf
dessen zweite Frau Henriette. Als Freund der
Familie entdeckt Heine früh das Talent des
jungen Anselm (1829-1880), in dem er „ein
kindliches Herz bei der Gereiftheit und Klarheit
eines Mannes, eine Künstlernatur von
echtem und reinstem Schlag erkennt", wie er
der Stiefmutter in einem Brief mitteilt. Heine
wird in den späten vierziger Jahren zum Gönner
des jungen Malers, dem er immer wieder
zehn oder zwanzig Gulden zusteckt oder zuschickt
. Anselm Feuerbach berichtet hierüber
in seinen Briefen an die Eltern. Gern
hätten Heine und Zwehl den jungen Künstler
zu Wilhelm Kaulbach nach München geschickt
, darum verweigert ihm der Innenminister
zunächst einen Paß für die geplante
Reise nach Belgien. Doch der zwanzigjährige
Feuerbach läßt sich nicht an die Kette legen
und reist 1850 dann doch nach Antwerpen.
Auf der Durchreise besucht er Heine in Germersheim
, damit der Geld für die Reise „rausrückt
" , doch dann gesteht er: „Heine war
mürrisch, und ich muß mich gleich verabschieden
auf höfliche Weise, ich habe ihn
satt, sehr." Damit bricht die Verbindung - zumindest
nach Ausweis der vorhandenen

Abb. 6b: Widmung des Verfassers für Joseph Heine
(Ausschnitt)

SEINEM EREÜNDE JOSEPH HEINE

ERNST VON LASAULX.

u hast, lieber Freund, in dem trübsten Augenblicke
unseres Lebens mir und meiner Frau Hoffnung
und Hilfe gebracht, und das einzige Kind
uns gerettet welches von sechsen noch lebt; erlaube
darum dass auch ich dir widme was ich unter den
Kindern meiner Gedanken für das wolgerathenste
halte. Ich bin dazu um so mehr veranlasst als ja
einige dieser Ideen ohnehin dir gehören, und in
gemeinsamer Rede mit dir auf unseren Wanderungen
zur Menterschwaige geboren sind. Die übrigen sind
grossentheils alte Gedanken, die ich seit früher
Jugend mit mir herumgetragen, die einst nach Rom
und Athen und Jerusalem mich begleitet haben, die
dort unter einer wärmeren Sonne gezeitigt, und jetzt
auf der Veste zu Lebenberg, in wolthuender Einsamkeit
und im Anblick der Mendelspitze, die wie
eine ruhende Sphinx ernst nach Südosten zurückschaut
, wiedererinnert, neugestaltet, und in diese
Schrift niedergelegt wurden.

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