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terricht für Xylographen gegen eine Belohnung
von 200 fl. für 4 Wochenstunden verwendet
werde".
Ein „Anbringen an den König" seitens des Ministeriums
des Kirchen- und Schulwesens
vom 28. Februar 1863 vermittelt ein Bild von
der damaligen Zusammensetzung der Schülerschaft
und von den Studienfächern. Die
Stuttgarter Kunstschule hatte damals 56 Schüler
, nämlich 44 ordentliche und 12 Hospitanten
(Gastschüler), von denen 50 Inländer und
6 „Ausländer" waren. Letztere kamen aus
Preußen, Sachsen, Sachsen-Coburg und aus
Österreich. Gelehrt wurden die Fächer Malerei
, Bildhauerei, Lithographie, Kupferstich,
Freihandzeichnen, Gravieren, Holzschnitt,
Modellieren, Ziselieren und Architektur. In
diese Schulszene trat Karl August Kräutle zu
Anfang des Jahres 1865 ein.
In der Folgezeit wurde sich Kräutle, der die
Kunst des Kupferstechens in all ihren damals
bekannten Möglichkeiten und mit der genauesten
Kenntnis der Technik virtuos beherrschte
, mehr und mehr bewußt, daß er
für das Lehramt der richtige Mann war, und
so bat er nach 3V2jähriger Lehrtätigkeit um
die Verleihung des Professorentitels. In seinem
„Anbringen an den König" vom 21. Juli
1868 vermerkt Staatsrat v. Golther „ehrfurchtsvoll
": „Euer Königliche Majestät möchten
dem an der Kunstschule dahier verwendeten
Fachlehrer der Kupferstecherkunst,
Kräutle, sowie dem an derselben Anstalt als
Hilfslehrer für Perspektive angestellten Historienmaler
Schmidt je den Titel eines Professors
mit dem Rang auf der VIII. Stufe der
Rangordnung gnädigst verleihen." Die Kgl.
Entschließung vom 22. Juli gibt dem Ansuchen
bereits statt. Kräutle dankt: „Euer Königliche
Majestät haben mir durch allergnä-
digste Entschließung . . . den Titel eines Professors
mit dem Rang auf der VIII. Stufe der
Rangordnung zu ertheilen geruht. Für diesen
Beweis Allerhöchster Zufriedenheit wage ich
meinen ehrfurchtsvollsten Dank mit der un-
terthänigsten Versicherung auszusprechen,
daß mein ganzes Streben darauf gerichtet ist,
dem mir geschenkten Vertrauen durch meine
Leistungen zu entsprechen. In tiefer Ehrfurcht
verharrt, Stuttgart, den 31. Juli 1868,
allerunterthänigst treugehorsamster Karl
Kräutle, Professor an der Königlichen Kunstschule
".
Der Wirkungsbereich des Professors Kräutle
erstreckte sich weiterhin auf die Unterrichtung
in Kupferstich, Radierung, Freihand-,
Akt- und Antikenzeichnen, und in diesen Fächern
wurde ihm von vorgesetzter Stelle großer
Eifer bescheinigt. Dies ermutigte ihn am
10. Juli 1876 zu einem Gesuch auf lebenslängliche
Anstellung mit Rückdatierung auf
den 1. Juli 1873, verbunden mit der Nachzahlung
der gesetzlichen Leistungen in den Witwen
- und Waisenfond der Staatsdiener. Auch
diesem wurde stattgegeben. Dieser Schritt
brachte Kräutle die Sicherung seiner beruflichen
Existenz und den Ansporn für weitere
künstlerische und kunstpädagogische Leistungen
.
Die Schülerzahl an der Kunstschule stieg inzwischen
immer noch an, und bereits am 21.
Juni 1875 wurde dem König gemeldet: „. . .
Die Kunstschule zählt dermalen im Ganzen
71 Besucher, worunter ... 44 Schüler und 21
Schülerinnen ... 45 Württemberger und 26
Nichtwürttemberger." Die letzteren kamen
aus England, Rußland, Amerika, der Schweiz
und Frankreich. Der Studienbericht verzeichnet
einige weitere Fächer, wie Perspektive
und Schattenlehre, Landschaftszeichnen sowie
Vorträge über Kunstgeschichte, Mythologie
und Literaturgeschichte, Veränderungen,
die bewirkten, daß Professor Kräutle sich
mehr und mehr auf den Unterricht in Kupferstich
und elementarem Zeichnen spezialisieren
mußte. Auf Grund der von ihm geschaffenen
Stiche und der immer größer werdenden
Erfahrung auf kunstgeschichtlichem Gebiet
wurde ihm lt. kgl. Entschließung vom 10.
April 1880 „die entledigte Stelle eines Inspektors
der Kupferstichsammlung . . . unter
gleichzeitiger Belassung desselben in der Stellung
eines Fachlehrers für Kupferstechen und
Zeichnen an der Kunstschule ..." übertragen
(Abb. 2). Der „Schwäbische Merkur" berichtete
hierüber im Mai 1912: „Wenn sein Vorgänger
Ludwig Weißer und dessen Frau,
seine treue Gehilfin, in gänzlich ungenügenden
Räumen mit unglaublichen Schwierigkeiten
gearbeitet haben, war ihm vergönnt, in
hellen Räumen in Schränken nach eigenen
Angaben die Sammlung neu zu ordnen." Die-
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