http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_13/0039
Das Gemälde „Iphigenie" von Anselm Feuerbach
ist eines der wichtigsten Bilder der
Staatsgalerie Stuttgart und hat schon so manchen
Kunstfreund veranlaßt, nur ihm zuliebe
den Weg in die schwäbische Metropole zu
nehmen. Es ist ein Bild der Sehnsucht. Feuerbach
vollendete es 1871 und verkaufte es im
darauffolgenden Jahr an die Stuttgarter Galerie
. Er schrieb später: „Wird die Nachwelt es
glauben, daß, während ich heute an diesen
Blättern schreibe, meines Wissens kein
Kunstverein ein Bild von mir erworben hat,
und daß nur zwei Staatsgalerien, die in Karlsruhe
und jene in Stuttgart, ihre Räume für
Werke von meiner Hand eröffnet haben?"
Das Bild befindet sich noch heute in der Obhut
der Stuttgarter Galerie.
Ist diese 2. Iphigenie Feuerbachs populärstes
Gemälde, so darf gesagt werden, daß sie als
Stich auch die bedeutendste Leistung Karl
August Kräutles ist (Abb. 9). Die Darstellung
ist mit 42,5 x 28 cm in eine Kupferplatte von
52,5 x 34 cm gearbeitet und entspricht mit
minuziöser Genauigkeit dem Original. Die
mit Kreuz- und Parallelschraffuren ausgeführte
Behandlung wird der Gestaltung von
Gewand, Gesicht, Vordergrund, Meer, Wolken
usw. voll gerecht. Der reichlich drapiert
gezeichnete Faltenwurf kontrastiert mit dem
durch zarte Linien schattierten Gesichtsprofil
. Der Abdruck des Stiches ist tiefklar und
samtig. Es darf daher an dieser Stelle auch
einmal auf die Schönheit eines Reproduktionsstiches
hingewiesen werden.
Dreieinhalb Monate nach Anselm Feuerbachs
Tod schrieb dessen Stiefmutter an Professor
Karl August Kräutle:
„Nürnberg, 19. April 1880.
Hochgeehrter Herr!
Ihr herrliches Geschenk habe ich mit einer
Abb. 7: „Petrarcas Laura", Stich von K. A. Kräutle aus dem Jahre 1869
(Graph. Sammlung Staatsgalerie Stuttgart)
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