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den Nachbarländer zu schicken. Kurz zuvor
waren die beiden jüdischen Viehhändler Elias
und Ludwig Schwarz aus Rexingen bei einem
heimlichen Viehtransport nach Baden entdeckt
und verhaftet worden. Die beiden Brüder
waren gebürtige Rexinger (Abb. 5). Elias,
Jahrgang 1882, war zweimal verheiratet und
lebte mit seiner Frau Thekla geb. Schwarz
und den Kindern aus erster und zweiter Ehe
in der Freudenstädter Straße 29 in Rexingen.
Der etwas jüngere Bruder Ludwig, Jahrgang
1888, war mit Alice geb. Lemberger verheiratet
und wohnte ebenfalls in Rexingen. 1918
war er zum amtlichen Viehaufkäufer im
Oberamt Oberndorf ernannt worden, was
schon damals, wie bereits erwähnt, einige
Bauern verärgerte, aber noch nichts gegen
die nun einsetzende Verunglimpfung war.
Beide Viehhändler unterhielten schon vor
dem Ersten Weltkrieg im Gasthaus zum Mohren
von Franz Grüner einen Stall und luden
die Viehtreiber und Hirtenbuben, die das gekaufte
Vieh von der Höhe ins Tal brachten,
regelmäßig zu einem kleinen Vesper ein
(Abb. 6). Mit der Schlagzeile „Unerhörter
Volksbetrug!" berichtete das Schwarzwälder
Tagblatt:
„Gestern wurden der Viehhändler Ludwig Schwarz und
sein Bruder Elias verhaftet und in das Amtsgerichtsgefängnis
nach Oberndorf eingeliefert. Die beiden Erzlumpen jüdischer
Nation hatten seit langer Zeit schon Vieh aus dem
württembergischen nach Baden verschleppt und dabei
riesige Gewinne erzielt. Die Gaunerei wird noch größer
durch den Umstand, daß der Händler Ludwig Schwarz seit
2 Jahren als amtlicher Viehaufkäufer für den Bezirk Oberndorf
aufgestellt ist. Im ganzen Bezirk wurde die Aufstellung
dieses Mannes, der sich nicht des besten Leumunds
erfreut, mit Befremden aufgenommen und im Schwarzw.
Tagbl.' erschien deshalb ein Artikel, der dieser Stimmung
Rechnung trug. Allein der Kommunalverband ließ sich
nicht belehren und hat so den Bock richtig zum Gärtner
gemacht. Den Schaden hat die Bevölkerung des Bezirks,
namentlich der Städte Schramberg und Oberndorf, deren
Fleischversorgung auf die größten Schwierigkeiten stößt.
Die Gebrüder Schwarz betrieben ihren Schwindel in der
Weise, daß sie das Vieh im Bezirk aufkauften, es in
Schramberg einstellten und während der Nacht über die
Grenze beförderten. Herrn Valentin Neff von der Wach-
und Schließgesellschaft fielen die Transporte auf und es
gelang ihm, den Betrug aufzudecken. Wir wollen hoffen,
daß das edle Brüderpaar für das wucherische, volksausbeutende
Unternehmen mit der höchsten Strafe belegt
wird und daß namentlich auch Vorsorge getroffen und
daß das ergaunerte Blut- und Wuchergeld rechtzeitig er-
fasst wird, bevor es in das Ausland verschwindet. In Amerika
hätte die Volksjustiz prompter gearbeitet, da würden
die Gauner nicht schön warm im Gefängnis sitzen, sondern
am nächsten Baum säuberlich aufgehängt worden
sein.
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Elias und Ludwig Schwarz wurden jedoch zunächst
lediglich dem Amtsrichter vorgeführt,
gaben dort bei der Vernehmung den
Abb. 5: Das Dorf Rexingen bei Horb am Neckar um 1930. Unter den im Vordergrund stehenden Gebäuden
befand sich auch die in der „Reichskristallnacht" von SA-Leuten schwer beschädigte Synagoge der
etwa ein Drittel der Einwohnerschaft des Ortes umfassenden jüdischen Gemeinde
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