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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_13/0050
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^4^^. 6: Zeitungsanzeige der Gebrüder Elias und
Ludwig Schwarz aus dem Schwarzwälder Tagblatt
v. 28.5.1921

Schleichhandel zu und teilten der Öffentlichkeit
mit, daß sie jederzeit im Gasthaus Mohren
zu sprechen wären und im übrigen gegen
die Beleidigungen des Schwarzwälder Tagblatts
Anzeige erstatten würden (Abb. 7). Obwohl
sich natürlich nicht nur die jüdischen
Viehhändler am Schwarzmarkt beteiligten,
sondern vielmehr der weitaus größte Teil der
Bevölkerung darin verwickelt war - im Sommer
1919 wurde so zum Beispiel der Bauer
Wendelin Schmid von Seedorf beim Viehschmuggel
erwischt -, wurde in diesem Bericht
doch ein schon lange vorhandener Antisemitismus
deutlich, der sich in den Hungerjahren
des Ersten Weltkriegs verstärkt hatte
und mit einer wachsenden Zustimmung rechnen
konnte.

Die sogenannte „schlechte Zeit" verleitete
viele „kleine Leute", solchen Berichten Glauben
zu schenken und in den jüdischen Viehhändlern
die Ursache für das eigene Elend zu
sehen. Nachdem sich im Winter 1919/20 die
Ernährungslage wieder dramatisch verschlechtert
hatte, berichtete das Schwarzwälder
Tagblatt über einen im Sommer veranstalteten
Viehmarkt beim Schlachthaus:

„Das Geschäftsgepräge ist auf dem Rindviehmarkte gegen
Vorkriegszeit ein durchaus verändertes. Der Züchter sowohl
wie der ländliche Käufer steht nicht mehr gesenkten
Hauptes in banger Erwartung, von dem rührig listigen
Schacherjuden eines übers Ohr zu bekommen, da, sie sind

heute die Herren der Situation und würdigen in heutigem
Unabhangigkeitsbewußtsein den schmeichelnden Semiten
kaum eines bittenden Blickes. Es wäre dieser Standpunkt
ja vielleicht als ein sozialer Fortschritt zu buchen, wenn
nur die Landleute die Preise für ihre Nahrungsmittelprodukte
im allgemeinen, nicht allein beim Vieh, nicht gar so

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habgierig in die Höhe schrauben würden."

Vergleichbar den schon 1918 als Tarifpartner
von der Industrie anerkannten Gewerkschaften
entstanden in dieser Zeit auch einige

neue Bauernvereine als Interessenverbände

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der Landwirtschaft. Auf einer großen Veranstaltung
des Schwäbischen Bauernvereins in
Sulgen sagte der Verbandssekretär Dr. Neher
zu den anwesenden Bauern unter anderem:

„Wenn der freie Handel wieder kommt, wenn die Konkurrenz
aus dem Ausland eintritt, muß dafür gesorgt werden,
daß der Zwischenhandel ausgeschlossen wird. Durch den
Zwischenhandel erleidet der Bauernstand großen Schaden
. Im Oberland forderte ein Landwirt, daß die Viehauf-
kaufer aus dem Bauernstand genommen werden, nicht aus
dem Bezirksamt Jerusalem. Zusammenhalten müssen wir
auf allen Gebieten und sich durch nichts irre machen lassen
. Absatzgenossenschaften müssen ins Leben gerufen
werden, unter Ausscheiden des Viehhandels."

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1921 forderte der Landwirtschaftliche Bezirksverein
des Oberamts Oberndorf das Landesamt
für den Viehverkehr zur Aufhebung
der Viehsperre zwischen Baden und Württemberg
auf und empfahl den Bauern, die genossenschaftliche
Viehverwertung als Konkurrenz
zum Viehhandel weiter auszu-
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bauen. In Baden entstand als Folge dieser
antisemitischen Strömung in der landwirtschaftlichen
Bevölkerung auch ein Christlicher
Viehhändlerverband, der aber offenbar
über eine regionale Bedeutung nicht hinauskam
. In der sozialdemokratischen Schwarzwälder
Volkswacht wurde darüber berichtet:

„Gibt es überhaupt christliche Viehhändler? Wenn man
die Betonung auf das Wort christlich legt? Wir meinen,

$ertcf)tfguttg.

3n ftr. 53 bes „&ä)mav$w. Xagblatt" erfcfjien
ein Xlrtlfel, baß bie ©ebr. ©c&roara megen Sieh«
fchiebereien oerfjaftet roorben feien. Siefen berichtigen
bie Unteraeic^neten bafjtn, bafc es' fi<h lebiglidj um
eine SBorführung an bas SImtsgeridjt gehanbelt fyat.
©egen ben oon SBeleibigungen gerabeau ftrofcenben
SIrtifel werben mir gerichtliche öilfe in 2Infpruch
nehmen. 2Me ©ebr. 6chroar3 ftnb im ©afthaus 3um
„Stohren" jeberaett 311 fprechen.

<£lla* unb £stbtt>ig Sdjroat*.

Abb. 7: Stellungnahme der Gebrüder Elias und
Ludwig Schwarz zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen
aus dem Schwarzwälder Tagblatt v.
6.3.1919

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