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genommen, um über dem neuen Haupteingang
einen fein gearbeiteten Türsturz anzubringen
(Abb.). Verziert im Jugendstil steht
links die Jahreszahl 1733 mit dem Bergwerksemblem
und rechts das Erbauungsjahr 1889.
1733 war das Gründungsjahr des Hammerwerkes
der kaiserlich-österreichischen Regierung
gewesen. In der Mitte sind die Namen
der Erbauer eingemeißelt:
Villeroy & Boch.
Im Nordgiebel des hinteren Teils der „Maßmühle
" steht die Jahreszahl 1903. Damals
wurde also dieser Anbau erstellt. Der mittlere
Bau dagegen gehörte schon 1837 als Turbinenhaus
zum alten Hammerwerk. Hier werden
übrigens die behauenen Steine von der
Außenmauer der Ruine Schilteck vermutet,
die für den Bau der „Maßmühle" herhalten
mußten.
Nach dem Ersten Weltkrieg richtete das Baugeschäft
Buzzi in diesem Gebäude eine bald
florierende Schlackensteinfertigung ein und
wurde damit zum Großabnehmer der bei der
Schramberger Industrie anfallenden Kohlenschlacke
. Bei der Erstellung des Terrassenbaus
in der Landenbergerstraße (Siedlungsstraße
) geriet die Firma in finanzielle Schwierigkeiten
und mußte 1928 Konkurs anmelden
. Noch im selben Jahr wurde der Hammergraben
stillgelegt.
1.3: Nur 50 Meter weiter oben, oberhalb der
Hammerhäuslebrücke, stoßen wir in der straßenseitigen
Bachmauer auf - leider - Schram-
bergs häufigste „Gedenktafel": einen dort eingemauerten
„Hochwasserstein". Er soll an
das große Hochwasser vom 24. Dezember
1919 erinnern, das die Brücke und die Auflagemauern
so stark beschädigte, daß 1923
eine neue Brücke samt Bachmauern gebaut
werden mußten. Die Inschrift lautet:
H. W. 24.12.1919.
1.4: Weitere 100 Meter aufwärts, auf dem
fälschlicherweise nun „Herzogshöfle" genannten
Neubaugebiet, steht die 1902 im Jugendstil
erbaute, doch nun zum Abbruch verurteilte
ehemalige „Villa Kremer". Ihr Erbauer
, der seinerzeit mit Eugen Villeroy nach
Schramberg gekommene „Finanzkaufmann"
Abb. 1.4: Gedenkstein an der „Villa Kremer" im
Höfle
Mathias Kremer, aus Wallerfangen bei Merzig
gebürtig, ließ am Eingang der „Landvilla" - so
die Bezeichnung in der Baugenehmigung - einen
Gedenkstein setzen (Abb.). Die Inschrift
lautet:
Villa Therese A~ 1902 Math. Kremer -
Marg. Kremer-Weber
Seine Frau Margarethe war die Tochter des
Trierer Dombaumeisters Peter Weber. Die Geschichte
des Hauses und der Familie Kremer,
die um die Jahrhundertwende eine bedeutende
gesellschaftliche Rolle spielte, soll später
in einem besonderen Aufsatz gewürdigt
werden. Ein Nachfahre hat großes Interesse
am Sandsteinensemble des Eingangs der Villa
bekundet, so daß seine Erhaltung gesichert
sein dürfte.
1.5 a/b: Bei unserem weiteren Gang kommen
wir zum gräflichen Schloß, wo bekanntlich
verschiedene Steine, Tafeln und Wappen angebracht
sind. An der Dachkante auf der Südseite
entdecken wir die zwei in Sandstein
Abb. 1.5 a: Wappen der Familien von Bissingen-
Nippenburg und von Warsberg am Schloß
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