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Holz, die in Nuten eingeschobenen Wandfüllungen
und die dadurch bedingte Aussteifung
mit Kopfbändern, die Dachkonstruktion mit
Walmen und weiten Dachvorsprüngen, das
alles ist bezeichnend für das „Schwarzwaldhaus
" des mittleren und südlichen Schwarzwaldes
. Versucht man nun, diese eben beschriebenen
Hofgebäude den von Schilli beschriebenen
Schwarzwälder Hausformen zuzuordnen
, bietet sich zunächst das sogenannte
„Kinzigtäler Haus" zum Vergleich an,
das seine Wohnräume im Obergeschoß über
dem Stall hat. Man stößt aber bald auf
Schwierigkeiten, denn gewichtige Merkmale
kommen oft einfach nicht vor oder entsprechen
wieder anderen Hausformen. Mit dieser
Art der Interpretation, der Zuordnung zu
Hausformen des Schwarzwaldes, kommt man
hier offensichtlich nicht weiter.
Versuchen wir es mit Überlegungen, wie man
sie bei der Planung zum Bau eines solchen
Bauernhauses anstellen würde. Der Grund
für die unterschiedlichen Konstruktionsweisen
und Raumanordnungen wird wohl in unterschiedlichen
Anforderungen zu suchen
sein. Specksepplehof und Beschenhof sind
im Vergleich zum Haus Seckinger, das anfangs
lediglich zwei Kammern besaß, viel
größer. Je nach Rekonstruktion hatten die
beiden größeren Hofgebäude neben zwei Stuben
jeweils sieben bis zehn Kammern. Für
eine große Familie mit Großeltern, Mägden
und Knechten gab es genügend Platz. Dazu
kommen ein größerer Stall und mehr Lagerraum
zur Bewirtschaftung eines großen Hofgutes
. Wie läßt sich nun ein so großes Raumprogramm
in einem Gebäude grundsätzlich
unterbringen?
Sowohl im Schwarzwald als auch in der Landschaft
des oberen Neckars und weit darüber
hinaus sind beim Bauernhaus üblicherweise
Wohnräume, Stall und Heubergeraum unter
einem Dach zusammengefaßt. Zwei Geschosse
sind dabei konstruktiv kein Problem,
Abb. 7: Das Haus Seckinger im Giffizenmoos, aufgenommen um 1925
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