http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_13/0073
Form der Grundrißlösung eines großen Hofgebäudes
, wofür in Dunningen vielfach Beispiele
zu finden sind. Sowohl die Anzahl der
Räume als auch deren Größe sind reduziert.
Die Haustüre und ein kurzer Hausgang,
Stube, Küche und eine winzige Kammer liegen
im Erdgeschoß. Daran schließen sich ein
oder zwei Reihen Ställe mit der Tenne als Futtergang
an, manchmal ist dahinter noch ein
Schopf. Im Obergeschoß finden bis zu fünf
unterschiedlich große Kammern ihren
Platz .
Wie stets bei Planungen, bei denen die unterschiedlichsten
Anforderungen zusammengebracht
werden müssen, kann die gefundene
Lösung bestenfalls ein guter Kompromiß
sein. Je nach Gewichtung der einzelnen Faktoren
können viele verschiedene Lösungen
entstehen. Man kann nie alles haben, meistens
deshalb nicht, weil der Geldbeutel enge
Grenzen setzt. Am Haus Seckinger sollen
diese Gewichtungen kurz deutlich gemacht
werden. Die Möglichkeit einer ebenerdig zugänglichen
Stube und einer gut funktionierenden
, hohen Küche wird aufgegeben zugunsten
einer wirtschaftlicheren Anordnung
der Wohnräume über dem Stall. Ein Vorteil
hierbei ist auch die Ausnutzung der Stallwärme
, die die Wohnräume nun temperiert.
Die ursprüngliche Anlage einer Tenne, die
von beiden Seiten her zugänglich war, hat
sich auf die Dauer gegenüber einer höhergelegenen
Tenne, die beim Abladen des Heus
viel Arbeit spart, nicht bewährt. Weitere Faktoren
, die ihren Einfluß auf die endgültige
Gestalt des Hauses ausübten, waren die Wahl
des günstigsten Baumaterials in Zusammenhang
mit den örtlichen Gepflogenheiten und
den Fähigkeiten der ortsansässigen Handwerker
, Möglichkeiten der Eigenleistung, persönliche
Vorlieben des Bauherrn sowie dessen
Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem, Beschaffenheit
des Bauplatzes wie Hangneigung
, Erschließung, Wetterseite etc. Das einmal
gewählte, fast ausschließliche Baumaterial
Holz, auch für alle Wandfüllungen, legt
die Konstruktionsweise des Hausgerüstes und
des Dachstuhls sehr stark fest.
Wie man sieht, läßt sich allein durch die Betrachtung
der funktionellen Zusammenhänge
der Aufbau dieser Gebäude weitestgehend erklären
. Doch diese verschiedenen Lösungen
mußten alle erst entwickelt werden. Das gute
Zusammenspiel zwischen der gewünschten
Nutzung und der Bauweise ist nicht selbstverständlich
. Eine lange Zeit der Entwicklung
und steten Verbesserung war notwendig. Waren
die Randbedingungen für die meisten
Bauherren einer Gegend dieselben und veränderten
sich auch im Laufe der Zeit nur unwesentlich
, dann konnten diese Verbesserungen
bis ins letzte Detail gehen. Nach neuen
Lösungen brauchte nicht mehr gesucht zu
werden, da immer wieder dasselbe gebaut
wurde. Auch der Zimmermann hatte stets
den gesamten Bauplan parat, womit Bauzeit,
Bauablauf und Kosten gut kalkulierbar wurden
.
Abb. 9: Haus Seckinger im Giffizenmoos, ursprüngliche
Nutzungsordnung im Erdgeschoß, im
Obergeschoß und im Schnitt (von unten nach
oben), die Wohnräume sind dunkel hervorgehoben
.
Lang gestrichelt: Dachschräge, gepunktet: unsichere
Rekonstruktion, kurz gestrichelt: spätere An-
und Umbauten für eine höhergelegene Tenne (in
Klammern eingetragen)
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Heu
(Renne)
Tenne
Kammer < -
■ Küche
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Kammer • • • • Stube
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