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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_13/0074
Die größeren Hofgebäude mit ihrem umfangreichen
Raumprogramm profitierten besonders
gut von einem solchen Vorgang. Wie wir
oben gesehen haben, gibt es für sie in der
Nutzungsanordnung nur wenige Variationsmöglichkeiten
. Wurden damit die verschiedenen
Randbedingungen unter einen Hut gebracht
, war mit der dann gefundenen Lösung
eine gut funktionierende, hochspezialisierte
Hausform entstanden. Sie blieb neuen Einflüssen
und technischen Verbesserungen
dann verschlossen, wenn diese das gut abgestimmte
Gefüge gestört hätten. Eine über
lange Zeit beibehaltene Hausform wirkt zuletzt
sehr urtümlich in ihrer Erscheinung.
Ihre überkommene Konstruktionsform und
oft auch Nutzungsordnung lassen Schlüsse zu
auf den Hausbau längst vergangener Zeiten,
auch wenn die Gebäude selbst recht jungen
Datums sind. Die immer wieder gleichen
Häuser prägen schließlich sehr stark die
Landschaft, in der sie stehen.
Im Schwarzwald hat genau diese Entwicklung
stattgefunden. Die urtümlich erscheinenden
„Schwarzwaldhäuser" sind zum Markenzeichen
für eine ganze Region geworden.
Schon im 19. Jahrhundert wurden sie von der
Forschung entdeckt. Die großen, imposanten
Hofgebäude zogen die Aufmerksamkeit auf
sich. Durch deren geringe Variationsbreite
und extrem weit entwickelte Ausformung
entsprach eines dem anderen fast in allen Einzelheiten
. Es ließen sich sehr leicht „Haustypen
" mit einem entsprechenden „Ausbreitungsgebiet
" bestimmen. Alles davon Abweichende
wurde als störend empfunden oder
als „Mischform" betrachtet. Das bescheidenere
Raumprogramm der kleineren Häuser
und dessen unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten
paßten in kein Schema mehr
und fanden in der Forschung als „Kümmerformen
" wenig Beachtung.

Grenzfall Sulgen

Wenn wir nach diesem Exkurs auf den Sulgen
zurückkehren, fällt uns die Einordnung der
hier so unterschiedlich ausgeprägten Häuser
erheblich leichter. Sulgen liegt direkt an der
Grenze zwischen der Landschaft des oberen
Neckars und dem Schwarzwald. Eine flache
Hochebene trifft mit einer Mittelgebirgslandschaft
zusammen. Topographie, Klima und
Vegetation sind sehr verschieden und bringen
unterschiedliche Besiedlungsarten, Bewirtschaftungsformen
und damit unterschiedliche
Kulturlandschaften hervor, was
sich auch auf den Hausbau auswirkte.
Ausgerichtet auf die Viehwirtschaft, prägen
im Schwarzwald große, einzelstehende Hofgebäude
, die „Schwarzwaldhäuser", das Bild
der Täler. Am Oberen Neckar mit vermehrtem
Ackerbau stehen die Häuser in Dörfern
zusammen. Man hielt auch hier an der Gewohnheit
fest, alles unter einem Dach zu vereinen
, weshalb die Gebäude in ihrer Nutzungsanordnung
und somit in ihrer Großform
den Hofgebäuden des Schwarzwaldes
recht ähnlich sind. Ausgesprochen ausgeprägte
, starre Hausformen aber sind nicht
entstanden, abgesehen von sehr stark ortsgebundenen
Entwicklungen, wie sie beispielsweise
die bereits beschriebenen Dunninger
Kleinbauernhäuser darstellen. Die Landschaft
am oberen Neckar ist sehr reich an verschiedenen
Bauweisen und Konstruktionsformen,
was dem Forscher den Überblick erschwert.
Des unterschiedlichen Forschungsstandes
wegen lassen sich daher immer nur die
schwarzwaldtypischen Elemente herausschälen
. Ihre Häuser wurden und werden noch
an den zwar gut funktionierenden, aber altmodisch
gebliebenen Hausformen des
Schwarzwaldes gemessen. Die Bewertung
des Baubestandes eines ganzen Landstriches
kann so total verzerrt werden.
Auf dem Sulgen sind nun die verschiedensten
Varianten der Nutzungsordnung zu finden.
Die Konstruktion fast ausschließlich in Holz,
besonders bei den älteren Hofgebäuden, ist
jedoch typisch für den Schwarzwald. Mit der
häufigeren Anwendung von Fachwerk zur
Wandfüllung im Laufe des 18. Jahrhunderts
konnte diese sehr gut entwickelte, aber aufwendige
Konstruktionsweise stark vereinfacht
werden. Weitere schwarzwaldtypische
Elemente, wie der weite Dachvorsprung,
Walme, der vorkragende Giebel, das tief heruntergezogene
Dach und geringe Geschoßhöhen
, alles Maßnahmen zum Schutz der Holzkonstruktion
vor Wind und Wetter, wurden
damit ebenfalls aufgegeben. Wie der Fachwerkgiebel
des Beschenhofes zeigt, wurden

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