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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_13/0076
Paul Rapp:

ORTS-, STRASSEN- UND FLURNAMEN IN SULGEN -
BESCHREIBUNG UND DEUTUNG (Fortsetzung)

Schlichte

Wenn wir vom „Vierhäuser-Wirtschäftle", früher
„Zum Waldeck", auf der Straße ostwärts
in Richtung Sulgen gehen, kommen wir
rechts an der Schlichte vorbei, die aus zwei
Häusern und den dazugehörigen Feldern besteht
. Es sind dies die landwirtschaftlichen
Anwesen Vierhäuser 2 von Johannes Neff
und Vierhäuser 1 von David Hermann. Hier
hat man einfach den alten Flurnamen
Schlichte gelöscht, wie es nun leider auch im
neuen „Postleitzahlenbuch" mit den Ortsnamen
Sulgen, Heiligenbronn und Schönbronn
geschehen ist.

„Schlichte" (mhd. slihten gerade machen, ebnen
) ist eine Rodungsbezeichnung wie z.B.
Oberreute und Schoren. Der Wald wurde gerodet
, d.h. eingeebnet zur Gewinnung von
Ackerfeld und Wiesen. Unter Schlichte versteht
man daher auch flaches Gelände, Bodenblöße
, ebene, gerade Fläche, Lichtung im
Wald, was für die obengenannte Fläche auch
zutrifft. Das Zeitwort schlichten, im übertragenen
Sinne gebraucht, hat den ursprünglichen
Sinn bewahrt, so etwa wenn man einen
Streit „schlichtet", d.h. die Wogen „glättet".

Maden

Westwärts, in Richtung Oberreute, schließt
sich die Flur Maden an, wo sich das landwirtschaftliche
Anwesen des sog. „Maden-Haas"
befindet, heute Oberreute 15. Maden leitet
sich ab von Mahd (mhd. mat Mähen, Heu,
Wiese). Die Gegend dort, in einer Niederung
liegend, ist feucht und naß und eignete sich
früher vorwiegend für Milch- und Graswirtschaft
. Durch Drainage (Trockenlegung) und
Entwässerungsgräben ist heute auch Feldwirtschaft
möglich und ertragreich. Auf der
topographischen Karte 7716 Schramberg
sind in der Nähe auch Feuchtgebiete, Quellen
, Weiher und Brunnenstuben eingezeichnet
. Dort entspringt auch der Mollenmoos-

graben, der sich in nordwestlicher Richtung
in den Weiherbach (Brambach) ergießt, nachdem
er vorher noch den Hefterbrunnen und
die Heftertanne passiert hat. Das Mollenmoos
ist ein feuchter, nasser Wald zwischen Maden
und Vierhäuser.

Als „Mollen" bezeichnet man mundartlich
Molche, Lurche oder Olme (= Froschlurche),
die zu den Amphibien zählen und als Larven
kiemenatmend im Wasser leben, doch wenn
erwachsen, lungenatmende Wasser- und
Landtiere sind.

Das Krottenloch

Dies ist im Volksmund die Bezeichnung für
eine Geländevertiefung, die knapp 500 m
nordostwärts des erwähnten Feuchtgebietes
liegt, wo der Mollenmoosgraben entspringt.
Bei den Einheimischen gehört es noch zu den
Vierhäusern, postalisch hat das landwirtschaftliche
Anwesen aber die Hausnummer
Oberreute 11. Der Flurname deutet auf überschwemmtes
Gelände mit vielen Krotten
(Kröten) oder Fröschen hin. Andernorts gibt
es die Flurnamen Krottenweiher, Kroppach
(aus Krottenbach) ferner die Molche, Molle,
Mollbach, Mollenweiher, Mollenried etc.
Krotte ist eine obd. Nebenform zu Kröte
(ahd. krota, mhd. krote, krot, letzteres bis
heute auch Kosename)

Reifenloch

Im Reifenloch befindet sich das landwirtschaftliche
Anwesen Vierhäuser Nr. 12. Unweit
davon trägt ein tiefliegendes Waldstück
des Seedorfer Waldes ebenfalls diesen Namen
. Sicherlich gibt es in der dortigen feuchten
Niederung häufiger Rauhreif als sonst auf
den Vierhäusern, aber dank dem Vorhandensein
von Obstbäumen ist die Rauhreifgefahr
bei weitem nicht so groß wie z.B. im Aiten-
bach auf der Heuwies, wo Obstbäume seltener
sind.

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