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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_13/0078
46 und Nr. 54 von Maria Fader, Emma Weißer
geb. Fader und die drei Häuser vom Attenbach
. Das Haus Nr. 46 ist auf dem Grenzbühl
- daher „Grenzbühler" - gelegen. Eine Zeitlang
nannte man den „Grenzbühler" auch
„Seifensieder". Außer den Flurnamen Grenzbühl
und Attenbach gibt es auf der Heuwies
auch die Flurnamen Tummelhof, Schießstand
und Deisenbühl, die noch beschrieben werden
. Auf dem Deisenbühl wurde noch lange
ein Buntsandsteinbruch betrieben.
Dort hatte später, und zwar bis in die 80er
Jahre, der Sulgener Schützenverein seinen
Schießstand. Die Waldungen auf der Heuwies
sind größtenteils noch im Besitz des Grafen
von Bissingen. Für seine Waldarbeiter (Köhler
) standen eigene Häuser zur Verfügung, die
sog. Köhlerhäuser, die später an die Waldarbeiter
und Kleinbauern verkauft wurden. Die
Eigenart dieser Häuser bestand darin, daß in
einem Haus jeweils zwei Familienwohnungen
mit getrenntem Eingang waren. Die gemeinsame
Küche lag zwischen den Wohnungen
und hatte an der Giebelwand nur ein Fenster.
Eines dieser Köhlerhäuser steht am Deisenbühl
beim Steinbruch Heuwies 19, das andere
ist das alte Haus Heuwies 34 von Ludwig
Lamprecht.

Heuwies wird in der Sulgener Mundart „Haiwies
" gesprochen. Nach Professor Schnetz
sind „geheite" Wiesen Plätze oder Orte, die
der allgemeinen Nutzung entzogen, „geheit",
d.h. unter gewisse Verbote gestellt, z.B. für
Viehtrieb verboten waren. Diese Flurnamen
sind oft schwer von den mit „Häu" (G'häu
oder Käu) „Hai-" und „G'hai-" oder „Heu-"
und „Kai" zusammengesetzten Namen zu unterscheiden
. Sicher sind viele Heuberge oder
-wege als „geheite", also verbotene Berge
oder Wege zu verstehen. Für hegen (eigentlich
mit einem Hag umgeben, dann schonen,
bannen, pflegen) erscheint in gleicher Bedeutung
„heien" („haien"), wozu auch die
Hauptwörter „Hei", „Gehai" („Kai") als Gehege
(Hag), gehegter Wald, Hegung auch als
„Zaun- und Grenzwehr", ferner Haiholz,
-schlag, -berg (Kaiberg) gehören. Andernorts
ist Heusack, Habsack, Hebsack, Höwsack ein
Grundstück, meist eine Wiese, das sich sackförmig
in einen Wald (Hau) hinein erstreckt.
W. Keinath bringt Hei, Gehei (mhd.), heie,

Abb. 2: Schild der alten Wirtschaft zur Oberreute
(Nr. 6) (Foto von K. Zey f)

geheie, schwäb. hoi, hai, in Aussprache und
Schreibung vermischt mit Heu, höh, hoch
(vgl. auch heien = dunsten) in Verbindung
mit „Hau" (vom Zeitwort hauen, schlagen)
und erklärt, Hau und Gehau sei eine Hiebabteilung
im Wald, also ein Waldstück, aus dem
der Reihe nach das ältere Holz herausgeschlagen
wird, oft ein Holzschlag in Gemeindewaldungen
, dessen Ertrag unter die nutzungsberechtigten
Bürger verteilt wird, somit ein
Forst- und Waldstück. Hierher gehören Alter
Hau, Häuble (kleine Haue, Hacke), Häulen-
rain, Gehau, Gehäule, Lohleshau, Käubtal,
Keuerloch, Gaiäckerlen, Heusteig (eigentlich
Häusteig nach Holznutzung und -abfuhr).
Aber was ist schon richtig? Die heutige
Rechtschreibung ist für die frühere Zeit nicht
zuständig und oft willkürlich. Heu müßte
man logischerweise mit „äu" schreiben, weil
es vom Zeitwort hauen abstammt.
Heuwies ist m.E. in Verbindung zu bringen
mit G'häuwies, und dies bedeutet eine Wiesenfläche
zwischen Wäldern, wo Gras wuchs
und sich junge Laub- und Nadelbäumchen infolge
Samenflugs in den Wiesen ausbreiteten.
Da man aber für das Vieh Grünfutter und
Heu benötigte, mußte man diese Waldwiesen
wegen der jungen Baumpflanzen mit stabilen
Sicheln, Sensen oder Haumessern mähen
bzw. abhauen. Der Wiesenertrag bestand aus
den jungen Baumpflanzen und dem dazwischen
wachsenden Grasfutter, das man für
die Winterzeit zu Heu oder Öhmd trocknen
und in der warmen Zeit vom Vieh abweiden
ließ. Die holzigen Baumpflanzen wurden ausgelesen
, getrocknet und auf den Äckern zur
Düngung verbrannt (Brandacker). Oft wurde

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