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das strohige Futtergras auch als Streu im Stall
verwendet oder außerhalb der Futterkrippe
vom Vieh gefressen. Getreidestroh stand in
früherer Zeit bei weitem nicht in der benötigten
Menge zur Verfügung. Deswegen mußten
die Bauern ins „Moos", um dieses loszugehen
und zu trocknen, so daß es dann zum
Streuen im Stall verwendet werden konnte.
So entstand der Begriff Moos für Wald. Bei
„Holz" war es entsprechend. In unserer
Mundart spricht man Heu wie „Hai" aus, und
statt heuen (oi) sagt man haien und haiben,
und für das Zeitwort wüten im Sinne von verrückt
machen benutzt man mundartlich kai-
ben oder koabe. Für einen Menschen, der
den Galgen verdient hätte, gebrauchte man
früher den Ausdruck Kaib oder Koab. Heutzutage
sagt man noch zu einem aufsässigen,
widerspenstigen, durchtriebenen Kerl: Dees
isch an Kaib oder Koab, also ein „abgeschlagener
" Bursche, dem man alles zutrauen
muß. Auch diese Ausdrücke kommen von
hauen. Wenn ein Jugendlicher mehr Schläge
(Haue) bekommt als gute Worte, dann wird
er abgeschlagen, also ein Koib, wie man im
Oberschwäbischen sagen würde. Bei Schiltach
findet man auf der Karte den Fluß- oder
Bachnamen „Kaibach" („Kaibich" im Volksmund
), wo man in gewissen Abständen die
Bachuferwiesen „g'haibet hot", d.h., wie
oben bei der Heuwies beschrieben, gemäht
hat. Meine Vermutung geht stark dahin, daß
auch das Wort Gau und Gäu hier seinen Ursprung
hat, d.h., daß seine Abstammung auf
G'hau oder G'häu zurückzuführen ist.
Der Deisenbühl
Dieser Flurname bezeichnet die kleine Anhöhe
bei dem oben bereits erwähnten Köhlerhaus
Heuwies Nr. 19 und Nr. 23 von Kurt
Müller, wo man um die Jahrhundertwende einen
Buntsandstein-Steinbruch anlegte und
später in die aufgelassene Sandsteingrube
den Schießstand des Schützenvereins hineinbaute
. Südlich des Deisenbühls zieht sich die
große Wiese von Meinrad Kuner hin, die zum
neuangelegten Biotopweiher abfällt. Die wasserreichen
Wiesen der Hintersulgener „Fichtäcker
" und des „Mooses" beim Aitenbachge-
biet werden dorthin entwässert. Der Name
Deisenbühl besagt, daß diese Anhöhe zu einem
landwirtschaftlichen Anwesen gehörte,
dessen Besitzer man „Deis" nannte, weil der
eigentliche Vorname entweder Matthäus oder
Matthias war. Oft änderte der Volksmund
diese Namen auch zu Mattheis oder Matthes
um, und so könnte auch der Flurname Tos im
Schramberger Tal, von einem Hofnamen herrührend
, entstanden sein und nicht vom Zeitwort
tosen, das in unserer Mundart nicht gebräuchlich
ist.
Tummelhof
So nannte man bis in die fünfziger Jahre das
frühere Gasthaus „Zum Löwen" auf der Heuwies
. In diesem beliebten Gasthof gaben sich
die Sulgener Spaziergänger und die Dunnin-
ger Langholzfuhrleute auf dem Heimweg
gerne ein Stelldichein. Dort machten auch
die Schäfer halt, wenn sie mit ihren Schafherden
im Herbst von der Alb ins Rheintal oder
im Frühjahr in umgekehrter Richtung zogen.
Das Schafpferchgatter hatte der frühere Gastwirt
Johannes Maier dann schon auf denjenigen
Wiesen und Feldern aufgebaut, die einer
kräftigen Düngung bedurften. Dafür hatte der
Schäfer Kost und Logis frei. Die durstigen
Schafe löschten ihren Durst am runden Weiher
beim Waldrand und tummelten sich auch
auf den angrenzenden Wiesen.
Beim Tummelhof lag auch die Haltestelle für
die Postbusse, und die „Heuwieser" erhielten
in früherer Zeit von dort ihre Post zugestellt.
Später besorgte dies aber der Sulgen-Sulgauer
Postbote Josef Rapp bzw. seine Neffen, die
ihm beim Austragen der Briefe, Zeitungen
und Pakete behilflich waren. Wehe, wenn ich
oder meine Geschwister einmal den Schlüssel
für den großen, gelben Briefkasten und
somit das Leeren vergaßen. Dann war ein
Donnerwetter von Seiten des Tummelwirtes
fällig, weil in diesem Fall die Postkarte mit
der Bestellung für die Wehle-Brauerei zu spät
ankam und somit die Anlieferung der Bierkästen
und -fässer auf den Sonntag gefährdet
war. Der einzige noch lebende Sohn Anton
führte später den „Tannenhof" in Lauterbach,
wo sich der Betrieb wegen der Kurgäste besser
lohnte. Den Vorgänger von Johannes
Maier nannte man „Dummelhannis". Er betrieb
in der unteren Hardtstraße auf dem Sul-
gen zuerst eine Landwirtschaft, später ver-
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