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Abb. 6: Epitaph in St. Maria zum Andenken an
Hans Friedrich von Bissingen, ursprünglich in der
alten Kirche, wo er beigesetzt war Foto: H. Link
dürfen. Das Holz solle in den Wäldern der Herrschaft
oder der Kirchenstiftung geschlagen
werden. Die erhoffte große mildfürstliche Gnade
wolle er, der „arme ganz verderbte Unter-
than", mit seinem täglichen Gebet und äußerster
Dienstbarkeit zu verdienen nimmermehr
vergessen.
Als im Herbst 1634 Schramberg wieder österreichisch
wurde, war die Bann- oder Herrenmühle
noch nicht wieder aufgebaut. Das geschah
erst unter Freiherr Hans Friedrich von
Bissingen, der die Herrschaft 1648 mit sämtlichen
Rechten eines Grund- und Lehensherrn
erhielt (Abb. 6). So blieb auch der Mühlenzwang
für die Bannmühle im Schramberer Tal
weiterhin erhalten, und zwar nicht nur für die
Bewohner des Marktfleckens, sondern auch,
wie im Urbar festgeschrieben, für das Dorf
Aichhalden.
Aufstand in Aichhalden
Die Einwohner Aichhaldens empfanden den
Mühlenzwang im Laufe der nächsten Jahrzehnte
immer drückender: Neben dem weiten
und beschwerlichen Weg über Sulgau und die
(alte) Steige war es vor allem die Tatsache, daß
ihr Stab der einzige in der Herrschaft war, der
keine Mühle besaß. Ihr Hauptargument, das
nach anfänglichem Ersuchen immer heftiger
vorgebracht wurde und schließlich in eine offene
Rebellion gegen die Obrigkeit mündete,
war die Gleichstellung aller Untertanen. Daß
das ausgerechnet im Jahre 1789 geschah, wo in
der Französischen Revolution die „egalite" erkämpft
werden sollte, mag rein zufällig sein.
Immerhin wußten die Aichhaider - das geht
aus den einschlägigen Untersuchungsberichten
klar hervor -, daß ihr oberster Herr, Kaiser
Joseph IL, soeben, nämlich Anfang 1789, den
Mühlenbann im gesamten Reich aufgehoben
hatte.Daraus leiteten sie nun die Forderung ab,
auch eigene Mühlen bauen zu dürfen.
Wie so oft begann der Konflikt ganz harmlos:
Der Aichhaider Bauer Joseph Furtwängler,
wohnhaft auf der Riesen18, im Stab Aichhalden
, suchte Anfang 1789 bei der Herrschaft
um die Genehmigung des Baus einer Hofmühle
für sich und seinen Nachbarn Johann Maurer
nach. Seinen Antrag begründete er wie folgt:
1. Die herrschaftliche Mühle in Schramberg sei
sehr weit entfernt.
2. Andere schrambergische Untertanen hätten
seit langem eigene Hofmühlen.
3. Der Mühlenzwang sei auf allerhöchsten
Befehl aufgehoben, was ihnen das Recht einräume
, eigene Mühlen zu bauen.
4. Ihnen sei von der Herrschaft bereits mündlich
die Erlaubnis zum Bau von Hofmühlen
in Aussicht gestellt worden.
Mit Datum vom 7. März wurde Furtwängler
mit der schriftlichen Ablehnung seines Gesuchs
darüber belehrt, daß der österreichische
Kaiser zwar den Mühlenbann im ganzen Reich
aufgehoben habe, daß damit aber den Untertanen
keineswegs das Recht eingeräumt worden
sei, willkürlich Mühlen zu bauen. Damit
gab sich aber Furtwängler keineswegs zufrieden
; er gewann vielmehr neben Johann Maurer
vier weitere Bauern aus Aichhalden, nämlich
Anton und Joseph Kopp jakob Dold sowie Joseph
Nagel, beide im Eselbach, für sein Vorhaben
. Er erweiterte sein neues Gesuch vom 24.
August 1789 um diese vier Namen und schickte
es, merkwürdigerweise ohne deren Unterschriften
die vorderösterreichische Regierung
in Freiburg. Mit dem Gewinn der vier Partei-
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