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christlichen Arbeiterbewegung der 1890er-
Jahre, die parallel zu den Bemühungen zur
Gründung einer Dachorganisation stattfanden
und schließlich 1899 in den Gesamtverband
der Christlichen Gewerkschaften Deutschlands
eingingen.38 Bald darauf konnte der Christliche
Uhrenindustriearbeiterverband Schwarzwald
im Jahr 1899 nach Vorbereitung durch den
Katholischen Arbeiterverein auch in Schram-
berg eine Ortsgruppe gründen, der zunächst
29 Mitglieder beitraten, die sich bald sehr aktiv
an der Gewerkschaftsarbeit beteiligten (P-KAVS
3.7., 4.11., 6.11., 4.12.1898 und 7.5.1899).
1900 hatte der Christliche Uhrenarbeiterver-
band Schwarzwald insgesamt 520 Mitglieder,
von denen mit 130 Mitgliedern ein Viertel in
der Industriestadt Schramberg organisiert
waren (CG 1.5.1900).39 Für die Freien Gewerkschaften
und die Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereine
waren die Christlichen Gewerkschaften
eine neue und ernsthafte Konkurrenz,
wenngleich die verschiedenen Richtungsgewerkschaften
zunächst noch eine Zusammenarbeit
versuchten.
Am 8. April 1900 führten die Vereinigten Gewerkschaften
und der Christliche Uhrenindustriearbeiterverband
Schwarzwald zusammen
eine Veranstaltung durch, die sich mit dem
Thema „Die Verhältnisse der Uhrenindustrie
des Schwarzwaldes und ihre Zukunft" beschäftigte
und auch zu einer allgemeinen Resolution
mit Forderungen an die Unternehmer fand
(Abb. 4): „Jetzt gilt es nicht das hervorzuheben,
was uns trennt, sondern das, was uns einigt;
denn hier heißt es, getrennt marschieren, aber
vereint schlagen ... Die heutige öffentliche
Uhrenindustrie-Arbeiterversammlung erkennt
die gegenwärtige Lage der Schwarzwälder
Uhrenarbeiter als eine durchaus verbesserungswürdige
an. Sie erkennt in den fortgesetzten
Lohnreduzierungen der hiesigen
Uhrenfabrikanten ein Mittel, um die ohnehin
schon mißlichen Arbeitsverhältnisse noch weiter
zu verschlechtern" (CG 1.5.1900). Die
Gegensätze waren dann aber zwischen der
sozialdemokratischen und christlichen Arbeiterbewegung
doch zu groß, wobei ziemlich
eindeutig sowohl die gegenseitige Organisationskonkurrenz
wie auch der Weltanschauungskrieg
eine weitere Zusammenarbeit mit
Ausnahme einiger Einzelfragen weitgehend
Abb. 4: Anzeige der Vereinigten Gewerkschaften
und des Christlichen Uhrenindustrie arbeiterver-
bandes Schwarzwald für eine Zusammenkunft, bei
welcher der Bezirksleiter Hans Christiansen vom
Deutschen Holzarbeiterverband aus Freiburg i. Br.
über das Thema „Die Verhältnisse der Uhrenindustrie
des Schwarzwaldes und ihre Zukunft"
sprach. Schramberger Anzeiger, den 7. April 1900.
Vorlage und Aufnahme: Württembergische Landesbibliothek
Stuttgart
blockierte. Der Christliche Uhrenindustriearbeiterverband
Schwarzwald beschloss daher
noch 1900, „in Zukunft wie bisher die Sache
wieder allein zu besorgen und nicht unter
einer Bevormundung und Terrorisierung
weiterzuarbeiten" (CG 15.6.1900).
Die Mitgliederzahlen gingen aber bald zurück -
wohl auch infolge der für die Uhrenindustrie
sehr kennzeichnenden Arbeitskräftefluktuation
-, lagen allerdings immer noch über denen
des Deutschen Metallarbeiterverbandes, dessen
Zahlstelle Schramberg im Jahr 1903
zunächst nur 41 Mitglieder melden konnte.40
Bei den Gewerbegerichtswahlen vom 20. Mai
1901 konnte die Liste „Ausschüsse der christlichen
Arbeiterorganisationen" aber wiederum
keinen einzigen Sitz gewinnen (SA 21.5.
1901/23.5.1901). Diese Wahlergebnisse waren
eine Folge des anfangs bei den Gewerbegerichtswahlen
geltenden Mehrheitswahlrechtes,
sodass ein Erfolg stets auf die vollständige und
nicht immer gelingende Mobilisierung der eigenen
Anhänger angewiesen war. Die Christlichen
Gewerkschaften und der Katholische
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