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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_21/0028
Anfang 1905 versuchten die Freien Gewerkschaften
, die Christlichen Gewerkschaften und
die Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereine der
Industriestadt Schramberg erstmals mit einer
konzertierten Aktion eine Forderung der Arbeiterschaft
durchzusetzen, in dem sie an den
Gemeinderat und den Bürgerausschuss einen
Antrag richteten, der eine wöchentliche statt
der bisher zweiwöchentlichen Lohnzahlung
auf dem Weg eines Ortsstatuts forderte. Außerdem
sollte die Lohnzahlung zukünftig am
Freitag und nicht mehr am Samstag stattfinden
(SchT 14.2.1905). Dieser Antrag wurde aber
von den Arbeitgebern der Uhrenindustrie und
ihrer Zulieferbetriebe grundsätzlich abgelehnt,
da sie die Gewerkschaften als Verhandlungspartner
ablehnten. Paul Landenberger (1848
bis 1939) von der Hamburg-Amerikanischen
Uhrenfabrik (H.A.U.) erklärte sogar, „daß die
Arbeiter, welche hervorragenden Anteil an dieser
Sache genommen [haben], nicht zu den
besten Familien gehören", was die Christlichen
Gewerkschaften als „eine in nichts zu rechtfertigende
Anrempelung weiter Kreise ehrbarer
Arbeiterfamilien" verurteilten (SchT 29.4.
1905).49

1905 gab es mit einem Ausstand einiger Vorarbeiter
und einer Gruppe aus der Arbeiterschaft
wegen persönlicher und betrieblicher Differenzen
in der Uhrenfabrik Konrad Mayer &
Söhne einen ersten Arbeitskampf in Schramberg
, in den sich auch der Christlich-Soziale
Metallarbeiterverband einschaltete und der
durch „besonnenes Vorgehen der beteiligten
Gewerkschaftsleitungen und das Entgegenkommen
bei den Firmeninhabern" beigelegt
werden konnte (SchT 21.10.1905/24.10.1905).
Die Entwicklung der Christlichen Gewerkschaften
wurde natürlich von den Freien
Gewerkschaften als unliebsame Konkurrenz
betrachtet und sehr hart bekämpft. Bei einer
Versammlung der Freien Gewerkschaften am
12. November 1905 bezeichnete der auswärtige
Referent Näther die Christlichen Gewerkschaften
als „ein Anhängsel des Zentrums" und
sprach ihnen damit jede Unabhängigkeit ab.
Für die Christlichen Gewerkschaften erwiderte
ihm der ebenfalls auswärtige Redner Gießler,
der „von den Schandtaten, dem Terrorismus
gegen die Christlichen" sprach, „die weil sie
eine andere Organisation vorziehen, um Arbeit

und Brot gebracht werden. Aber die christliche
Organisation allein ist zu einem stämmigen
Kerl herangewachsen, der weder totgeredet,
totgestreikt noch totgebrüllt werden kann ...
Zwei Weltanschauungen stehen sich gegenüber
; die Gewissenspflicht weist eben dem
christlichen] Arbeiter den Platz an, wo er hingehört
, wo er nicht zu befürchten hat, daß
seine Überzeugung geschmäht, mit Füßen
getreten wurde. Die christliche] Gewerkschaftsbewegung
hat die Zukunft. Sie nimmt
den Fehdehandschuh auf, der ihr von ihren
Todfeinden hingeworfen wird" (SchT 15.11.
1905).

Seit 1905 bemühten sich die Christlichen
Gewerkschaften durch eine Auftaktveranstaltung
mit der bekannten Rednerin Fanny Immle
(1878-1965) aus Mönchengladbach auch verstärkt
um die Werbung von Fabrikarbeiterinnen
. Sie betonte, dass auch die Christlichen
Gewerkschaften zu Arbeitskämpfen bereit sein
mussten: „Die christliche Demut darf sich nicht
zur Gedankenlosigkeit steigern ... Die christliche
Bescheidenheit gegenüber dem Unternehmer
ist schlecht angebracht, er versteht sie
nicht zu würdigen" (SchT 22.11.1905). 1906
wählte der Christlich-Soziale Metallarbeiterverband
Schramberg als Sitz der Bezirksleitung für
die Gewerkschaftsorganisation in der badischen
und württembergischen Uhrenindustrie,
entsandte dazu den bereits bekannten Gewerkschaftssekretär
Emil Kollofrath aus Freiburg
i. Br., der in der Oberndorfer Straße 85 eine
Geschäftsstelle einrichtete (SchT 5.5.1906)
und während seiner Schramberger Zeit sogar
heiratete (SchT 9.6.1906). Nachdem die Unternehmer
der Uhrenindustrie die Forderungen
aus der Arbeiterschaft nicht anerkannten und
mit ihren Gewerkschaften nicht verhandeln
wollten, sahen auch die Christlichen Gewerkschaften
immer mehr, dass es bald zu einer
Kraftprobe kommen müsse. Der bereits ausgebrochene
Arbeitskampf zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern im Saargebiet mit
umfangreichen Aussperrungen machte auch
dem Christlich-Sozialen Metallarbeiterverband
in Schramberg bewusst, „daß sie keinen Tag
vor dem gleichen Schicksal sicher sind" (SchT
20.5.1906).

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