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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_21/0030
Kollegen (SchT 16.11.1906). Bezirksleiter Emil
Kollofrath vom Christlich-Sozialen Metallarbeiterverband
griff den anderen Bezirksleiter deswegen
an: „So hat sich Vorhölzer zum Führer
der Streikbrecher gemacht. Das Verhängnis
schreitet schnell, soeben geht mir von der
Geschäftsstelle des Arbeitgeberverbandes die
neueste Erklärung der Herren Arbeitgeber zu,
worin es im Schlußsatz lautet: Da in Triberg
schon ein Ausstand eingeleitet ist, machen wir
zur Bedingung weiterer Verhandlungen, daß
die dortigen Kündigungen zurückgenommen
werden! Damit, Herr Vorhölzer, sind Sie als
Schwindler, Streikbrecherführer und wortbrüchiger
Arbeiterführer gerichtet" (SchT 25.11.
1906).

Bei der Generalversammlung der Zahlstelle
Schramberg des Christlich-Sozialen Metallarbeiterverbandes
am 2. Februar 1907 machte
der Vorsitzende Eugen Hüppchen deutlich, der
Kampf um Durchsetzung der Forderungen der
Arbeiterschaft „sei keineswegs erloschen, und
seien auch an einer Reihe von Orten auf Grund
derselben ganz entsprechende Resultate für
die Arbeiterschaft erzielt worden, es sei deshalb
ein großer Irrtum, zu glauben, jetzt sei die
Sache vorbei, eine gewerkschaftliche] Organisation
brauche man nicht mehr, heute könne
noch nicht gesagt werden, ob nicht das kommende
Jahr eine ernstere Situation bringe" und
sollte damit Recht haben (SchT 13.2.1907).
1907 begann nämlich der Deutsche Metallarbeiterverband
in seiner Hochburg Schwenningen
mit dem Beginn des Arbeitskampfes, wo
die bei der Firma Johann Jäckle beschäftigten
Gewerkschaftsmitglieder ihre Forderungen
einreichten. Auch in diesem Unternehmen
wurden alle Verhandlungen mit den Gewerkschaften
abgelehnt. Als daraufhin zahlreiche
Fabrikarbeiter ihre Kündigungen einreichten,
forderte der Verband der Uhrenindustrie & der
verwandten Industrien des Schwarzwaldes, alle
in seinen Mitgliedsfirmen beschäftigten Fabrikarbeiter
sollten eine Erklärung unterzeichnen,
dass sie mit den Arbeitsbedingungen und Lohnverhältnissen
zufrieden seien. Im Weigerungsfall
wurde die Massenaussperrung angedroht.52
Die Christlichen Gewerkschaften erklärten
dazu: „Durch eine eventuelle Aussperrung der
Uhrenarbeiter würden die Arbeitgeber sich vor
der Öffentlichkeit entschieden ins Unrecht setzen
, da sie den damaligen Versprechungen ...
keineswegs nachkamen. Zogen doch die
christlichen] Arbeiter der Jahresuhrenfabrik
ihre Kündigung zurück, unter der Voraussetzung
, daß die Arbeitgeber Entgegenkommen
bekunden würden, das ist nicht geschehen, die

Abb. 7: Bericht über eine Versammlung der
Sehramberger Arbeiterschaft am 15. Oktober 1906
während des Arbeitskampfes in der badischen und
württembergischen Uhrenindustrie. Sehr amb erger
Tagblatt, den 16. Oktober 1906.
Vorlage: Württembergische Landesbibliothek Stuttgart
®d)xatnbctQ, 15. Dttober. ©uten ©inbruef
hinterließ bic auf geftern nachmittag in t>er ftäbt. Surn«
halle einberufene Arbeiteroerfammlung, in
welcher bie gorberungen ber fn'eftgen Atbeiterfchaft oet;
treten, begrfinbet unb oertünbet wuroen. S)ie Arbeiter»
fdjaft oerfangt wegen ber fortwäbjenb fteigenben
SebenSmittelpretfe eine 10 pro&enlige ßohner*
I)öl)ung, für Uebexftunbenarbeit 25 projentigen, für
SonntagSarbeit 50 projentigen Auffchlag. $er Referent
£err ©emetffchaftsfeftetär SHöbla ^«(Stuttgart behanbelte
oor ber ca. 500 ßöpfe jS^enben Arbeitender met)c
oon theoretischem <5tanbpunft bie gotberungen unb ba«
qefdjfoffene Vorgehen butd) bte Drganifation. £err
ft e & e r (£. 2)) legte bte SBünfdje ber Atbeiterfchaft
bar im Sichte bes prauifdjen Seben?. An $anb von
3aMennacf)roeifen jeigte er bie fkigenbe $enbem ber
fieben«mittelpreije. tec jagt, bafj bte föcidjS* unb flom«
munalbetjärben ihren Beamten unb Arbeitern Neuerung?»
plagen gewährten, baß fomit bie Notlage auch amtlich
befunbet1 wirb. 2Be§|alb fotlen nun bie Qnbuftrie*
arbeitet nicht auch ein Anregt barauf haben, angeftajtS
biefer Sage, eine Sohnerhöhung ju oerlanaen. Auch bie
(Stabtgemeinbe Cramberg ^at oor nicht gar fanger
$eit unter Anerkennung berfelben ©rfinbe, welche bie
Slrbeiter für ihre gorberungen geltenb machen, einer ©e*
haltferhöhung für bte ©emetnbebeamten unb Angepeilten
jugebifligt. 5)er SHebner beaeidjnet bie gorberungen at$
fehr mäßige, bie gut jugeftanben werben fönnen. ©ie
Arbeiterfajaft, fomeit fte bezüglich ber gorberungen ge*
teiltet OTetnung fei, möge ftaj einigen auf ben oorliegen*
ben Söorfchtag. Wlan möge ftd) an erreichbare Sorbe«
rungen galten unb nicht au$ agitalorifdjen SKücfftchten
höhere gorberungen aufteilen, bie ja bod) faum Au$*
ftd)t auf Erfüllung hätten. £>ie Sßerfammlung gab ben
beiben Sftebner ib,r @inoerftänbni$ funb burdj lebhafte
3uftimmtmg. Unuerjüglid) fcUen nun bie Söünfd&e ber
Atbeiterfchaft an bie fyiefigen Unternehmer mitgeteilt
wetbtn unb wirb um eine Antwort binnen 14 Sagen
erfucht. — Seibenfdjaftlichfeit, in gefetjten ruhigen
Sorten entroicfelten bie fliebner ihre Anfielen, ben
Arbeitgebern jeigenb, bag e$ ftch tyt* nW eine
reine Aflion ber 23erh,e§ung ^anbte. iHeale £atfad)en,
oor benen ftch ^iemanb brü'cfen fann, würben angeführt,
fo baß ju hoffen ift, bie Herren gabrifanten werben baS
Anerbieten gemeinfamer Serhanblungen nicht ablehnen,
©er 93erfammlung wohnten auch bei ber §err <3tabt*
fdutltbeifc, oerfchiebene Arbeitgeber uno ©efchäftMeute. —
©elbftoetftänblich follen ftd) bie So^nerrjö^uttejen auch
auf bie Heimarbeit erftreefen.

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