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Arbeiter sind getäuscht worden, und nun kann
es zu einem Kampfe kommen, der die gesamte
Bevölkerung des Schwarzwaldes in Mitleidenschaft
zieht, die Verantwortung fällt in diesem
Falle auf die Arbeitgeber zurück" (SchT
2.6.1907).
Zu der bevorstehenden Massenaussperrung
erklärte Bezirksleiter Emil Kollofrath vom
Christlich-Sozialen Metallarbeiterverband, „es
könne das Recht zu koalieren in Arbeitgeber-
Verbänden den Unternehmern nicht in Abrede
gestellt werden, trotzdem, wie das auch in der
Uhrenindustrie schon der Fall ist, ein Arbeitgeber
soviel Macht besitze als seine 3000 ihm
untergebenen Arbeiter. Gegen jedwedes Recht
und Sittengesetz verstoße es, wenn man dem
Arbeiter als dem schwächeren Teil das Recht
der Koalition streitig zu machen sucht, indem
man den Führer der Organisation nicht als Vertreter
der Arbeiterschaft anerkennen und zur
Verhandlung zulassen wolle." Jetzt - als es hart
auf hart kam - näherten sich die beiden Richtungsgewerkschaften
auch wieder aneinander
an und ließen den unsäglichen Bruderkampf
zumindest teilweise hinter sich (SchT 9.6.
1907). Die Massenaussperrung wurde allerdings
in Schwenningen viel stärker als in
Schramberg durchgeführt. Von 1798 Fabrikarbeitern
der Vereinigten Uhrenfabriken von
Gebrüder Junghans und Thomas Haller A.G
waren mit 112 Fabrikarbeitern nur sechs Prozent
der Belegschaft von der Aussperrung
betroffen, die aber immerhin über ein Viertel
der in der badischen und württembergischen
Uhrenindustrie ausgesperrten Fabrikarbeiter
darstellten (Abb. 8).53 Auf eine Initiative der
Christlichen Gewerkschaften bemühte sich
Stadtschultheiß Edmund Harrer (1868-1928)
Abb. 8: Postkarte der Vereinigten Uhrenfabriken
von Gebrüder Junghans & Thomas Haller aus dem
Jahr 1907, in dem es erstmals einen Arbeitskampf in
der Uhrenindustrie des badischen und württembergischen
Schwarzwaldes gab, der auch die Fabriken
in Schramberg betraf Die Postkarte zeigt die in dieser
Zeit vorhandenen Fabrikgebäude an der Geißhalde
mit dem umfangreichen Holzlagerplatz sowie
die im Kaiserreich errichteten Mehrfamilienhäuser
in der Tösstraße, die von der Arbeiterschaft
bewohnt wurden.
Vorlage: Archiv Carsten Kohlmann
Schramberg, Vereinigte Uhrenfabriken v. Gebr. Junghans & Th. Haller
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