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aus Schramberg um eine Vermittlung zwischen
den Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die Forderungen
Letzterer blieben aber weitgehend
unerfüllt.54
Der Rückblick der Christlichen Gewerkschaften
auf den ersten Arbeitskampf in der badischen
und württembergischen Uhrenindustrie
fiel aber dennoch positiv aus, da der Vernichtungsfeldzug
der Unternehmer gegen die
Gewerkschaften gescheitert war: „Das Fazit der
Aussperrung ist für die Arbeiterschaft ein moralischer
Erfolg in der Richtung: die gewerkschaftliche
Organisation konnte nicht vernichtet
werden, dafür ist dieselbe denn doch schon
zu verwurzelt innerhalb der Schwarzwälder
Uhrenarbeiterschaft." Insbesondere sahen sich
die Christlichen Gewerkschaften trotz aller
Polemik nun auch durch die Freien Gewerkschaften
anerkannt: „Für die christlich denkende
und gesinnte Arbeiterschaft des
Schwarzwaldes gilt es, die Lehre zu ziehen, ihre
Organisationen auszubauen, sich selbst zu
schulen und zu bilden, in der Opfermütigkeit
nicht zu erlahmen, denn ohne Saat keine Ernte
und ohne Kampf keinen Sieg. Zu kämpfen
haben die ausgesperrten christlichen Arbeiter
verstanden, das muß ihnen selbst der erbittertste
Gegner zugestehen" (SchT 21.8.1907).
Das Christliche Gewerkschaftskartell
der Industriestadt Schramberg und seine
verschiedenen Einzelverbände
Spätestens 1906 schlössen sich die bis dahin in
Schramberg bestehenden Einzelverbände der
Christlichen Gewerkschaften zu einem Ortskartell
unter der Leitung des Porzellanmalers
Eugen Reuter (1882-1962) (SchT 10.7.1906),55
später des Uhrmachers Eugen Hüppchen56 und
des Uhrmachers Alfred Dietz (1884-1915)57
zusammen, das durch eine Bibliothek und
Schulungskurse die Bildungsarbeit nachhaltig
förderte, durch ein umfangreiches Unterstützungswesen
den sozialen und wirtschaftlichen
Problemen entgegenwirkte und auch einige
politische Initiativen im Interesse der Arbeiterschaft
ergriff. Die Ortskartelle waren bei den
Christlichen wie bei den Freien Gewerkschaften
die Grundlage ihrer Arbeit auf lokaler
Ebene.58 Die stärksten Einzelgewerkschaften in
diesem Zusammenschluss waren der Christliche
Metallarbeiterverband und der Christliche
Holzarbeiterverband, außerdem der 1900 auf
Reichs- und 1906 auf Ortsebene gegründete
Zentralverband christlicher Bauarbeiter (SchT
6.5.1906/23.6.1906)59 sowie der 1905 auf
Reichsebene gegründete Zentralverband christlicher
Keramikarbeiter,60 dessen lokales Gründungsjahr
aber bisher leider noch unbekannt
ist. Die frühere Schramberger Steingut- und spätere
Majolika-Fabrik war aber seit langem eine
ausgeprägte Hochburg des sozialdemokratischen
Deutschen Porzellanarbeiterverbandes
(CG 1.2.1901).
Am 5. April 1907 eroberten die Freien Gewerkschaften
trotz dem von den Christlichen
Gewerkschaften in der Hoffnung auf Erfolg
beantragten Verhältniswahlrechtes mit fünf Sitzen
gegenüber drei Sitzen der Christlichen
Gewerkschaften und einem Sitz der Hirsch-
Duncker'schen Gewerkvereine wieder die
Mehrheit im Gewerbegericht zurück (SchT
7.4.1907) und konnten diese auch bei der
Abb. 9: Anzeige des Christlichen Gewerkschaftskartells
in Schramberg für eine Zusammenkunft,
bei der die Ergebnisse einer Erhebung des Christlichen
Holzarbeiterverbandes und des Christlichen
Metallarbeiterverbandes über die soziale und wirtschaftliche
Lage der Arbeiterschaft in der Uhrenindustrie
vorgestellt wurden. Schwarzwälder Tagblatt
, den 5. Dezember 1910.
Vorlage: Stadtarchiv Schramberg
Arbeiter nnb Arbeiterinnen von
SdivambetQ unb Umgebung!
SDurd) bie gefamte beutfdje 2Irbeiterfd)aft gefyt ein frifd)er
3»tg. @in gewaltiges fingen unb kämpfen. £aufenbe t>on 93e*
rufSfottegen beftnbcn ftd) im ftampf um bie (Spaltung ifyrer (£rj*
ftenj, roeitere Staufenbe um bie Schaffung einer Gjiftenj.
3)ie ^vctge: Wie betfceffent ttnr mtfevc Sage
beferjäfttgt ebenfalls feit Qafyteu ^ie gefamte $lrbetterfcrjaft beS
©crjroarjroalbeS. SDer djtiftlidje 2ftetaflarbeiter«33erbanb unb ber
djiiftlicrje $oläatbeiter«93erbanb tjaben eingefyenbe (Stfyfebungen
über bie 93ert)ältniffe ber auf bem (5d)rc>arjroalb tätigen Arbeiter
unb Arbeiterinnen neranfialtet.
Um ju bem (Ergebnis Stellung ju nehmen, foroie weitere
Wittel unb 2Bege ju befprecfyen, finbet am nädtjften
Somttag bett 3. $ejem&er, nadjmtttagd 4 Ufyv,
tu &(f)vamHtQ im tatf). ^ereiutyaufe eine
öffentliche Uersammluiui
fiatt, in welcher ein auswärtiger Stebner fpreetjen roirb.
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Familien, unferer felbft. ^Rüttelt bie Säumigen auf unb bringt
fie mit in bie Sßerfammlung.
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