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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_21/0033
Gewerbegerichtswahl am 4. April 1910 (ST
5.4.1910) sowie am 7. April 1913 erfolgreich
verteidigen (ST 9.4.1913). Die Christlichen
Gewerkschaften konnten somit trotz beachtlicher
Konsolidierung die Freien Gewerkschaften
in Schramberg nicht überrunden. Unter der
engagierten Leitung von Karl Gengier (1886-
1974) verstärkte der Christliche Metallarbeiterverband
aber kontinuierlich seine Arbeit in der
badischen und württembergischen Uhrenindustrie
.61 Über die Arbeits- und Lebensverhältnisse
der Arbeiterschaft wurden 1910 umfangreiche
Erhebungen angestellt (Abb. 9) (ST
5.12.1910). 1910 traten auch Differenzen in der
Schramberger Uhrfedernfabrik (S.U.) auf, die
von einem Meister wegen einer Akkordregulierung
ausgelöst wurden und einem Lohnabzug
gleichkamen. Nach einer Betriebsversammlung
richtete die Bezirksleitung des Christlichen
Metallarbeiterverbandes ein Schreiben mit den
Beschwerden der Arbeiterschaft an die Fabrikleitung
.62

Erfolgreiche Verhandlungen mit dem Arbeitgeber
konnten insbesondere der Deutsche Holzarbeiterverband
und der Christliche Holzarbeiterverband
in der Möbelfabrik Ferdinand Moser
& Sohn führen und 1909 den wahrscheinlich
ersten örtlichen Tarifvertrag abschließen,
der zunächst drei Jahre laufen und ohne Kündigung
noch ein Jahr verlängert werden sollte.
Zur Schlichtung von Konflikten wurde eine
Kommission gebildet, womit die Möbelfabrik
Ferdinand Moser & Sohn das fortschrittlichste
Unternehmen und ihre Gewerkschaften die
erfolgreichsten der Industriestadt Schramberg
gewesen sein dürften (ST 6.7.1909). 1912
konnte ein weiterer Tarifvertrag für die Dauer
von vier Jahren vereinbart werden, der nochmals
einige Verbesserungen beinhaltete: Erhöhungen
der Normallöhne und Festlegung der
Minimallöhne, Erhöhung der Akkord-, Nacht-,
Sonntags- und Überstundenzuschläge und eine
Arbeitszeitverkürzung auf 9lA Stunden (ST
14.10.1912).

Das Unterstützungswesen wurde bei den
Christlichen wie bei den Freien Gewerkschaften
kontinuierlich ausgebaut, da es in der Sozialgesetzgebung
des Kaiserreiches vor allem
noch keine Arbeitslosenversicherung gab. Die
Christlichen Gewerkschaften vertraten daher
sehr früh die Meinung, „daß die Organisationen
in diesem Gebiete eine Aufgabe erfüllen,
die eigentlich dem Staate gehören würde,
wenn wirklich eine nationale soziale Volkswirtschaft
in Deutschland zur Geltung kommen
sollte ... Daher wurde auch erwähnt, die
Zeit möge nicht mehr allzu ferne sein, wo
Deutschland vieles nachahmt, was andere Staaten
und Städte schon voraus haben, nämlich
ein Gesetz für Arbeitslosenversicherung" (SchT
5.6.1908) 63 Diese Forderung erfüllte sich aber
erst mit der Gründung einer Reichsanstalt für
Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung
in der Weimarer Republik, für die sich
Josef Andre als Landtags- und später auch
Reichstagsabgeordneter des Zentrums von
Anfang an besonders einsetzte.64 Die Unterstützungen
der Gewerkschaften waren daher
zunächst sehr wichtig, halfen vielen Fabrikarbeitern
über schwierige Situationen hinweg
und zeigten die Solidarität der Gewerkschaftsmitglieder
mit den betroffenen Kollegen. Die
Zahlstelle des Christlichen Metallarbeiterverbandes
unterstützte seine Mitglieder im Jahr
1908 beispielsweise mit 587,81 Reichsmark
Kranken-, 285,74 Reichsmark Arbeitslosen- und
42,50 Reichsmark Maßregelungsunterstützung
sowie etwa 1000 Reichsmark zusätzlicher
Unterstützungszahlungen. Zutreffend wurde
deshalb festgestellt: „Dadurch ist in mancher
Familie die Not etwas gelindert worden" (ST
22.1.1909).

Bereits 1903 ergriff der Gesamtverband der
Christlichen Gewerkschaften Deutschlands
eine Initiative, um die antisozialdemokratische
Arbeiterschaft im breiten Bündnis einer christlich
-nationalen Arbeiterbewegung zu sammeln,
das 1903 auf dem 1. Deutschen Arbeiterkon-
gress in Frankfurt a. M. gegründet wurde. Dieses
Bündnis umfasste die Christlichen Gewerkschaften
, die katholische und teilweise auch
die evangelische Arbeitervereinsbewegung
sowie den Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband
. Die Hirsch-Duncker'sehen Gewerkvereine
lehnten allerdings ihre Mitwirkung
von Beginn an ab, sodass die Grundlage
der christlich-nationalen Arbeiterbewegung
bereits deutlich eingeschränkt war.65 Nach
dem 2. Deutschen Arbeiterkongress 1907 in
Berlin formierte sich dieses Bündnis auch in
Schramberg (SchT 30.10.1907). Mit einem
grundlegenden Referat über das Thema „Die

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