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Platz zur grossen Marienfeier und Huldigung
an unsere Gottesmutter. Vikar Uhl,
Ebingen, sprach zu uns mit feurigen Worten
über die Aufgabe als marianische Jugend,
rein, heldisch, stark wie unsere Gottesmutter
zu sein. Er schilderte uns Maria als unsere
Führerin und Helferin in all den Kämpfen
und Stürmen der Jugendjahre. Die Huldigung
klang aus in einem Marienhymnus.
Um 3 Uhr begann die grosse, gewaltige Glaubenskundgebung
. Der Bischof zog ein, begleitet
von allen Bannern. Ernst klang das Lied
„Wenn alle untreu werden", und nun ergriff
der Bischof abermals das Wort zur grossen
Rede des Tages. Schon oft nahm unser Bischof
Stellung zu den grossen religiösen Fragen
unserer Zeit, doch wie er sich hier mit den
modernen Irr- u. Glaubenslehren auseinandersetzte
, das war ein Erlebnis. Als kerndeutscher
Mann und kerndeutscher Katholik
, so stand unser Bischof auf der Kanzel,
als Anwalt des Glaubens. Aufrecht stand er,
und aufrecht waren seine Worte, und offen
und gerade und unerbittlich überzeugend,
wie er selbst war, war seine Rede. Deutschland
wird christlich sein oder es wird nicht
sein, so kann nur der Bischof der Schwaben
sprechen. Ja, das war ein Bekenntnis zum
Glauben, hier gab es nichts zu rütteln und zu
deuteln, ja oder nein, für mich oder wider
mich. Und wie zur Bekräftigung und zum
Schwur kam es von den Lippen der 4000 „Ich
glaube an GOTT, den allmächtigen Vater",
das Gebet der Urkirche und das Glaubensbekenntnis
bis zum Ende der Zeiten.
Der Bischof verliess die Kanzel, das Lied
erklang „Auf bleibet treu", und von der Orgel
her hallte wuchtig der Bannerspruch „ Über
Tod und über Leben, aus der Fülle aller Zeit".
Der Bischof weihte vor dem Altar drei neue
Banner, darunter das Banner der Schram-
berger Arbeiterinnen. Der Bischöfliche Segen
und „Grosser Gott, wir loben Dich" war der
Abschluss dieser Glaubenskundgebung, die
nur einmalig in solchem Ausmass hier war.
Beim Verlassen der Kirche wurden dem
Bischof stürmische Huldigungen dargebracht
: von der Jugend und von der grossen
Menge der Erwachsenen, die sich vor der Kirche
eingefunden hatten. Das Heilrufen wollte
kein Ende nehmen, und wenn es auch solche
Auszug von Bischof Sproll aus der Heiliggeistkirche
, 24.3.1935, vorne links: Richard Glenz als
Ministrant
gab, die sich in Respektlosigkeiten überboten,
so tat das der ganzen Begeisterung keinen
Abbruch. So wenig wie die Vorfälle des Spätnachmittags
und Abends. Von der Hl. Geistkirche
fuhr der Bischof in die Stadtpfarrkirche
, um dort auch noch persönlich an die
Eltern einige Worte zu richten und den bischöflichen
Segen zu erteilen. Bis auf den
letzten Platz war auch diese Kirche gefüllt
und waren die Anwesenden noch ganz im
Banne der Glaubenskundgebung, die von Hl.
Geist übertragen wurde.
Die Kirchen leerten sich, die Jugend trat die
Heimfahrt an, getragen von einem ganz grossen
Wollen für die Zukunft und kündete
draussen im land von grossen Stunden, die
sie erleben durfte. Und so war in Schramberg
Bischofstag, wie er grösser und erhabener
nirgends hätte sein können. "8
Es existieren noch zwei weitere Berichte über
die Gottesdienste mit Bischof Sproll. Sie bestätigen
in fast allen Einzelheiten die Darstellung
von Fritz Grüner. Allerdings setzen sie die
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