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Ulrich Windhab:
DAS WAPPEN DES ERZHERZOGS LEOPOLD V
IN HEILIGENBRONN
Rekonstruktion und Interpretation eines landesgeschichtlich bedeutsamen Denkmals
1. Erinnern an Vorderösterreich
Ausstellungen können und sollen Impulse
geben. So ist 1999 die Landesausstellung
„Vorderösterreich - nur die Schwanzfeder des
Kaiseradlers?" mit der Erinnerung an Jahrhunderte
maßgeblichen Einflusses der habsbur-
gisch-österreichischen Macht auf einen großen
Teil des heutigen Landes Baden-Württemberg
nicht ohne Einfluss auf Öffentlichkeit und landesgeschichtliche
Forschung geblieben/1)
Erinnern ist durchaus angebracht, wenn ein historisches
Phänomen dieser Bedeutung im kollektiven
Gedächtnis der Bewohner unseres
Raumes so auffallend wenig Präsenz aufweist
/2) Ein Vergessen, das sich teilweise durch
das bereits zweihundert Jahre zurückliegende
Ende dieser Herrschaft in Folge der „napoleonischen
Flurbereinigung" erklären lässt, zumal
sich Deutschland danach für den kleindeutschen
Weg zum Nationalstaat entschied -
geführt von Preußen und unter letztlich dauerhaftem
Ausschluss Österreichs. Hinzu kommt,
dass keine auffällige Hinterlassenschaft - etwa
in Form eines einheitlich geprägten Herrschaftsraumes
- diesen Teil der südwestdeutschen
Geschichte aktuell erleben lässt. Baden-
Württembergs großes Landeswappen^) kündet
davon, indem es die territorialstaatliche Vergangenheit
des Bundeslandes symbolisch präsentiert
. Es zeigt im großen goldenen Schild
drei schreitende schwarze Löwen mit roten
Zungen, das Wappen der Hohenstaufer, Kaiser
des mittelalterlichen Reichs, Herzöge von
Schwaben etc.. Dieser Schild trägt eine Krone
mit historischen Wappen: weiß-rote Speerspitzen
(der „fränkische Rechen") des Herzogtums
Ostfranken, der weiß-schwarz gevierte Schild
Hohenzollerns, im goldenen Schild ein roter
Schrägrechtsbalken für Baden, auf goldenem
Grund drei schwarze Hirschstangen für Württemberg
, in schwarzem Feld ein aufgerichteter
goldener Stauferlöwe der Kurpfalz und in Rot
Großes Landeswappen von Baden-Württemberg
an der Europabrücke Kehl-Straßburg (mit Zusätzen
zum Landes] ubiläum): Vorder Österreichs Wappen
mit niederrangiger Platzierung.
Foto: U. Windhab 2002
der silberne Balken (das „Bindenschild") für
Vorderösterreich. Durch etwas größere Plaketten
und die Schildhalter sind Württemberg
(Hirsch) und Baden (Greif) hervorgehoben.
Rücksicht auf die einbezogenen Landesteile in
ihrer historisch jüngeren Rolle drängt auch hier
Vorderösterreich symbolisch an den Rand. So
stößt an dieser Stelle das Erinnern ebenfalls an
enge Grenzen.
Schon die Verständigung über den Begriff
„Vorderösterreich" bleibt nicht ohne Probleme
. Er wurde als allgemeine Bezeichnung für
sämtliche zur Herrschaft des Hauses Österreich
gehörenden Gebiete westlich der Linie Arl-
berg-Fernpas-Lech erst mit der Provinzreform
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