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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_26/0043
ersten zehn Jahre, ist ins „Ausland", d.h. ins
„Oberdorf" gezogen. Der Wirt des „Rathauses"
Carl Oehler ist noch da und ihm als Schriftführer
(später nennt er sich Ratsschreiber) verdanken
wir die Protokolle der nächsten Jahre.
Die alten Gemeinderäte Alois Ginter und Friedrich
Moosmann lassen sich wieder ins Amt
wählen. Dazu kommen als neue Gemeinderäte
Karl Mark, Julius Schaub, der auch die Kasse
übernimmt, Alfons Riesterer und Josef Herzog.
Ohne sich lange zu zieren, übernimmt der
Fabrikarbeiter Heinrich Hirt (1896-1957) das
Amt des Bürgermeisters und Albert Waller wird
Polizeidiener, der die Bürger nach neuestem
Beschluss bereits um 11 Uhr aus der Wirtschaft
beordern soll. Dem Polizeidiener wächst mehr
und mehr eine neue Aufgabe zu. Als Büttel ist
er auch zum „Ausschellen" verpflichtet und
kündigt den Mitgliedern wichtige Vorhaben
der Gemeinschaft an. Der Monatsbeitrag wird
auf 20 Pfennige festgesetzt und wie schon bei
der Gründung soll wieder ein Schreiben zirkulieren
, das die Unterdorfer zum Beitritt auffordert
. Bis Ende Juli haben sich 95 Personen angemeldet
und in den folgenden Jahren wächst die
Zahl der Beitrittswilligen ständig. Schließlich
erhöht man 1925, da „wieder ziemlich Neuanmeldungen
eingegangen sind...", die Zahl der
Gemeinderäte von sechs auf acht. Auch in dieser
Phase der Freiamtsgeschichte dominieren
die Arbeiter in der Mitgliedschaft und auch in
den Führungspositionen der Bürgervereinigung
. Eine Ausnahme ist Alfons Riesterer
(1893-1941), ein Aufsteiger, der sich vom
Arbeiter zum Gemeindepfleger der politischen
Gemeinde hocharbeitet.

Feste und Feiern in „teurer Zeit"

Mit Schinkenwurst und Brot wird das erste
Freiamtsfest nach dem Krieg am Neujahrstag
1920 gefeiert und die Gesangsabteilung unter
der Leitung von Ottmar Moosmann trägt ihre
Lieder so stürmisch vor, dass „sich ein Orkan
artiger Sturmwind erhob der Bäume entwurzelte
, dieselbe(n) auf die elektrische Leitung
warf & uns das Licht ausging. Wir mussten nun
bei Kerzenlicht unsere Theaterstücke & sonstige
weitere Unterhaltungen ausführen."
Neben dem Freiamtsfest, das bald den Namen
„Schinkenfest" erhält, wird auch wieder ein Versuch
mit einem Sommerfest gemacht, aber die

„teuere Zeit" der heraufdämmernden Inflation
macht solche Unternehmungen immer schwieriger
, wenn auch 1920 ein Extrabeitrag von 3,-
Mark erhoben wird und bei Versammlungen
Tellersammlungen durchgeführt werden. Zwei
große Würste „als Ersatz für Schinken" gibt es
beim „Schinkenfest" im Februar 1922, und „dieselben
giengen 2 mal um den Stubenofen
herum & in den Mund hinein. Vielleicht reicht
es ein andermal zu einem Schinkenbein.",
reimt launig der Chronist Carl Oehler. Der
Besuch von Wirtschaften wird - auch für „die
Herren Gemeinderäte" - zunehmend teurer,
sodass - laut Beschluss vom 19. März 1926 -
„(...) die Sitzungen [...] im Wirts- oder Privathaus
abgehalten werden [können]." Im gleichen
Jahr werden bei Sitzungen den Gemeinderäten
, da fast die Hälfte von ihnen arbeitslos
ist, zwei Glas Bier bezahlt.
Im letzten Protokoll des ersten Protokollbuchs
vom 12. Dezember 1926 wird die wirtschaftliche
Situation aber auch das ungebrochene
Interesse an Geselligkeit deutlich: „Bei Punkt L
einigt man sich dahin, daß das Schinkenfest
an Neujahr stattfinden soll. Wegen Platzmangel
haben nur die geltenden Mitglieder und deren
Frauen Zutritt. Beginn Abends 7 Uhr. Am Sonntag
ist Wiederholung für die Allgemeinheit. Eintritt
30 Pfennig."

Nazizeit und Zweiter Weltkrieg

Aus den Jahren 1923 und 1924 gibt es keine Aufzeichnungen
, aber der Wille zum Zusammenhalt
ist ungebrochen, wie man aus den zahlreichen
Aktivitäten der Jahre 1925 und 1926
ersehen kann. Carl Oehler ist inzwischen Bürgermeister
und Wilhelm Hirt, der Bruder des
ersten Nachkriegsbürgermeisters, übernimmt
das Amt des Ratsschreibers. Oehler wird am 7.
März 1926 von Alfons Moosmann (1881-
1957), dem „Glaser-Alfons", einem Bruder des
Adlerwirts Josef Moosmann, abgelöst, und
führt das Freiamt in den nächsten Jahren, allerdings
schweigen die Protokolle ab dem Jahr
1927. In der Nazi-Zeit bekommt der politisch
eher links stehende „Glaser-Alfons" zunehmend
Schwierigkeiten mit den Behörden,
sodass das Vereinsleben der Bürgervereinigung
zum Erliegen kommt, obwohl die späteren
Chronisten die Amtszeit des „Glaser-Alfons"
von 1926 bis 1939 zählen. Quellen, aus denen

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