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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_26/0054
tungsbeamter. Er ist 1721 in Cannstatt gestorben
. Dort war auf dem Uff-Friedhof noch in
neuerer Zeit sein Grabstein vorhanden, auf
dem das Ramslerische Familienwappen zu
sehen war. Beim zweiten Kind in Tennenbronn
, einem 1663 geborenen Mädchen, hatte
die Mutter eine sehr schwere Geburt, das Kind
blieb nicht am Leben. Darauf spielt Ramsler in
seinem Gedicht an: sie wurde „Kindbetterin
mit Schmerzen".

Tätigkeit in Tennenbronn

So wechßelt sich die Freud und Leyd,

So spielen unßere Tage,

Heut lachen wir, bald kombt die Zeit

Des Weinens und die Plage.

Im übrigen war ich nicht viel

Daheim im Hauß zu finden,

Mußt laufen ohne Maaß und Ziel

Auf Bergen und in Gründen,

Mein Ambt zu führen Nacht und Tag.

Offt bin ich halb erfrohren,

Im Schnee gesteckt, ist, wie ich sag,

Fast über Halßs und Ohren.

Das konnten noch der Jugend Jahr

Ertragen und die Kräfften,

Ein fröhlich Hertz auch in mir war

Bei allen Ambtsgeschäfften.

So war mein Lauf an dießem Orth,

Und gleichsam ich versehen

Zum Schwarzwald, darum musst ich fort

zur Rueh auf Hornberg gehen.
Ramsler war offensichtlich gerne Pfarrer in
Tennenbronn und hat sich durch seine gewissenhafte
und treue Amtsführung die Liebe der
Gemeinde erworben. Trotzdem empfand er die
Tätigkeit hier als mühsam, weil die Wege, die er
täglich zu machen hatte, weit waren und über
Berg und Tal führten. Besonders schwierig war
für ihn die Winterszeit. Die Winter waren
damals strenger und schneereicher als heute.
Der Schneepflug musste mit vielen Ochsen
und Pferden vorgespannt werden, um überhaupt
durchzukommen, gebahnt aber wurden
sowieso nur die hauptsächlich begangenen
Wege. Oft wurde Ramsler abgeholt zu seinen
Diensten, aber oft fühlte er sich auch völlig
erschöpft und halb erfroren bis er am Ziel war.
Einmal war er zu einem kranken Hirtenbuben
gerufen worden. Als er auf dem Heimweg allein
unterwegs war, ist er nur wie durch ein Wunder
dem Tod entgangen. Bis zu den Armen im
Schnee eingesunken, arbeitete er sich nur noch
mühsam vorwärts und wollte völlig ermattet
schon den Kampf aufgeben. Fast ohne Bewusst-
sein wühlte er sich instinktiv mit Händen und
Füßen durch die Schneemassen, bis er schließlich
doch noch glücklich am Pfarrhof ankam. In
seinem Hause hatte er, wohl um seine Einkünfte
etwas aufzubessern, drei Kostknaben
aus guten Familien. Es ging bei ihnen nicht nur
um die Unterbringung, der Pfarrer hatte sie
auch in allen damals üblichen Fächern zu
unterrichten.

Auch mit Kollegen hatte er Kummer. Sein Nachbarpfarrer
in St. Georgen beanspruchte ihn so
oft in Vertretungsdiensten, dass in Ramsler der
Verdacht aufkam, dieser sei nicht wirklich
krank, sondern schlichtweg „ein onnützer, fauler
Gesell". Für den Fußmarsch nach St. Georgen
musste Ramsler jedes Mal drei bis vier Stunden
für einen Weg rechnen. Anders lag das
Problem mit seinem Amtsbruder in Flözlingen.
Um den nahm sich der Superior der Jesuiten in
Rottweil besonders an. Bei dem offenkundig
nicht sehr bewanderten Geistlichen sah
er wohl eine Chance, ihn zur Konversion
zu bewegen. Der eingeschüchterte Pfarrer
wandte sich an seinen Amtsbruder in Tennenbronn
, er möge doch für ihn die Auseinandersetzung
mit dem Jesuiten betreiben. Das tat
denn Ramsler auch mit seiner gewohnten
Zuverlässigkeit und Ausführlichkeit, sodass
diese Geschichte ihn sehr viel Zeit kostete, bis
sie endlich durch den Wegzug des Superiors
von Rottweil beendet war. Es wird daran auch
deutlich, dass Ramsler von Anfang an in der
Pfarrerschaft eine Vertrauensstellung einnahm.

Wunder in der Natur

Ramsler hatte offene Augen für alle ungewöhnlichen
Ereignisse bei den Menschen und in der
Natur, die ihm bekannt wurden. Er notierte sie
gewissenhaft in seinen Beschreibungen. In Tennenbronn
waren es zwei Vorkommnisse in der
Natur, die ihm besonders auffielen. Ein Mann
aus der Gemeinde brachte ihm einen schwarzen
Vogel, den er geschossen hatte. Dieser hatte
Ähnlichkeit mit einer Gans, war so aber hier
noch nie gesehen worden. Weil das schwarze
Tier dem Jäger unheimlich war, brachte er es
als Geschenk zum Pfarrer. Aber auch der traute

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