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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_26/0055
der Sache nicht. Zum Glück besaß er ein Vogelkundebuch
, aus dem er tatsächlich richtig entnehmen
konnte, dass es sich hier um eine
„Hagel-Gannß" handelte, nach heutiger
Bezeichnung ein Blesshuhn, das im Norden
zuhause ist. Ein Exemplar davon hatte sich
nach Süden verirrt. Der Name Hagelgans hängt
mit dem Glauben zusammen, dass ein schreckliches
Unwetter durch das Auftauchen dieses
Vogels angekündigt werde. Und tatsächlich
brach über die Mittagszeit desselben Tags ein
so gewaltiges Gewitter aus heiterem Himmel
über die Gegend herein, dass es mit Sturm und
Hagel großen Schaden anrichtete. Das Schindeldach
des Pfarrhauses wurde davongetragen
und musste mit großer Mühe wieder zurechtgemacht
werden. Eine andere ungewöhnliche
Beobachtung wurde zu Ramslers Zeit in
Buchenberg gemacht. Der Friedhof befand sich
dort wie üblich rings um die Kirche. Bei den
Toten, die in der Nähe der Kirchentüre beerdigt
worden waren, stellte man fest, dass nach recht
kurzer Zeit die Särge zwar noch unversehrt, die
Toten aber völlig verwest waren, sodass nur
noch unwesentliche Reste wie etwa ein Zopf
oder ein Zahn zu finden waren. Man suchte
dafür eine natürliche Erklärung und meinte,
dass dort die Erde eine ungewöhnliche Zersetzungskraft
in sich berge. Als Beweis diente der
Brunnen, der dort lief. Sein Wasser war so
aggressiv, dass man an diesem Brunnen mit
dem kalten Wasser die Mägen des geschlachteten
Viehs so einwandfrei säubern konnte, wie
das sonst nur mit gekochtem Wasser möglich
war.

Obwohl Ramsler gerne in Tennenbronn war,
wird ihm die Versetzung nach Hornberg nach
nur vier Jahren nicht ungelegen gewesen sein.

Man war bei der Kirchenleitung offensichtlich
auf seine Fähigkeiten aufmerksam geworden.
Ob er allerdings, wie in seinem Gedicht angesprochen
, in Hornberg ein ruhiges Leben
gefunden hat, mag bezweifelt werden. Mit
Befriedigung vermerkt Ramsler, dass er in Tennenbronn
für seinen Nachfolger eine geordnete
, friedliche und den geistlichen Dingen aufgeschlossene
Gemeinde hinterlassen kann.

Weitere Lebensdaten Ramslers

In Hornberg amtete Ramsler acht Jahre. Mit
37 Jahren wurde er Dekan in Freudenstadt und
blieb es 25 Jahre lang. Als älterer Herr wechselte
er noch einmal die Stelle. Von 1697 bis
1703 weilte er sechs Jahre lang als Dekan in
Schorndorf. Da Geistliche in damaliger Zeit
nicht pensioniert wurden, starb er mit 68 Jahren
dort im Amt.

Schon in Freudenstadt war seine Frau mit
39 Jahren gestorben. Nach einem halben Jahr
trat er in eine zweite Ehe mit der 17-jährigen
Anna Speidel. Mit ihr hatte er auch noch einmal
sechs Kinder, nach einem Sohn noch
fünf Mädchen. Die 1685 geborene Tochter Felicitas
trug den Namen ihrer vier Jahre zuvor verstorbenen
Stiefmutter, ein Zeichen dafür, dass
sie unvergessen war. Diese Felicitas starb 1775
mit 90 Jahren. Die jüngste Tochter Jacobina
wurde erst 1702 in Schorndorf geboren, ein
Jahr vor dem Tod ihres Vaters. Sie wurde
23 Jahre alt.

Anmerkungen

1 Wandeljens-Uwe: Lebens- und Leidensweg des M.Johann Gerhard
Ramsler, Specials zu Freudenstadt. Die Lebenserinnerungen
eines württembergischen Landpfarrers (1635-1703), Stuttgart
1993

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