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Dann erzählte er alles mögliche. Auf meine
Frage, was er sei, ob katholisch oder so was,
antwortete er: „Ich bin ein Germane. Hier in
der Höhle siehst Du viele Runen. Das sind germanische
Zeichen." Dann folgte eine fast endlose
Erklärung dieser. Aber gelangweilt fühlte
ich mich durchaus nicht. Bei dieser Gelegenheit
sah ich das Bild seiner Eltern. Es sind sehr nette
Leute. Seine Heimat war in Sachsen auf einem
Rittergut. Er selbst studierte Arzt. Dann besuchte
er die Kunstakademie. Er zeichnet sehr
schön. Bis im Frühjahr wird er uns zeichnen. -
Als ich ihm das Bild seiner Eltern zurückgab,
sagte er, ich sei die erste, der er das Bild zeigte,
wenn ich wiederkomme, dürfe ich noch andre
sehn. Auf meine Frage, ob's die anderen auch
sehn dürften, fuhr er mich etwas streng an. Es
dürften's auch nach mir niemand mehr sehn. -
Viele Zeichen, die er „Runen" nennt, befinden
sich an den Wänden der Höhle. Darunter auch

6.Jedes Zeichen wurde aufs eingehends-
v - V te erklärt. - Ich saß eine gute Stunde auf
\/ dem Thron, wußte aber nicht, daß die

anderen so sehr froren. Endlich gaben
I sie mir durch Winke zu verstehen, daß
ich kommen sollte. Nach mir ging noch jede
„Jungfrau" hinein. (Männer dürfen die Höhle
nicht betreten.) Jedes wurde nach dem Alter u.
Namen gefragt.

So verging die Zeit schnell. Etwa 2 Stunden hatten
wir oben zugebracht. Als wir uns vom Einsiedler
verabschiedet hatten, stampften wir
wieder durch den tiefen Schnee zurück. Stellenweise
ist er 60 cm tief. Da gab es zu waten.
Zuletzt wollten wir noch den Weg abkürzen.
Kamen aber dadurch in ein solches Wirrwarr
von gefällten Bäumen, daß man nicht gut von
der Stelle kam. Jeden Augenblick fiel ein anderes
[Mitglied des „Gefolges"]. Das wurde dann mit
fröhlichem Lachen begrüsst. Auch fehlte es
nicht an Schneeballen. Ach, da hättest Du sollen
dabei sein. Mit Freude denke ich an den schönen
Tag zurück. - Gib bitte auch Hermine Dieses
zu lesen, da es mir zu viel wäre, zum noch
mal schreiben. Wie schön wäre es, wenn Ihr mal
kommen könntet. Dann würden wir den Einsiedler
besuchen. Auch für Theo und Helmi
wäre es interessant. Da der Mann gescheit ist. -
Morgen bekomme ich ein Bild von einem Mädchen
in der Nähschule. Dessen Bruder hat ihn
photographiert in der Höhle. Es ist nur nicht

ganz genau. Doch die Hauptsache ist gut zu
sehn. -

Ich hoffe, daß Du alles lesen kannst und verstehst
.

Ich will jetzt Schluss machen, da es Zeit ist zum

Abendkochen. - Grüße an alle. Sei Du aber

besonders

gegrüßt von Deiner

Luise.

Fritz Laib:

DER EINSIEDLER AM „HOHLEN STEIN"

Nachdruck aus „Historisches aus Schiltach", Heft III,
herausgegeben im Eigenverlag, 1969

Es war um das Jahr 1928 als auf der Gemarkung Lehengericht
, im Wald hoch über dem Ramselhof, ein Einsiedler
die dortige Felsenhöhle als Wohnung bezog. Die topographische
Karte 1:25000 bezeichnet diese Höhle mit „Hohler
Stein". Es handelt sich um ein Buntsandsteinmassiv, das
am Osthang des Kahlenberges in 800 m Höhe tief ins
Innere ausgewaschen ist. Der Volksmund sieht diese
gewaltigen, ausgespülten Felsen als letzte Zeugen einer
Meeresbrandung an, die es vor Urzeiten in dieser Höhe
gegeben hatte. Die Art der Ausspülung deutet zweifelsfrei
darauf hin.

Nun erregte der Bewohner dieser Höhle allgemeines Aufsehen
. Allsonntäglich kamen zahlreiche Spaziergänger mit
Kind und Kegel von Schramberg, Lauterbach und Schiltach
zum „Hohlen Stein" gewandert, um diesen Höhlenbewohner
zu sehen. Nicht viele hatten das Glück, diesen
absonderlichen Menschen zu Gesicht zu bekommen. Was
er dort eigentlich suchte, waren Ruhe und Abgeschiedenheit
. Wurden ihm die Besucher zuviel, trat er vor den Höhleneingang
und verbat sich schimpfend diese Unruhe. Da
schrien die Kinder auf, und die Alten machten sich stillschweigend
davon. Doch in der Tat, der Anblick war wenig
erfreulich. Seine ganze Kleidung, die er auf dem schmutzigen
, nackten Leib trug, war eine Art Morgenrock, als Gürtel
diente ein dickes Hanfseil. An den Füßen trug er Holzsandalen
. Wild hingen ihm die langen grauen Haare bis auf
die Schulter und der ungepflegte Vollbart und unruhige
stechende Augen vervollständigten seine Erscheinung.
Seine einzige Habseligkeit war eine Zeichenmappe. Als
dann bekannt wurde, daß dieser Höhlenbewohner einige
Fremdsprachen beherrsche, wurde die Neugier der Menschen
noch mehr angefacht.

So verschlossen und feindselig er sich gegen jedermann
zeigte, einem Mann aus Schiltach ist es doch gelungen, die
Höhle zu betreten und unter vier Augen mit ihm ins

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