http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_26/0075
Nachdem man zunächst die beiden angeblichen
Augenzeugen, den Proghammer und den
Hardt-Wirt, verhört und sich deren Version der
Geschehnisse ausführlich hatte schildern lassen
, bestellte man über die Ämter Rottenmünster
und Hornberg die Delinquenten Michel
Rapp und Maria Götz zur peinlichen Befragung
in die herrschaftlich Bissingsche Kanzlei nach
Schramberg.
Im Amtsprotokoll der Herrschaft ist diese
Inquisition genau festgehalten.
Sie hat über mehrere Tage verteilt im Juli des
Jahres 1727 stattgefunden und ist wie folgt
abgelaufen:
Zunächst wird die Müllerin Maria Götzin vorgeladen
und befragt.
„Es sei der gnädiger Herrschaft angezeigt worden
," so der Wortlaut des Protokolls, „daß
Michel Rapp abm [ab dem] Mühl-Lehen, Rot-
„durch den Wald dem Tischnegg zu" - Der Tischneck
heute (Foto:Alfred Kunz)
tenmünsterischer Unterthan, sich mit der N. N.
Müllerin abm Nunnenberg in des Babeles Hansen
Wald, hießiger undisputierlicher Jurisdiktion
mit Küssen sehr verdächtig auf dem Heimweg
aufgeführet habe, als habe man sich
genötiget gesehen, sie beide dato prostito jura-
mento [nach öffentlicher Vereidigung] darüber
zu vernehmen".8
„Wie sie heiße?
Heiße Maria Götzin, geb. Häberlin
Woher sie sei?
Sei abm Nunnenberg, mit dasigem Müller
verheiratet.
Ob sie nit vor ungfähr einigen Wochen hier auf
dem Wochenmarkt gewesen sei?
Ja, werde ungefähr Pfingsten gewesen sein,
Die Mühllehen-Mühle heute (Foto:Alfred Kunz)
mit ihrem Tochtermann.
Mit wem heimgangen?
Mit besagtem ihrem Tochtermann und
Michel Rapp abm Mühllehen.
Was für einen Weg sie gangen seien im Rückweg
?
Seien bei der oberen Papiermühle hinauf
gangen, den ordinären Fußweg durch den
Wald dem Tischnegg zu.
Ob der Tochtermann bei ihr gewesen sei den
Wald hinauf?
Nein, er sei auf des Rappen Roß den Rauhstein
hinaufgeritten, wo sie dann bei des
Jochen Haus wieder zusammenkommen
seien.
Ob sie sich unterwegs in dem Wald mit dem
Rapp nit niedergesetzt hätten?
Ja, gleich oberhalb dem Berg am Waldrand,
weilen sie müd gewesen.
Ob sie in dem Wald nit auch mit dem Rapp
niedergesessen sei?
Standort der ehemaligen Nonnemühle heute
(Foto:Alfred Kunz)
73
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_26/0075