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Ludwig Stemmer um 1885
am 8. November 1814 Maria Anna, die Tochter
des Pfronstettener Distriktsförsters Bartholomäus
Gerster.
Es war schon früh beschlossene Sache, dass
Ludwig einmal Theologie studieren und Priester
werden sollte. Ein komplizierter Knöchelbruch
, den er sich bei einem Unfall in der Kindheit
zugezogen hatte, ließ auf eine dauernde
Behinderung schließen, sodass zu befürchten
war, dass der Junge keinen Beruf mit körperlicher
Anstrengung werde ausüben können. Als
die Befürchtungen nicht eintrafen, erschien
dies den Eltern wie ein Wunder und jetzt galt
erst recht, dass Ludwig Priester werden sollte.
Von 1839 bis 1844 besuchte er die Latein-
Ludwig Stemmers Geburtshaus, das Gasthaus
„Rose" in Pfronstetten (um 1950)
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schule in Reutlingen und absolvierte das württembergische
Landesexamen, eine schwere
Auswahlprüfung, die ihn für den unentgeltlichen
Besuch einer höheren Schule qualifizierte
. Er wurde ins Konvikt in Ehingen aufgenommen
, an dessen Gymnasium er 1848 das
Abitur bestand.3 Im gleichen Jahr nahm er im
Wilhelmsstift in Tübingen das Studium der
katholischen Theologie auf. Bereits nach einem
Jahr brach der einundzwanzigjährige Stemmer
jedoch das Theologiestudium ab und verließ
das Wilhelmsstift. Über die Gründe für diesen
Entschluss ist viel spekuliert worden. Außer
persönlichen Auseinandersetzungen mit der
Leitung des Stiftes, deren Reglementierungen
der junge Mann als unerträglich empfand, hat
wohl auch die politische Entwicklung in
Deutschland in den Jahren 1848/49 eine entscheidende
Rolle gespielt.
Stemmer fühlte sich schon damals als Demokrat
und sympathisierte mit den Studenten, die
sich in der inzwischen niedergeschlagenen
Revolution von 1848 für Freiheit und Einheit
eingesetzt hatten. Es schien ihm unerträglich,
durch Dienst in der Kirche auch an eine staatliche
Obrigkeit gebunden zu sein, mit der er in
vielen Bereichen in bewusster innerer Opposition
stand.
Zunächst blieb er in Tübingen und studierte an
der Eberhard-Karls-Universität Botanik und Italienisch
, später wandte er sich der Medizin zu.
Bereits 1849 verlobte er sich mit einer jungen
Frau aus Rottenburg, die aber im gleichen Jahr
an einem Lungenleiden starb, was den jungen
Studenten schwer erschütterte. Im Lebenslauf
klafft hier eine Lücke. Es finden sich widersprüchliche
Angaben über die weiteren Aufenthalte
. Es darf angenommen werden, dass er
die nächsten zweieinhalb Jahre mit dem Medizinstudium
in Tübingen verbrachte, ehe er ab
dem Wintersemester 1852/53 in Freiburg
weiter studierte. Dort trat er auch der Burschenschaft
Teutonia bei. Ein Aufenthalt von
einem halben Jahr in Paris fiel gleichfalls in
diese Zeit.4
1855 legte Stemmer als württembergischer
Staatsbürger in Stuttgart das medizinische
Staatsexamen ab. Er war nun praktischer Arzt
und Geburtshelfer mit einer ersten eigenen
Praxis in Munderkingen an der Donau. 1856
kam er als Distriktsarzt nach Schramberg.
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