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Trauerzug in Schramberg für den im Alter von 47 Jahren verstorbenen katholischen Geistlichen Josef
Mauch. Foto: Privatbesitz
„Prächtiger Leichenzug, wie ihn selbst
Schramberg noch selten gesehen"
Münsingen, 2. August 1950. „Der Verstorbene [Pfarrer
Mauch] wirkte während des Krieges in Erbstetten
und von 1918 bis 1927 in Bremelau. Von da aus
versah er auch 7 Jahre lang die Filialgemeinde
Münsingen. Obwohl er vor 2 Vi Jahren nach Ratzenried
im Allgäu übersiedelte, ist die segensreiche
Tätigkeit des hochbegabten, friedfertigen und leutseligen
Priesters [...] in bester Erinnerung. Darum
beteiligte sich an seiner Beerdigung auch eine
stattliche Anzahl dankbarer ehemaliger Pfarrkinder
aus Bremelau und Münsingen. [...] Reiche
Kranzspenden brachten ihrem außerordentlich
beliebten Pfarrer auch die Angehörigen der großen
Pfarrei Ratzenried, die in großer Zahl vom fernen
Allgäu gekommen waren. So gab ein prächtiger
Leichenzug, wie ihn selbst Schramberg noch selten
gesehen habe, dem Heimgegangenen das letzte
Geleit..."
Den Hintergrund des seelsorgerischen Wirkens
von Josef Mauch, wie er in den zitierten Ansprachen
angedeutet wird, bildete sein Einsatz für
den württembergischen Reformkatholizismus, für
den der gebürtige Schramberger auch publizistisch
aktiv war. Diese Bewegung, der Josef Mauch
neben der Seelsorge vor Ort sein Engagement
widmete, sei im Folgenden näher geschildert.
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Reformkatholizismus ausgegrenzt
Verschiedene Strömungen des Katholizismus wollten
bereits in der zweiten Hälfte des 1 ^Jahrhunderts
die römisch-katholische Kirche reformieren,
jedoch immer in Abgrenzung zu radikalen und
revolutionären Bestrebungen. Im Mittelpunkt
stand jeweils die Herausführung des Katholizismus
aus einem kulturellen Ghetto. Ziel war,
Leben und Lehre der katholischen Kirche unter
Wahrung der ungekürzten Botschaft des Evangeliums
in Dialog mit der modernen Wissenschaft
und Kultur zu bringen.3 Diese Strömungen wurden
in der römisch-katholischen Kirche ausgegrenzt
. Die wichtigsten Vertreter des Reformkatholizismus
waren Hermann Schell in Würzburg
(1850-1906), Franz Xaver Kraus in Freiburg
(1840-1901), Albert Ehrhard in Freiburg (1862-
1940), Dr. Franz Xaver von Linsenmann in Tübingen
(1835-1898) und Dr. Joseph Müller in München
(1855-1942).
Einzelne Werke von Herman Schell und Dr. Joseph
Müller kamen auf den „Index Librorum Pro-
hibitorum" (Verzeichnis der verbotenen Bücher).
Für Katholiken galt deren Lektüre als schwere
Sünde. Bei manchen Büchern war die Exkommunikation
vorgesehen.
3 s. www.enzyklo.de
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