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liehen Frauenbewegung nach 1919 nicht weit
voneinander entfernt waren.
Immerhin gelang es Berta Kuhnt, als im Laufe
des Jahres 1920 aufgrund der aktuellen Lage zusätzliche
Ausschüsse gebildet wurden, nicht allein
im Sozialbereich neue Aufgaben zu erhalten.
Sie wurde nicht nur Mitglied in der Kriegshilfekommission
und der Jugendkommission des Jugendamtes
, sie gewann außerdem Sitz und Stimme
in der neu gebildeten Finanzabteilung.22 Offensichtlich
beschränkte sich ihr Interesse keineswegs
auf Familienpolitik. Zusammen mit ihrer
Fraktion stimmte sie auch vehement gegen die
Anmietung von Räumen für die Unterbringung
staatlicher Ordnungspolizei, die der damalige
Stadtschultheiß Eugen Ritter angesichts befürchteter
Unruhen und auf Druck des damals größten
Steuerzahlers, der Uhrenfabrik Junghans, angefordert
hatte.23
22 Gemeinderatsprotokolle vom 6.5. und 22.12.1920
23 Gemeinderatsprotokoll vom 8.6.1921 sowie Gernot Stähle:
Die Schramberger Sozialdemokratie von den Anfängen bis
1933; in: Vorwärts. Und nicht vergessen. 100 Jahre Sozialdemokraten
in Schramberg; Schramberg 1988, S. 29
Berta Kuhnt (stehend 3. von rechts) im Kreis ihrer Familie (rechts mit Ehemann
Karl Wilhelm Kuhnt) und der ihrer Schwester Emma Zürn geb. Endtmann (links
mit ihrem Ehemann Adolf) 1921; in der Mitte sitzend ihre Mutter, Frau Endtmann.
Foto: Stadtmuseum Schramberg
Auch Theresia Bantle taucht nicht ausschließlich
in der Sozialpolitik auf; sie äußerte sich ebenso
zu anderen lokalpolitischen Fragen. Ihr war es
beispielsweise ein Anliegen, dass die Stadtverwaltung
die heimkehrenden Kriegsteilnehmer würdig
begrüßte.24 Für den Sportplatzbau konnte sie sich
dagegen nicht sonderlich erwärmen, sie wünschte
eine Verkleinerung des Vorhabens.25 Außerdem
stimmte sie gegen die Enteignung von Baugrund-
stücken.
Rätinnen uneins in Sachen Aufklärung
Nicht einer Meinung mit ihrer Gemeinderatskollegin
Berta Kuhnt war Theresia Bantle in Fragen
der Sexualaufklärung. Die Wanderausstellung des
Deutschen Hygiene-Museums Dresden zum Thema
„Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten"
lehnte sie mit Zentrumskollegen kategorisch ab,
während Berta Kuhnt und die SPD-Fraktion sich
dafür aussprachen.27 Theresia Bantle hegte Zweifel
, „ob diese Ausstellung nicht mehr schade als
nütze", und wünschte zumindest die strikte Einhaltung
einer Altersgrenze für das Publikum. Berta
Kuhnt hielt dagegen eine solche Ausstellung „ im
Interesse der Aufklärung und Bekämpfung der
28
Geschlechtskrankheiten für sehr notwendig"'.
Diese Meinung teilte
offenbar die Stadtverwaltung
; jedenfalls
wurde die Ausstellung
vom parteilosen
Stadtschultheißen Ritter
persönlich eröffnet
.29 Während der
Dauer der Aufklärungsschau
warb die
SPD-Zeitung in jeder
2 4 Schwarzwälder Tagblatt
vom 12.11.1920
2 5 Schramberger Zeitung
vom 24.11.1921
2 6 Gemeinderatsprotokoll
vom 26.1.1922, Schwarzw.
Tagblatt vom 28.1.1922
27 Schwarzwälder Tagblatt
vom 13.8.1921
28 Schwarzwälder Volks-
wacht vom 13.8.1921
29 ebd. vom 29.8.1921
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