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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_39/0042
Ausgabe mit großflächigen Inseraten für den Besuch
.30 Im Zentrumsblatt fiel die Werbung spärlicher
aus, eine redaktionelle Berichterstattung
fehlte ganz.31

Gemeinderatswahl 1922: Trotz Fleiß kein Preis

Die überlieferten Quellen machen deutlich, dass
Theresia Bantle und Berta Kuhnt während ihrer
Gemeinderatszeit mit ihrem auf Alltagsbewältigung
zielenden Politikverständnis und durch ihren
tätigen Einsatz maßgeblich zur Verbesserung der
Lebensverhältnisse ihrer Mitmenschen beitrugen.
Doch bei der Gemeinderatswahl 1922 schieden
beide Stadträtinnen wieder aus dem Gremium
aus.

Bei der Teilerneuerungswahl im Dezember 1922
waren nur zehn Plätze zu besetzen. Für die SPD
bewarben sich alle drei Gemeinderatsmitglieder
wieder, die 1919 nur auf drei Jahre gewählt worden
waren, darunter Berta Kuhnt. Außerdem
kandidierten vier weitere SPD-Genossen. Während
die beiden Ratskollegen Jonas King und
Josef Neef gewählt wurden, verfehlte die auf
Platz 3 kandidierende Berta Kuhnt als einzige
Frau mit dem drittbesten Stimmenergebnis das
Ziel knapp. Die SPD hatte nach der Wahl insgesamt
nur noch fünf Mandate - bisher sechs. Bei
einer Wahlbeteiligung von nur 51 Prozent waren
große Teile der Arbeiterschaft der Wahl ferngeblieben
.32 Der Verlust des Mandats ging zu Lasten
Berta Kuhnts, obwohl „ihr von allen Seiten stets
das beste Zeugnis ausgestellt wurde". Die Politik
der Männer war bei den Wählern und Wählerinnen
offenbar besser angekommen als Berta
Kuhnts hohes Engagement in der ehrenamtlichen
Wohlfahrtspflege. Selbst dem Zentrumsblatt
war diese Wahlniederlage die Meldung
wert: „Das vom Zentrum eroberte Mandat geht
der Sozialdemokratie ab, die es schmerzen mag,
dass die rührige Frau Kuhnt nicht mehr zum
Zuge kam." Berta Kuhnt ließ sich durch die
Wahlniederlage nicht entmutigen. Schon einen

3° z. B. Schwarzwälder Volkswacht vom 25.8.1921

31 z. B. Schwarzwälder Tagblatt vom 28.8.1921

32 Schwarzwälder Volkswacht vom 14.12. und 28.12.1922

33 ebd. vom 15.12.1922

34 Schwarzwälder Tagblatt vom 13.12.1922

42

Tag nach der Wahl machte sie im Gemeinderat
Vorschläge über die Abgabe von Speisen an Bedürftige
.35

Theresia Bantle vom Zentrum hatte nicht mehr
kandidiert. Ob die berufliche Anspannung dafür
mitverantwortlich war, kann allenfalls vermutet
werden. Sie hatte aus beruflichen Gründen schon
eine Weiterbildung für Gemeinderäte nicht wahrnehmen
können - sie und Berta Kuhnt sollten
auf Kosten der Stadtgemeinde an einem Lehrgang
zur Einführung in die Kinder- und Wohlfahrtspflege
teilnehmen.36 Arbeitsfrei hatte sie dafür
jedenfalls nicht bekommen und gesetzlichen Jahresurlaub
gab es zu dieser Zeit noch nicht.

Die Gemeindeordnung erlaubte es, in die Ausschüsse
außer Gemeinderäten und -rätinnen auch
andere, sogenannte „kundige" Bürger zu delegieren
. Beide ehemalige Gemeinderätinnen setzten
ihr sozialpolitisch-karitatives Engagement durch
die Mitarbeit in Ausschüssen fort. Demnach waren
sie kommunalpolitisch hochmotiviert und an Mitgestaltung
interessiert.

Einen Achtungserfolg erwiesen die ehemaligen
Gemeinderatskollegen Berta Kuhnt, indem sie sie
jeweils an zweiter Stelle in die Notstandskommission
und in den Frauenarbeitsschulrat wählten und
ihr sogar ein Mandat als Abgeordnete zur Amtsversammlung
zugestanden, wenngleich nur als
fünfte Stellvertreterin und daher mit wenig Aussicht
auf reale Mitwirkung.37 Theresia Bantle kandidierte
nur noch für den Frauenarbeitsschulrat; der Gemeinderat
dankte ihr durch die Wahl zum dritten
ordentlichen Mitglied dieses Gremiums.

Stadträtin 1923 bis 1928: Josefine Werner
allein auf gewonnenem Posten

Neu und erfolgreich bewarb sich die ledige, damals
25-jährige Bürogehilfin Josefine Werner
(1897-1983), eine Freundin Theresia Bantles, um
ein Gemeinderatsmandat. Sie kandidierte auf Platz
zwei der Liste der „Christlich-Nationalen Arbeitnehmerschaft
, Deutscher Gewerkschaftsbund".

35 Gemeinderatsprotokoll vom 13.12.1922

36 Gemeinderatsprotokoll vom 10.11.1920

37 Gemeinderatsprotokoll vom 31.1923


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