http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_39/0063
Dieter Kohlmann,
Schramberg
Dieter Kohlmann:
DIE GESCHICHTE DER STEIGE (1)
Zum Leben auf und neben der Straße
Heimatschriftstellerin Karoline Grüner beschrieb 1929
als „alte Schrambergerin" die Geschichte von der
„Erbauung der Steig" sowie Vorkommnisse von derselben
, von denen manches bereits in Vergessenheit
geraten ist. Autor Dieter Kohlmann recherchierte
über zehn Jahre hinweg akribisch zu den von Grüner
erwähnten Geschichten und Vorkommnissen und
entfaltet mit Blick auf diese Verbindung zwischen
Schramberg und Sulgen ein Zeitpanorama zum Leben
in früheren Jahrhunderten, das wir in zwei Teilen
veröffentlichen. Die Steige rückt derzeit im Zeichen
der Stadtentwicklung als Verbindungsachse zwischen
Tal und Höhe wieder ganz neu in den Blick. Von
daher ist eine Rückschau auf ihre Geschichte um
so aufschlussreicher.
Letzte Veröffentlichung vor 90 Jahren
„Die Erbauung der Steig. Vorkommnisse auf derselben
und im Göttelbach. Von der alten Schrambergerin
" heißt der lokalgeschichtliche Beitrag,
den Karoline Grüner (1857-1929) zur Geschichte
der Steige zwischen Schramberg und Sulgen geschrieben
hat und der vor genau 90 Jahren 1929
vom Schwarzwälder Tagblatt gedruckt wurde.1
Es war kurz vor ihrem Tod ihre letzte Veröffentlichung
. Ihren Beitrag, den wir mit leichten Kürzungen
wiedergeben, ergänzt um historische Informationen
und Illustrationen, soll das Leben
und Treiben in und neben der Straße vor Augen
führen und in seiner Vielfalt über mehrere Jahrhunderte
hinweg verdeutlichen.
1 in seinen Beilagen „Postillon" vom 5., 12. und 19. Mai 1929,
siehe Stadtarchiv Schramberg
Karoline Grüner beginnt:
Die beiden Chroniken von Schramberg, sowohl
diejenige von German Waller, Stadtschultheiß, als
auch jene von Oskar Dambach, Reallehrer in Göppingen
, aus den Jahren 1872 und 1904 bringen
nur spärliche Notizen über Weg- und Straßenverhältnisse
von Schramberg und Umgebung aus früheren
Zeiten.2 [...]
Das Fehlen der Landstraßen von Schramberg nach
Rottweil, trotzdem in Rottweil Gerichtssachen von
Schramberg behandelt und ausgeglichen wurden,
liegt wahrscheinlich in der langsamen Vergrößerung
von Schramberg; denn erst vom Jahre 1546
lesen wir von der Erbauung einer Landstraße
durch den Kirnbach über den Friedrichsberg und
Hutneck zur Hochebene. [...] Der einzige, heute
noch bestehende Weg, auf welchem man in kürzester
Frist von Schramberg aus die Hochebene
beim Staighäusle erreicht, ist derjenige, welcher
über den Bauernhof führt,3 und da derselbe die
gleiche Bauart und Pflasterung ausweist wie der
vom Imbrand zur Hochsteige führende, im Volksmund
[so] benannte Römersteig, so ist wohl anzunehmen
, dass auch dieser Weg von den Römern
erbaut wurde. Er erwies sich aber mit der Zeit als
zu steil und schmal, besonders zum Abführen von
Langholz.
1 German Waller: Chronik der Stadt & ehemaligen Herrschaft
Schramberg, sowie Ortsbeschreibung von Schramberg; Wolfach
1872; Oskar Dambach: Schramberg. Ort und Herrschaft.
Von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart; Schramberg
1904
3 d. h. den heutigen Bauernhofweg
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